Also nein („oiso na“) a Piefke mischt sich bei uns ein? Wenn was in Österreich nicht geht, dann das. Da werden ganz schnell „Beidlgate und Ibizavideos“ vergessen. Ein Piefke uns belehren, uns gar vorführen? No way. Und schon gar nicht dieser Böhmermann. Da werden bei uns ganz schnell die Grenzen dicht gemacht. Der Feind kommt immer von außen. Und dann werden die Reihen dicht geschlossen. Da geht halt nebenbei fast unter, dass ein nicht unwesentlicher Boulevard-Medienmacher, nämlich Wolfgang Fellner eine veritable Me too G‘schicht an der Hacke hat. Es gilt halt die Unschuldsvermutung.

Aber zurück zu Böhmermann. Was war geschehen? Der Satiriker hatte eine große Ankündigung gemacht, die die Alpenrepublik in ihren Grundfesten erschüttern sollte. Aber siehe da: der große Skandal blieb aus. Moniert man zumindest in Österreich. Und das ist der eigentliche Skandal. Dass man das, was Böhmermann satirisch überzeichnet, aufzeigt, als „jo mei, is hoit so“ abtut. War sonst noch was? Na? Dann is eh Wurscht. Tu Felix Austria – mauschel beruhigt weiter.

Doch es vergeht keine Woche, da tauchen im liabn, kloan Operettenstaat neue – nennen wir es – Skurrilitäten auf. Zum Beispiel, wenn der österreichische Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) tollpatschig von einem Fettnapf in den nächsten springt. Etwa wenn er erst auf Veranlassung des Bundespräsidenten Alexander van der Bellen und auf Grund eines Exekutionsantrags des Verfassungsgerichtshofs wichtige Akten an den Ibiza-Ausschuss herausrückt und dabei von der nicht weniger verhaltensoriginellen ehemaligen Präsidentin des Nationalrats und jetzigen Landwirtschafts- und Tourismus Ministerin Elisabeth Köstinger von der ÖVP (also in etwa das Pendant zu der ebenso herzigen Julia Klöckner) verteidigt wird.

Da passt es dann doch ganz ins Bild, wenn der amtierende Präsident des Nationalrats (vergleichbar dem Deutschen Bundestag) Wolfgang Sobotka verlangt, man solle die Wahrheitspflicht in den U-Ausschüssen aufheben. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Dass nunmehr die Staatsanwaltschaft gegen den amtierenden Bundeskanzler Kurz (ÖVP) wegen Falschaussage im Untersuchungsausschuss zur Ibiza Affäre ermittelt, ist dann auf gut österreichisch, genau, a scho Wurscht.

Waren das noch Zeiten, als ich unbeschwert im Geilomobil (ja die Junge ÖVP nannte die Gefährte, die anlässlich der Wien Wahl 2010 durch die Stadt geschickt wurden tatsächlich so) als kleiner Basti das Wahlvolk mit dem Slogan „Schwarz macht geil“ beglücken durfte, wird sich der Bundesmaturant (Abiturient) Kurz wohl in so manchem stillen Moment denken. Aber Macht ist eben auch geil.

Wie sagte der ehemalige Präsidentschaftskandidat von der rechtspopulistischen FPÖ (etwa vergleichbar mit der AfD) Norbert Hofer im Wahlkampf so schön, wir werden uns noch wundern, was alle geht. Irrtum. In Österreich wundert man sich über gar nichts mehr.

Im Übrigen denkt man sich in der Alpenrepublik halt, da wollens uns als hinterfotziges, dauerklüngelndes Bergvolk vorführen, die Piefkes und dabei können die ja nicht einmal g‘scheit kochen. Soschautsaus.

Andreas Weinek ist gebürtiger Österreicher und war jahrelang in den obersten TV-Etagen zu Hause, unter anderem bei A&E und Servus TV. Für Clap kommentiert er regelmäßig das Geschehen in der Kommunikationsbranche.

Foto: Alexander von Spreti