Es ist unterwegs: Anfang nächster Woche landet das neue Clap-Magazin bei den Abonnenten. Passend zur Fußball-EM, die teilweise exklusiv bei Magenta TV zu sehen ist, gibt es das Titelportrait mit Magenta-Chef Michael Schuld. Mit dabei ist auch ein großes Interview mit dem neuen Corint-Media-Geschäftsführer Christoph Schwennicke, der um die Gebühren aus dem Leistungsschutzrecht kämpft. Darin antwortet er auch direkt auf die Vorwürfe von Madsack-Chef Thomas Düffert, der kritisiert, dass die Verteilung nicht zugunsten von Qualitätsjournalismus geregelt ist.

Einen Ausschnitt aus dem Interview können Sie vorab hier lesen:

Kurz vor der Wirksamkeit des Presseleistungsschutzrechts verstärkte sich Corint Media überraschend mit dem früheren Cicero-Macher Christoph Schwennicke. Mit ihm sprachen wir über hohe Summen, die herausfordernden Gespräche mit Google und Facebook sowie über die Unabhängigkeit der Verwertungsgesellschaft.

Erlauben Sie mir zunächst einen Ausflug in die Politik. In München waren sie vor Kurzem als Diskutant für die FDP im Einsatz. Das war auf vielen Plakaten zu sehen. Werden Sie sich auch weiterhin für die Belange der Freien Demokraten einsetzen?  

Nein, ich habe kein Parteibuch und werde auch nie eines haben. Die Distanz muss sich ein Journalist immer bewahren. Aber was spricht gegen so eine Veranstaltung? Wenn mich Sahra Wagenknecht einladen würde, dann würde ich mir das auch überlegen. FDP-Mann Thomas Sattelberger, er hatte zu dem Event geladen, ist ein Mensch, dem man Wünsche nur schwer abschlagen kann.

Sie sind nun erst seit ein paar Tagen im Amt bei Corint Media. Und gleich kam eine Pressemitteilung der Madsack Mediengruppe, die sie aufgeschreckt haben dürfte. Corint werde dem Anspruch nicht gerecht, vor allem journalistisch hoch­wertige Angebote vom gesetzlichen Leistungs­schutz statt solche mit „mitunter zweifelhafter Reich­weiten­maximierung“ profitieren zu lassen, schrieb das Unternehmen. Wie stark hat Sie die Meldung überrascht?

Natürlich war die Einlassung von Madsack als maßgeblicher Mitgesellschafter nicht schön. Es ist aber – definitiv – noch keine endgültige Kündigung vollzogen worden. Und Madsack hat gerade erst dem neuen Wahrnehmungsvertrag, der Basis unserer Rechtewahrnehmung, zugestimmt. Ein wichtiges positives Signal. Nun können sich die Gesellschafter gemeinsam mit dem Verteilungsplan beschäftigen, wenn sie da Änderungsbedarf sehen. So lange gilt der von 2017.

Es sind also noch einige qualitative Kriterien zu ändern. Ist das zu lösen?

Das genau wird Gegenstand dieser Gespräche im Kreis der Gesellschafter und der Wahrnehmungsberechtigten sein. Wir als Corint Media sind treuhänderisch für sie tätig und werden Vorschläge machen. Entschieden wir das da, wo es hingehört – in den Gremien.

 

Corint Media ist eine von 13 in Deutschland zugelassenen Verwertungsgesellschaften und hieß früher VG Media. Müssen Sie bei dem sich nun anbahnenden Neustart noch etwas für die Bekanntheit tun?

Wir sind in der Branche schon recht bekannt. Und eine Verwertungsgesellschaft muss auch nicht wie ein Discounter oder ein Sportartikelhersteller jedem Konsumenten etwas sagen und bei ihm eine Emotion auslösen. Die Umbenennung selbst hatte da ganz sachliche Gründe und hing mit der europäischen Komponente zusammen.

In einer Fachzeitschrift kam der Vorwurf, Corint Media sei eine Springer-Veranstaltung. Daran ändere auch ihre Personalie nichts. Können Sie diesen Vorwurf entkräften?

