Mit Spannung wird der kommende Start des Streaming-Aggregators Screenhits TV in Deutschland erwartet. Die App will die Angebote von Netflix, Amazon, Disney+ und weiteren Anbietern unter einem Dach bündeln. Für das deutsche Geschäft ist der ehemalige ProSiebenSat.1-Manager Ramy Nasser als Vice President Corporate Development verantwortlich. Clap sprach mit ihm über die kommenden Herausforderungen.

Es ist schon ein paar Wochen her, dass  Screenhits TV den Start in Deutschland für Ende März angekündigt hat. Warum waren Sie in den vergangenen Wochen noch kommunikativ etwas zurückhaltend?

Nasser: ScreenHits TV, als noch recht junges Unternehmen mit seinen Wurzeln in London und Kalifornien, hat sein Kommunikationsschwerpunkt auf die internationalen Märkten gelegt. Wir haben Anfang des Jahres nun erstmals die deutsche Medienlandschaft informiert, werden dieses auch fallweise auf verschiedenen Kanälen weiterhin machen. Andererseits haben für mich die direkten Gespräche mit den potentiellen Partnern allerhöchste Priorität. Sobald es für den deutschsprachigen Markt konkrete Ankündigen gibt, werden wir diese reichweitenstark kommunizieren. 

Bleibt es denn bei den ursprünglichen Plänen, dass Screenhits Ende des Monats März kommen soll? Und wird das für die Nutzer erstmal ein Betatest der „All in One Streaming App“?

Nasser: Der Markteintritt, die Etablierung der Marke und des Produktes sowie das fortwährende Wachstum gleichen einem Marathon, insofern wird es nicht auf wenige Wochen ankommen. Wie bei digitalen Produktlaunches der Entertainmentbranche durchaus üblich, kann es immer Anpassungen beispielsweise am Feature-Set geben. Das Produkt hat allerhöchsten vorrang. 

Bemerken Sie denn grundätzlich bei den anderen Anbietern den Willen zur Kooperation?

Nasser: Es gibt die großen, üblichen verdächtigen US-Streaming-Unternehmen die grundsätzlich offen für Kooperationen sind, sobald sie ScreenHits TV einmal gesehen haben und der Mehrwert beispielsweise im inkrementellen Nutzerwachstum erkannt wird. Das unterscheidet sich teilweise von Region und von Land zu Land. Andererseits haben gerade auch die lokalen Streamingchampions guten, zielgruppenspezifischen Content zu bieten der, sobald entdeckt, Kunden bindet oder zurückholt. 

Sprechen Sie auch mit Joyn? Sie kommen ja von ProSiebenSat.1.

Nasser: Ich kann mich grundsätzlich nur sehr eingeschränkt zu laufenden Gesprächen äußern. Selbstverständlich aber sehen wir in Joyn einen führenden lokalen Streamingchampion der auch gut zu ScreenHits TV passen würde. Und natürlich pflege ich weiterhin eine besondere Beziehung zu früheren und aktuellen Akteuren meines ehemaligen Arbeitgebers, der mir seinerzeit mit dem Aufbau der European Media Alliance viel ermöglicht hat. 

Kürzlich wurde bekannt, dass TV Now von der RTL Mediengruppe nun auch bei der Sky Q unterkommen soll, eine Plattform die sich zunehmend auch als Inhalte-Aggregator bemerkbar macht. Warum ist Ihrer Meinung nach gerade so viel Bewegung im Streaming-Markt?

Nasser: Das Aggregations-Business muss unterschieden werden in Kategorien, beispielsweise wie hoch die Paywall sein wird. Andererseits kommen Kriterien zum Tragen mit welcher Anzahl an Content-Partnern man agiert und zu welchem Grad es sich um ein geschlossenes Ökosystem handelt. Und es geht auch darum, ob in der Applikation dennoch separat gelauncht wird oder nicht. Es gibt noch eine Vielzahl weiterer Unterscheidungskriterien. In Summe ist es für Marktteilnehmer wie Screenhits TV immer gut, wenn sich Unternehmen wie RTL respektive TVNOW offen für Partnerschaften zeigen. Das Thema Business-Partnerschaften und Allianzen war in der Vergangenheit nicht immer angesagt, ich weiß wie mühsam es früher gewesen ist, Kooperationen anzubahnen. 

Wird es bei Screenhits auch bestimmte Pay-Bundles mit bestimmten Inhalten bei Ihnen geben?

Nasser: Bundles werden zukünftig Teil des Angebots werden, wenngleich sich Screenhits TV nicht in das Pay TV-Business bewegt. Wir haben aber in der Testphase festgestellt, dass der Bedarf nach Hardbundles mit konkretem Mehrwert beispielweise in Form von bemerkbaren monatlichen Kostenersparnissen oder einer spezifischen Inhalteausrichtung für alle beteiligten Akteure als eine Win-Win-Situation darstellt. 

Inwiefern ist es für Sie von Vorteil, dass große Majors ihre Lizenzen etwa für Spielfilme in letzter Zeit eher für sich behalten?

Nasser: Die Screenhits Ltd. ist seit 2012 am Markt, zunächst als B2B-Monetarisierungs Plattform für einige US-Entertainment Unternehmen für den automatisierten Ein- und Verkauf von Lizenzen. Frühzeitig den Trend erkennend, dass Lizenzen nicht nur zurückgehalten, sondern auch zurückgezogen wurden, hat sich für Screenhits TV die Chance ergeben mit einem B2C-Produkt an den Markt zu treten, da der Trend zur Fragmentierung absehbar war. Zudem kommt der Cord-Cutting-Trend hinzu, das ist aber ein anderes Thema. 

Welches Marktpotenzial sehen Sie generell in Deutschland für Screenhits?

Nasser: Deutschland steht im Vergleich zu den USA mit teilweise bis zu sieben Online-Video-Services (davon die allermeisten SVOD, AVOD) aber auch in Ländern wie Großbritannien (mit über fünf Services) noch recht überschaubar da. Das wird sich rasant ändern, auch was die absolute Anzahl der hierzulande verfügbaren Streaming Services betrifft. Es kommen beispielsweise Streamer nach Deutschland die sich auf bestimmte Genres wie Reality, Natur, Sport oder Lifestyle fokussieren und guten Content platzieren. In Kombination mit den lokalen Streaming-Champions sowie den internationalen Schwergewichten zeichnet sich auf dem Streaming-Markt ein echter Jungle ab und es kann da fallweise auch die Übersicht verloren gehen. Da kann es auch schon mal zu Herausforderungen wie Subscription-Fatigue kommen. Um eben die Kunden weiterhin für Streaming und Subscription zu begeistern, wollen wir mit unserer Plattform genau da ansetzen. Dabei setzen wir auf eine maßvolle Anzahl an hochwertigen Streaming-Anbietern als Teil der Plattform.  

Interview: dh

Foto: Screenhits TV