Dieses Foto entstand rund zwei Wochen vor dem großen Wirecard-Crash. Clap war wegen einer Geschichte für das Print-Magazin vor Ort. Im Vorstandsbüro brannte an dem Abend noch Licht, allerdings ist die Momentaufnahme natürlich nichts besonders, es handelt sich mittlerweile um die wahrscheinlich meistfotografierte Unternehmensfassade Deutschlands. Thematisch ging es bei Clap allerdings um die doch recht eigenartige Kommunikation des Unternehmens aus München-Aschheim. Jetzt ist ja auch klar, warum.

In den Wochen und Monaten vor dem Skandal brachten jedenfalls die Presseverantwortlichen Jana Tilz (Corporate Communications), Heather Stewart (Trade Media) und Iris Stöckl (Financial Media) für Wirecard noch eine Unmenge von Pressemitteilungen heraus, die nun nochmal hinterfragt werden dürfen.

Es geht um Meldungen, wie die vom 18. April zum KPMG-Sonderbereicht. In der Mitteilung hieß es noch vor ein paar Wochen: „Belastende Belege für die öffentlich erhobenen Vorwürfe der Bilanzmanipulation wurden nicht gefunden.“ Zur gleichen Wirtschaftsprüfer-Thematik ließ sich einige Monate zuvor Ex-CEO Markus Braun in einer Pressemitteilung noch zitieren mit der Aussage: „Ich bin überzeugt, dass durch die unabhängige Untersuchung das Vertrauen in unser erfolgreiches und stark wachsendes Geschäft gestärkt wird.“ Und zum Kapitalmarkttag in New York hob Wirecard in einem Presse-Release die Prognose zur „Vision 2025“ an („wachstumsbeschleunigte Ziele“).

Alles totaler Quatsch, wie sich nun herausstellt.

Was darf PR und was nicht? Hier sind auf jeden Fall einige Grenzen des guten Geschmacks  weit überschritten worden. Worunter die Glaubwürdigkeit der Öffentlichkeitsarbeit doch insgesamt in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Wir sprechen von einem (noch) Dax-Unternehmen.

Für Presseanfragen hat sich die Zuständigkeit mittlerweile übrigens verschoben. Der „Medienkontakt“ für die vorläufigen Wirecard-Insolvenzverwalter rund um Rechtsanwalt Michael Jaffé ist Sebastian Brunner, der hier zu finden ist. (dh)