Etliche Wochen nach dem Wirecard-Skandal hatten wir Fragen speziell an das „Handelsblatt“, die bis heute unbeantwortet blieben. Nun ahnen wir, warum: „Handelsblatt“-Chefredakteur Sven Afhüppe verlässt die Wirtschaftszeitung. Da wir uns nun die Mühe für ein paar Fragen gemacht haben, veröffentlichen wir diese hiermit.

Clap: Der phänomenale Absturz von Wirecard gilt bereits heute als größter Wirtschaftsskandal der Bundesrepublik Deutschland. Hätten Sie sich so eine Dimension des Falles vor dem 18. Juni 2020 vorstellen können? So ein riesiger Sumpf, war das in dieser Größenordnung ein Thema in der Redaktion?
 
Handelsblatt: leider keine Antwort
 
Clap: Sie haben gerade einen neuen Podcast gestartet, der vieles aufarbeiten soll. Können Redakteure innerhalb eines Audio-Formats investigativ sein?
 
Handelsblatt: leider keine Antwort
 
Clap: Mit dabei beim Podcast ist ihr noch junger Wirecard-Experte Felix Holtermann, der bereits vor dem bekannt gewordenen Bilanz-Betrug einer der kritischsten Journalisten in der Causa Wirecard gewesen ist. Nur stand er damit fast allein in der Redaktion. Kürzlich erschien eine Titelgeschichte im „Spiegel“ zu Wirecard. Daran hatte eine zweistellige Zahl von Autoren mitgewirkt. Hätten Sie nicht schon früher Wirecard zur Chefsache erklären oder größere Teams an das Thema setzen müssen?
 
Handelsblatt: leider keine Antwort
 
Clap: Ihr Newsletter schreibender früherer Kollege Gabor Steingart konstatierte bei sich und allen anderen Wirtschaftsmedien ein Wirecard-Versagen. Und zitiert beispielsweise die „FAZ“, die bei Wirecard früher von sauberen Bilanzen geschrieben hatte. Aber auch beim „Handelsblatt“ sind etliche Artikel noch aus dem Jahr 2019 zu finden, die heute sehr naiv klingen. So gibt es eine Story vom 13.11., als schon viele Spatzen die Ungereimtheiten bei Wirecard von den Dächern pfiffen, unter der Überschrift „So will Wirecard den Deutschen die bargeldlose Zukunft schmackhaft machen“. Dort ist beispielsweise davon die Rede, dass Innovationen die größten Wachstumstreiber bei Wirecard sind. Alles Unsinn, wie sich jetzt herausstellt. Finden Sie, dass die Wirtschaftsberichterstattung in eine Glaubwürdigkeitskrise gerutscht ist?
 
Handelsblatt: leider keine Antwort
 
Clap: Die britische „Financial Times“ ist gefühlt nach wie vor das federführende Blatt, wenn es um die Investigativleistung zu der Thematik geht. Zuletzt fanden die Redakteure heraus, dass Markus Braun eine Übernahme der Deutschen Bank im Sinn hatte. Fühlen Sie sich da nicht herausgefordert, als führende heimische Wirtschaftszeitung künftig in dieser Hinsicht auf Augenhöhe zu agieren?  

Handelsblatt: leider keine Antwort

Clap: Hatte es „FT“-Star-Reporter Dan McCrum insofern leichter, weil er von der Insel aus befreiter und unbefangener als Journalist agieren konnte?
 
Handelsblatt: leider keine Antwort
 
Clap: Inwiefern sind Sie persönlich enttäuscht von Ex-CEO Braun, den Sie bei verschiedenen Anlässen persönlich getroffen haben?
 
Handelsblatt: leider keine Antwort
 
 
Foto: Handelsblatt