Die MIP in Cannes, die NAB in Las Vegas oder auch die Berlinale in unserer Hauptstadt – Schon vor Corona weckten Geschäftsreisen an diese Fleckchen Begehrlichkeiten, auch wenn in den Köpfen einiger dabei fälschlicherweise Arbeit mit Party verwechselt wurde. Wenn man mal ehrlich ist, hat die Medien-Branche schon immer davon gelebt, dass sich Menschen persönlich gut kennen. Ich möchte schon fast behaupten, dass sie so entstanden ist: Aus der Tradition heraus, sich auf einen Kaffee oder ein Mittagessen zu treffen und in einer etwas gelockerten Atmosphäre Ideen auszutauschen, Pläne zu schmieden und diese dann im besten Falle auch gemeinsam umzusetzen. Bei dieser Form des Miteinanders hat sich auch der gute alte Handschlag über ein Projekt häufig als verbindlicher erwiesen als ein aufwendig ausgearbeiteter Vertrag.

Was aber tun in Zeiten, in denen ein Handschlag mittlerweile gesellschaftlich regelrecht verpönt ist? Wenn eine in ihrer Natur freundschaftliche, übereinkommende Geste auf Zurückhaltung trifft? Sicherlich: Die Digitalisierung hat in den vergangenen Monaten den schon seit vielen Jahren dringend notwendigen Schub erfahren. Themen wie Home Office oder auch geschäftliche Online-Meetings haben nun in vielen Unternehmen ihren verdienten Stellenwert erreicht – positive Errungenschaften, die weniger Stress, mehr Effizienz und vor allem auch eine Kostenersparnis bedeuten können und von denen man auch nach der Pandemie sicherlich nicht abrücken wird.

Doch bei allem digitalen Fortschritt fehlt die Nähe. Die Nähe für ungezwungene Treffen, für die Eigendynamik, die sich in persönlichen Meetings oder Brainstormings ergibt. Für die sprichwörtlichen Schnapsideen, aus denen sich plötzlich etwas Großartiges entwickeln kann. Bei allen zu lobenden Bemühungen, bei professionell inszenierten Online-Messen oder Talk-Runden, diese Nähe lässt das Internet einfach nicht zu. Natürlich kann man auch online diskutieren, schwieriger wird es aber schon, wenn man neue Kontakte knüpfen möchte oder gar Vertrauliches miteinander zu besprechen hat. Denn habe ich in einem solchen, digitalen Moment die Sicherheit, nur unter vier Augen und Ohren zu sprechen, wie ich sie im persönlichen Aufeinandertreffen sicherstellen kann? Online-Dating im B2B-Bereich hat somit wenig Reiz.

Als Gesprächsalternative hat in den letzten Wochen das Phänomen „Walk & Talk“ die Runde gemacht. Ein Spaziergang unter freiem Himmel, mit Abstand, aber zumindest dennoch von Angesicht zu Angesicht. Eine schöne Idee, eine willkommene Abwechselung, aber will ich nun mit jedem Kunden oder Partner einen Ausflug planen, bin ich bald nur noch im Park oder am Rheinufer unterwegs.

Wir müssen also dringend wieder alle gemeinsam raus! Weg vom digitalen Alltag, hin an einen Ort, an dem viele unterschiedliche Gewerke und Dienstleister gleichzeitig aufeinandertreffen. An dem Raum für Spontanes ist, für Neues, auch für Altbewährtes, für Nähe und für Vertrauen ineinander. Das ist, was uns allen, sicherlich nicht nur in der Medienbranche, derzeit fehlt. Und das ist es auch, was uns mürbe macht.

Ich wünsche mir daher, dass die Teststrategien und auch die hoffentlich zügig voranschreitende Impfkampagne es ganz bald wieder zu lassen, aufeinanderzutreffen. Von Veranstaltern der Branchen-Events muss nicht überall und sofort wieder das ganz große Rad gedreht werden. Diese Erwartungshaltung wäre überzogen. Aber für Messen lassen sich neue Perspektiven, neue Ansätze finden, die sowohl den Herausforderungen der Eindämmung der Pandemie gerecht werden und uns das zurückgeben, was wir alle brauchen: analoge Nähe. Direkt und greifbar. Ohne verschwommene Hintergründe beim Gesprächspartner oder eingefrorene Gesichter durch stockende Internet-Leitungen.

Und einer Sache bin ich mir sicher: Die ersten echten, hautnahen Treffen in größerer Runde, ob in Cannes, Las Vegas oder Berlin, werden ein Fest – selbst ohne rauschende Party!

Stefan Hoff ist Geschäftsführer des technischen Dienstleisters Nobeo TV und Vorstandsvorsitzender des TV-Verbands VTFF. Er schreibt regelmäßig für Clap.