Seit 2015 gibt es beim „Spiegel“ kein Medienressort mehr. Und seitdem scheint es eher Zufall zu sein, wann sich das Nachrichtenmagazin diesen Themen annimmt. Nun gab es in der vergangenen Woche eine Geschichte zu Gabor Steingarts Company Media Pioneer. Erstaunlicherweise waren die geschäftlichen Angelegenheiten der Berliner Bootfahrer mal wieder ein veritabler Anlass für eine groß angelegte Medienstory.

Bereits vor einigen Jahren war der „Spiegel“ vorne dabei, als dieser den verworrenen Weggang von Steingart beim „Handelsblatt“ exklusiv vermeldete. Es ist also davon auszugehen, dass es auch in der neuen Steingart-Story Informationen aus erster Hand gegeben hat. Diese war nun auch alles andere als unerfolgreich, sonst wäre der Beitrag „Die unbequeme Wahrheit über den Medienmacher Gabor Steingart“ sicherlich nicht bei Spiegel.de hinter der Bezahlschranke verschwunden.

Trotzdem bleibt es nebulös, warum „Spiegel“-Chefredakteur Steffen Klusmann nun ausgerechnet das Steingart-Medienthema so groß aufzieht, während von der RTL Mediengruppe oder von ProSiebenSat.1 mittlerweile nur noch selten etwas zu lesen ist. Angeblich wollte Steingart ja mal „Spiegel“-Chefredakteur werden. Dieser unerfüllte Wunsch sollte in Hamburg eigentlich auch nicht direkt gegen ihn sprechen.

Allerdings war Klusmann früher einstmals beim „Handelsblatt“-Konkurrenten „Financial Times Deutschland“ als Chefredakteur aktiv, als Steingart noch das „Spiegel“-Hauptstadtbüro in Berlin leitete. Außerdem erlernte Klusmann sein Handwerk bei der Georg von Holtzbrinck-Schule, beim „Handelsblatt“ selbst war er aber nie.

Der sonst so toughe Steingart reagierte jedenfalls erstaunlich dünnhäutig auf die Story von Klusmanns „Spiegel“. Sogar von Geschäftsschädigung war die Rede. Das darf in der Tat erstaunen, für Samthandschuhe ist er weniger bekannt. Eher dafür, dass er kein Kind von Traurigkeit ist.

In dieser Woche schaltete sich nun wortgewaltig der wohl bekannteste Ex-„Handelsblatt“-Redakteur Thomas Knüwer in die Diskussion mit ein. Er allerdings war nur bis September 2009 bei der Wirtschaftszeitung. Steingart hat er dort nicht aktiv erlebt, dieser kam erst 2010 in die Chefredaktion. Knüwer verfolgt bekanntlich seinen früheren Arbeitgeber schon seit längerem sehr kritisch.

Bei der aufregenden Klusmann-Steingart-Knüwer-Fehde ist Düsseldorf der Ursprung. Alle drei Protagonisten waren einstmals bei der heutigen Handelsblatt Media Group, obwohl sie dort nie zusammen gearbeitet haben. Es geht dabei wohl weniger um große Medienpolitik oder Medienwirtschaft, viel mehr scheint es sich um alte Karrieren und neue Eitelkeiten zu drehen.

Eine Fortsetzung der Story wäre für den Beobachter unterhaltsam, diese bleibt aber ungewiss. Dafür bringt der „Spiegel“ viel zu selten Medienthemen in sein Heft. (dh)

Foto: © Superbass / CC BY-SA 4.0, David Maupilé/ Manager Magazin, Xing