Unter dem Namen „Künstliche Intelligenz“ hat Laura Karasek seit heute einen neuen Podcast und plaudert dort mit Sophia Thomalla über „zeitlose Themen mit aktuellem Bezug“. Zur Auftaktfolge lassen sich die beiden über Schönheitsoperationen und die damit verbundenen Vorurteile aus. Neue Wege für die gefragte Karasek, die im kürzlich erschienenen „Clap“-Magazin einen Beitrag über ihre nicht ganz so einfache Zeit als Künstlerin während der Corona-Pandemie geschrieben hat. Aus aktuellem Anlass bilden wir hier die Geschichte noch einmal ab:

„Das letzte Jahr konnte schon so richtig nerven. Wir alle haben versucht, das irgendwie zu ertragen, diese Zeit ohne große körperliche und psychische Schäden zu überstehen, uns nicht entmutigen zu lassen. Manchmal kostete das viel Kraft, in anderen Augenblicken schien es unwirklich. Trotzdem gab es da diese Momente, schöne Momente sogar, auch wenn ich mich manchmal zwingen musste, meinem rastlosen Wesen die Ruhe schmackhaft zu machen. Ich mag keine Ruhe. Ich mag es laut und stressig, ich mag Durcheinander.

Immerhin haben wir eine ganze Staffel „Zart am Limit“ für ZDFneo ohne Publikum gedreht. Eine Show, ein LateNight Talk ohne Resonanz, nur mit 15 Zuschauerinnen und drei Gästen im Raum. Manch ein Gespräch war dadurch auch intimer und einfühlsamer – das lag auch daran, dass ich ein bisschen weniger nervös war als sonst. Ich bin vor Live Publikum immer so schrecklich aufgeregt, will gefallen, brauche Applaus, habe Angst, in gähnende, gelangweilte Gesichter zu schauen, Gäste am Handy herumspielen zu sehen. Das verunsichert mich.

Nun war es anders: es war still im Saal, es gab mehr Platz fürs Gespräch und weniger Platz für Gefallsucht. Es nahm mir den Druck, den größten Lacher zu landen, ums Klatschen zu kämpfen, beeindrucken zu wollen. Aber mir fehlte das Danach: der Austausch mit dem Publikum, die erlösende Weinschorle, das Herumstehen, die Begegnungen.

In der Pandemie konnte ich sogar in einer Folge „Traumschiff“ mitspielen. Nun, die Anfrage lautete zunächst: „Traumschiff Seychellen“ und erreichte mich im März per Mail, kurz vor dem ersten Lockdown. Wie könnte ich dieses Angebot ablehnen! Ach, aber aus den Seychellen wurde dann Bremerhaven: ein Dreh in der Werft – es war eigenartig leer auf dem Schiff, ein Geisterboot ohne Gäste, bewegungslos wie irgendwie alles andere in dieser Zeit.

Was ich aber fühlte, war trotzdem viel, irgendwie eine merkwürdige Form der Berührbarkeit, wie wir alle da auf diesem Schiff zusammen waren,regungslos im Wasser sahen wir auf den Sonnenuntergang von Bremerhaven und fragten uns, was wir nun eigentlich fühlen sollten: Fernweh oder Dankbarkeit oder Sehnsucht oder alles.

Später hatte ich es dann gut: ich konnte zum Quizchampion und andere Shows drehen, alles weiterhin ohne Publikum, aber zumindest mit großen Teams hinter der Kamera, endlich Menschen, neue Menschen, fremde Menschen, endlich wieder Nächte im Hotel – selbst wenn das Hotel in Köln oder Saarbrücken und nicht auf Ibiza oder Mykonos war – und dem Gefühl, doch noch irgendwie am Leben teilzunehmen, an all dem, was irgendwie sonst immer so wichtig schien. Ein kleiner Umtrunk nach einer Aufzeichnung, die Freude an dem, was einfach da war. Schließlich hat der Lockdown mich fast gekriegt: Ich hatte Augenblicke der Antriebslosigkeit, des Zornes, der Leere: Selbstzweifel dank Social Media.

Dann habe ich einfach getanzt, erst allein zu Hip Hop und Pop aus den 90er Jahren, volle Lautstärke, die Hits meiner Jugend, Musik war sowieso das Beste in dieser Zeit, fürs Gemüt und für alles andere. Irgendwann habe ich einen Tanzlehrer gefragt, ob er mir ein paar Schritte beibringen will. Das wollte ich schon seit Jahren. Ansonsten schrieb ich nachts am Computer am nächsten Roman, manchmal saß ich auch nur herum, unfähig zu schreiben, weil alles Erlebte mir so unendlich weit weg schien. Wenn ich nicht schrieb oder zu schreiben versuchte, sah ich mit schlechtem Gewissen eine Serie oder las – mit etwas weniger schlechtem Gewissen – ein Buch. Lesen war ja immerhin auch irgendwie fast wie Schreiben. Aber immerhin kann ich nach dieser Zeit zwei Dinge berichten: ich beherrsche den Grundschritt vom Tango und ich habe zum ersten Mal Bremerhaven besucht!“

Text: Laura Karasek

Foto: Kick Media/Jens Koch