Ich habe offensichtlich keine Springer-Nähe. Für die „Welt am Sonntag “ habe ich zwei, drei Gastbeiträge geschrieben, weil ich den Chefredakteur sehr schätze und er möglicherweise auch mich. Ansonsten war ich bei der „Süddeutschen Zeitung“, dem „Spiegel“ und schließlich Verleger von „Cicero“. Und ich würde auch der Meinung, Corint Media sei eine Springer-Veranstaltung, widersprechen. Unsere DNA liegt in der Kabelweitersendung für private Fernsehsender – ein Geschäft, das floriert und schon deswegen keine Abhängigkeit von einem einzelnen Verlag zulässt. Bisher ist Springer der größte Gesellschafter auf der Verlagsseite. Aber umso mehr Presseverleger hierher kommen, desto weniger relatives Gewicht hat Springer als Gesellschafter. Ein Verdünnungseffekt, den ich mir wünschen würde. Wahr ist aber auch: Mathias Döpfner hat bei allem Blick auf Springer-Interessen als BDZV-Präsident im Übrigen ungeheuer viel für die gesamte Branche geleistet.   

Jedenfalls bewegt sich was. Letzten Freitag hat das Bundeskartellamt ein Missbrauchsverfahren gegen Google eingeleitet. Und am heutigen Montag tritt in Deutschland das neue Urheber- und Leistungsschutzrecht in Kraft. Bei LinkedIn schreibt Burda-Vorstand Philipp Welte, dass dieser Juni 2021 ein Monat von geradezu „epochaler Bedeutung“ sein könnte. Wird sich jetzt wirklich etwas ändern?

Herr Welte hat Recht, wenn er die Bedeutung so heraushebt. Mit dem Inkrafttreten des Presseleistungsschutzrechtes, das erstmals einen stabilen Rechtsrahmen bietet, und dem Agieren des Bundeskartellamts hat sich Wegweisendes geändert. Es gibt Rückenwind, auch aus der Gesellschaft, die auch während der Corona-Pandemie gesehen hat, welchen ganz konkreten Mehrwert seriöse Informationen und ganz allgemein eine gesunde Presselandschaft hat. Und jeder – auch Burda – ist eingeladen mit uns etwas für den Schutz dieser Presselandschaft zu tun.

Rechnen Sie damit, dass viele neue Mitglieder dazu kommen?

Das sehe ich jedenfalls als meine zentrale Aufgabe hier an. Es laufen Gespräche und ein Teil davon so, dass wir sagen können: das ist aussichtsreich. Zum Vorteil aller, die dazukommen. Der gemeinschaftliche Ansatz ist der richtige. Bei gemeinsamem Auftreten und Vorgehen sind die Chancen einfach ungleich größer. Bei den Sammelklagen gegen VW hat man diese Stärke des gemeinsamen Ansatzes gesehen.

Was bedeutet denn genau die Formulierung „angemessene Vergütung“, mit der sie um Mitglieder werben. Da fehlt mir jetzt noch die konkrete Vorstellungskraft.

Die Antwort ist verdammt schwer. Zehn bis elf Prozent der Erlöse, die Weiterverbreiter mit Verlagsinhalten erzielen, müssen sie nach dem Tarif an die Verlage zurückgeben. Allerdings immer gesetzt dem Fall, wir hätten 100 Prozent aller Rechte – also alle Presseverlage lassen ihre Rechte durch Corint Media wahrnehmen. Dann können Sie diese zehn bis elf Prozent verlangen. Das müssen letztendlich aber Gerichte klären. Die Frage ist allerdings auch: wovon zehn bis elf Prozent? Das Geschäftsgebaren von Google ist nicht so transparent, dass es genaue Angaben darüber gibt, um welche Summe es genau geht. Wir schätzen: es geht um bis zu neun Milliarden Euro Umsatz, den Google in Deutschland pro Jahr erwirtschaftet. Wenn das stimmt, dann sprechen wir also von 900 Millionen Euro, die hier für das Leistungsschutzrecht in Rede stehen. Dazu passt das, was in Kanada gefordert wurde, mit rund 400 Millionen Euro. In Frankreich wurden die Verlage allerdings mit nur 20 Millionen Euro pro Jahr abgespeist. Es geht um große Summen und um nicht weniger als die gedeihliche Existenz unserer Branche im digitalen Zeitalter.

 

Wer das neue Clap-Magazin bekommen und das ganze Interview lesen möchte schreibt eine Mail an clap@clap-club.de. Zehn Freiexemplare liegen bereit.

 

Fotos: Corint Media

Interview: Daniel Häuser