Die befristete Mehrwertsteuersenkung zum 1. Juli hat die Verlage viel beschäftigt. Knifflig erschienen den Verlagsmanagern insbesondere die Frage der Einordnung der Abonnement-Leistungen sowie die Abwicklung beim Einzelverkauf zum Erstverkaufstag. Letztlich wurden am Kiosk fast durchgängig die Copy-Preise beibehalten. Wir sprachen mit VDZ-Justiziar Dirk Platte über die Lage an der Magazinfront.

Wie man etlichen internen VDZ-Schreiben entnehmen kann, war die Mehrwertsteuerumstellung für Verlage nicht gerade einfach. Haben die meisten Medienhäuser diese Änderung letztlich gut gemeistert?

Platte: Das Bundesfinanzministerium hat zwar schnell ein sogenanntes Anwendungsschreiben erlassen, das aber nur einen kleinen Teil der Fragen klärt und der Verlagsbranche weder bei der Lieferkette zum Einzelhandel und dem Thema Remission noch bei der Abrechnung von Abonnements geholfen hat. Mehrere Anfragen des VDZ bei den zuständigen Beamten blieben bis heute unbeantwortet und damit leider die Handhabung unklar.

Ein kurzer Blick an den Kiosk reicht, um zu erkennen, dass die Copypreise, mit ganz wenigen Ausnahmen, gleichgeblieben sind. Also können sich die Zeitschriftenverlage dadurch auf etwas mehr Umsatz beim Einzelhandelsumsatz freuen, oder?

Platte: Wir müssen sehen, dass durch Corona zwar die meisten Verkaufsstellen geöffnet, aber eben nicht alle Umsatz hatten – etwa am Bahnhof oder Flughafen. Insofern sehe ich die Umsatzsteigerung nicht.

Hätten Sie es begrüßt, wenn außer der „WamS“ und der „Bams“ mehr Zeitschriften die Mehrwertsteuersenkung an die Kunden weitergereicht hätten?

Platte: Für den kurzen Zeitraum ist der Umstellungsaufwand schon enorm – am Ende ist es eine unternehmerische Entscheidung.

Sehen Sie insgesamt mehr Vorteile oder mehr Nachteile durch die Umstellung bei der Mehrwertsteuer? Ihr VDZ-Geschäftsführer hatte sich ja kritisch hinsichtlich des hohen Aufwands geäußert.

Platte: Die lediglich auf ein halbes Jahr begrenzte und sehr kurzfristige Absenkung war wohl gut gemeint, aber letztlich nur für hochpreisige Produkte interessant.

Würden sich der VDZ dafür einsetzen, die Mehrwertsteuer auf Presseprodukte langfristig auf fünf Prozent zu senken?

Platte: Wir haben es sehr begrüßt, dass Ende letzten Jahres endlich die Mehrwertsteuer für die digitale Presse mit der Printpresse angeglichen wurde. Langfristige Mehrwertsteuerreduzierungen verstehen wir als eine neutrale Förderung der Presse, die vor großen Herausforderungen steht.

 

VDZ-Justiziar Dirk Platte: „Mehrwertsteuersenkung nur für hochpreisige Produkte interessant“

Interview: dh

Fotos: VDZ, Wikipedia/Fridolin Freudenfett