In zweieinhalb Monaten ist Bundestagswahl. Zuletzt haben die drei großen Parteien SPD, CDU und FDP ihre Kampagnen veröffentlicht. Am schnellsten war die AFD, die bereits im April ihre Werbekampagne für die Bundestagswahl vorgestellt hatte („Deutschland, aber normal„). Nur Die Grünen und Die Linke ließen  bislang mit ihren Kampagnen noch auf sich warten.

Die Kampagnenvorstellung der Partei von Annalena Baerbock wird aber schon am kommenden Montag (12. Juli) um 14 Uhr erfolgen und unter anderem bei Twitter live mitzuverfolgen sein. Die Linke braucht noch etwas länger: los gehts ab 21. Juli. Dann wird in Berlin die Kampagne vorgestellt.

Schon Ende Juni waren die Liberalen vorne mit dabei. Wie schon 2017 richtet die FDP ihre Plakat-Kampagne zur Bundestagswahl ganz auf Christian Lindner aus. Diesmal strahlt der Parteichef im Licht eines Tablets und inspiziert landwirtschaftliche Nutzfläche.

Lindner präsentierte seine neue Kampagne im Hans-Dietrich-Genscher-Haus höchstselbst. Die Bildsprache ist ähnlich wie beim Bundestagswahlkampf vor vier Jahren, doch anders als in der Vergangenheit, da waren Kampagnenfotos im Unterhemd zu sehen, geht er dieses Mal kein großes Risiko ein.

Die Kampagne der CDU wurde Anfang dieser Woche vorgestellt und musste bereits enorm viel Kritik einstecken. „Deutschland gemeinsam machen“ erinnert jedenfalls an schlechtes Deutsch á la „Deutschlands meiste Kreditkarte„. Immerhin spricht man genau darüber.

Mit einer klassischen Tageszeitungskampagne ist seit gestern die SPD draußen. Bislang wird die Inszenierung von Vize-Kanzler Olaf Scholz recht positiv aufgenommen. Überraschend kommt das nicht, die SPD hat mit Raphael Brinkert (früher Jung von Matt) einen echten Profi für die kommunikativen Maßnahmen engagiert.

Mit zum Team von Brinkert gehört auch Mr. Media, Thomas Koch. Er hat 1972 bei „Willi wählen“ mitgemacht und ist für die SPD auf die Straße gegangen. Koch hat für Clap ein exklusives Statement zur Kampagne:

„Die Wähler-Zielgruppe ist gewaltig groß. Daher spielen Massenmedien eine wichtige Rolle. Plakate, TV, Radio sind gesetzt. Wie bei allen Parteien. Vor allem aber ist die Zielgruppe furchtbar alt. Leider wählen sehr viel mehr Ü60 als U30. Zur Mobilisierung der eigenen Wähler und abtrünniger CDU-Wähler müssen wir auf Ü60 fokussieren. Da liegen wir bei den Masssenmedien richtig, weil sie intensiver von Älteren genutzt werden. Um gegen die Grünen zu bestehen, müssen wir allerdings ebenso jüngere Wähler erreichen.

Daher haben wir einen höheren Online-Anteil als die Grünen selbst. Sogar den höchsten Online-Anteil, den es je für eine SPD-Wahlkampagne gab. Wenn man 400.000 Mitglieder hat, kann man wunderbar mit sozialen und interaktiven Medien arbeiten. (Dass ich digitale Werbung nicht mag, stimmt nicht. Man muss halt wissen, wo und wie sie funktioniert.) Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal unserer Mediastrategie sind Themenzielgruppen.

Im Gegensatz zu allen anderen Parteien, arbeitet die SPD-Kampagne mit Inhalten. Deshalb kann ich das hier verraten, denn andere Parteien könnten eine solche Strategie nicht kopieren. Anhand dieser Themen und Inhalte definieren wir zusätzliche Zielgruppen. Kleine und große. Das können nur wir, weil wir – wie gesagt – die Einzigen sind, die mit echten Inhalten arbeiten und punkten werden.

So kann es sein, dass wir plötzlich mit einer Kampagne vor Gesundheitsämtern oder Krankenhäusern auftauchen. Oder wie diese Woche in Zeitungen. Oder wie sehr bald an überraschenden Stellen mit Plakaten. Oder in Kinos. Es kann auch eine Anzeige in einer Verpackungs-Fachzeitschrift geben. (Ich verrate aber nicht, warum.) Das ist unsere einzigartige „Inhalte-Themen-Zielgruppen-Nadelstich-Kampagnen-Media-Strategie“.

Es gilt dabei, die richtigen Wählerzielgruppen mit für sie wichtigen Themen zu überraschen. Dort, wo sie Wahlwerbung vielleicht nicht erwarten. An Touchpoints, den anderen Parteien übersehen.

So, jetzt habe ich aber genug verraten. Wir wollen die Anderen ja nicht allzu schlau machen.“

Fotos: Parteien