Och wie süß! Schauen Sie mal: Das ist der Karim. Genau, der mit den Locken! Goldig, gell? Laut Anzeigentext für Burdas Tribute-To-Bambi-Stiftung ist er 11 Jahre und „eines von über 60.000 Flüchtlingskindern in Deutschland. Er musste vor dem Bürgerkrieg aus seiner Heimat fliehen und braucht jetzt Menschen, die ihn unterstützen.“ Und weil er Architekt werden will, werden Sie, liebe Leser, doch sicher gleich Herz und Portemonnaie öffnen und ihm helfen, sich in die Gesellschaft zu integrieren? Jetzt gleich, gell?

Ja, ich war ebenso emotionalisiert wie Sie, als ich das Motiv sah – vermutlich aber aus einem anderen Grund: Der junge Mann heißt nämlich Ernesto (Name von mir geändert), ist in Deutschland geboren, hat mit Architektur nix am Hut … äh, Helm … und eine ganz liebe Familie, mit der wir in lauen Sommernächten wie diesen des öfteren zusammen im Garten sitzen und über die mürrische Motztante aus dem Nebenhaus lachen. Mit anderen Worten: Ernesto ist seit Jahren unser Nachbarsjunge und höchstens dann auf der Flucht, wenn besagte Alte mal wieder damit droht, rauszukommen und den Kindern ihren Ball wegzunehmen.

Mal ehrlich, liebe Bambiner: Eure Förderungs-Arbeit in allen Ehren, aber sowas empfinde (vermutlich nicht nur) ich als Verarsche! Dann schreibt das nächste Mal doch bitte gleich, dass Karim gern Werber werden will, weil man so mit richtig viel Blödsinn so richtig viel Kohle verdienen kann. Und Blödsinn lieben doch alle Kinder auf der Welt, egal ob sie Bambi, Karim oder Ernesto heißen.

Mit enttäuschten Grüßen …

Bulo
(Clap-Herausgeber)