Unsere Frühjahrsausgabe ist endlich bei den Abonnenten. Mit dabei ist dieses Mal unter anderem ein Titelportrait des Journalisten Hajo Schumacher, der sich den Fragen unseres Reporters Bijan Peymani gestellt hat. Einen Auszug lesen sie hier:

Der Gerneklein

 Alles muss raus! Nach und nach hat Hajo Schumacher seinen ganz persönlichen Augiasstall ausgemistet. Ehemals stolzer Hirsch in der Medienbrunft, macht er heute auf betont demütig 
– und sich doch nur den Zeitgeist zum Freund. Im Clap-Gespräch berichtet Schumacher von privaten Krisen und offenbart eine ungestillte Sehnsucht nach dem Berliner Nachtleben. 

 

Das muss man dem Typ lassen: Mit Hajo Schumacher wird’s echt nicht langweilig. Zur Lust des Alt-Linken am Diskutieren, am Streiten, am Lachen gesellt sich echter Mutterwitz – und diese Mischung aus gezielter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit. Verziehen, dass der einstige Top-Journalist ziemlich stoffelig wirkt, wenn er mit vollem Mund weiterredet, mit einem „hä?“ nachfragt oder im Gespräch noch tausend Sachen nebenbei erledigt. Was sind schon Höflichkeiten? Kommt’s darauf an? Bitte nicht so spießig!

Schumacher gibt nicht mehr so irre viel auf das Urteil Anderer. Jedenfalls behauptet er das. Er mache schon länger „nur noch das, worauf ich wirklich Bock habe“. Etwa, seine Erfahrungen zu teilen, als Autor und Redner. Oder Menschen Mut zu machen, als Podcaster. So hat er mit Frau Susanne („Suse“) rund 240 Folgen des Podcasts „Wir gegen Corona“ für die „Berliner Morgenpost“ produziert. Dessen „mutmachender Sound“ sei „ein großartiger Energiespender und hat mich noch mal in ganz neue Sphären des Journalismus’ manövriert“, vibriert er.

Eben weg von dieser ewig mäkeligen und zweifelnden Attitüde, die gerade richtig wichtige Journalisten gern zeigen. So trat Schumacher auch lange auf.  Den, wie Markus Lanz einmal schleimte, „exzellenten Politik-Erklärer“ mimt er heute fast nur noch beim Sender „rbb“, im Ensemble des TV-Stuhlkreises „Thadeusz und die Beobachter“. Der Mann hat gelernt, mehr als manchem lieb ist, nein zu sagen. „Früher habe ich jeden Scheiß gemacht, auch aus dieser kleinbürgerlichen Panik heraus, andernfalls verhungern zu müssen“, sagt er entschuldigend.

Schumacher, oberflächlich unangepasst und mit der Hybris, keine solche zu besitzen, wirkt so fresh wie selten, mit wilder Mähne und Goatee. Bis dahin vor allem Schreibtischtäter, habe er die ersten 35 Jahre seines Lebens die Bühne gemieden, bekennt er. Dann zog es ihn dorthin hinauf wie die Motten zum Licht. Nun, mit bald 57 Jahren, hat er sein Sendungsbewusstsein neu kanalisiert. „Ich bin nicht auf dem Weg ins Frührentnertum, kann ich mir gar nicht leisten, aber ich lege inzwischen etwas mehr Wert darauf, sinnvolle Dinge zu tun.“

Der Name Hajo entstammt dem Friesischen, die Schumachers dem Saterland, einer Gemeinde im niedersächsischen Landkreis Cloppenburg. Zur Welt brachten sie ihren Sohn allerdings im katholischen Münster. Das mag man beklagen, es ist aber jedenfalls dem Vater zuzuschreiben. Aus eher überschaubaren Verhältnissen kommend, war der nämlich von dem Ehrgeiz beseelt, als Staatsbeamter bei der Deutschen Bundesbahn Karriere zu machen. Und so mussten sich die Schumachers nach Münster verlegen, und das als niedersächsische Protestanten!

„Ich habe also auch eine Art Migrationshintergrund“, frotzelt Hajo Schumacher. Sagt, er habe nie ganz dazugehört, sei dort nie richtig angekommen: „Alle hatten Kommunion und Firmung und ich halt so eine exotische Konfirmation, mit der keiner was anfangen konnte.“ Ob Kirche, Kirmes, Karneval – von Jugend an habe ihm der Zugang zur feinen Stadtgesellschaft gefehlt. Die funktioniere in Münster „im Guten wie im Schlechten; da ist die Welt noch ganz schön heil“. Ein deutsches Märchen, eben. Für manchen auch ein echter Albtraum…

Wer mehr über Schumacher erfahren möchte und unser Heft noch nicht bekommt, scrheibt einfach eine Mail an clap@clap-club.de. Die ersten fünf Einsender bekommen das Magazin kostenlos.