Calling Stockholm: Vor rund drei Wochen konnte Readly-Geschäftsführerin Maria Hedengren überzeugende Quartalszahlen präsentieren. Die Magazin-App konnte unter anderem mit einem Zuwachs an zahlenden Abonnenten von fast 30 Prozent punkten. Auch die Erlöse entwickelten sich ähnlich erfreulich. Geht es in ähnlichem Tempo weiter? Wir erreichten Hedengren in Schweden, sie gab uns von dort aus ein exklusives Interview.

Vor kurzem haben Sie überraschend starke Quartalszahlen für Readly veröffentlicht. Was sind die Gründe für die Geschäftsentwicklung?

Maria Hedengren: Ich denke, das liegt zum Teil daran, dass wir mehr und mehr großartige Inhalte auf unserer Plattform anbieten. Wir fassen das zusammen unter dem Begriff „Category Excellence“. Ein wichtiger Faktor in unserer Wachstumsstrategie. Das bedeutet, dass die zwei Alleinstellungsmerkmale von Readly – die Tiefe und die Breite der Titel – Teil unseres „All-you-can-read“-Angebots sind. Das ist für uns sehr wichtig.

Seit Anfang des Jahres haben Sie Axel Springer in Ihrem Portfolio. Und die Nutzer können Zeitungen wie die „Welt“ oder die „Welt am Sonntag“ lesen. Hatten Sie dadurch einen positiven Effekt?

Maria Hedengren: Vor allem Deutschland ist ein wichtiger Markt für uns, wenn wir die Zahl der möglichen Leser betrachten. Wir arbeiten seit vielen Jahren mit Springer zusammen. Und dadurch, dass wir neben den Zeitschriften auch Zeitungen haben, sehen wir positive Effekte, wie beispielsweise ein höheres Engagement der Leser. Unsere Daten in Deutschland zeigen eindeutig häufigere und längere Lesesitzungen und Konversionsraten. Readly-User können die „Bild“-Zeitung jeden Tag nutzen.

„Bild“ bei Readly. War das ein wichtiger Schritt für Sie?

Maria Hedengren: Die Monatszeitschriften profitieren von den häufiger erscheinenden Titeln, da sie den Menschen einen Grund geben, unsere App täglich zu besuchen und damit auch mehr Möglichkeiten haben, unser gesamtes Portfolio von 180 000 Zeitschriftenausgaben zu entdecken. Und das ist gut für unsere Akquisitions-, und Konversionsraten. Wir haben jetzt über 40 Tageszeitungen aus sieben Ländern im Portfolio.

Im zweiten Quartal kamen über 30 Prozent mehr Abonnenten zu Readly. Was werden Sie in nächster Zeit tun, um neue Nutzer zu begeistern?

Maria Hedengren: Wir wollen nicht nur weiterhin großartige Inhalte anbieten, sondern Readly auch mit neuen Funktionen ausstatten, die es zum Beispiel so einfach wie möglich machen sollen, die Inhalte auf einem mobilen Gerät zu lesen. Und um neue Inhalte leichter zu finden. Wir werden Readly auch weiterhin gemeinsam mit neuen Partnerschaften vermarkten. Das ist ein wichtiger Aspekt für unsere Wachstumsstrategie. Wir arbeiten mit mehr und mehr Partnern zusammen. Nicht nur mit Verlagspartnern. Im letzten Quartal haben wir eine neue Partnerschaft mit Samsung in Deutschland gestartet. Sie haben jetzt ein spezielles Readly-Value-Pack für ihre 5G-Mobilgeräte. Wir haben auch eine starke und gute Partnerschaft mit Lidl in Deutschland. Bei Lidl handelt es sich um eine globale Partnerschaft, bei der Readly ebenfalls in mehreren Ländern beworben wird. Wir arbeiten mit vielen solchen Partnern zusammen und es ist eine großartige Möglichkeit, neue Leute für unser Produkt zu erreichen.

Suchen Sie im Moment genauso intensiv nach neuen Verlagspartnern?

Maria Hedengren: Das ist immer wertvoll. Wir haben eine Menge Inhalte, etwa 5.500 Titel. Es gibt einige Partner, die wir gerne auf der Plattform haben würden. Wir werden weiterhin neue Verlagspartner unter Vertrag nehmen.

Einige Verlage sind hier in Deutschland noch etwas zurückhaltend. Erwarten Sie neue Partnerschaften mit Unternehmen wie Burda oder Gruner + Jahr? Führen Sie aktuell Gespräche mit diesen Medienunternehmen?

Maria Hedengren: Wir sind ständig im Gespräch mit allen großen Verlagen, überall. Wir haben gute Beziehungen in der Branche und verfolgen die Entwicklung genau. Wir hoffen, dass wir eines Tages auch Verlage wie Burda und Gruner + Jahr auf der Plattform begrüßen können.

Haben Sie die neue Strategie von Gruner + Jahr zusammen mit der RTL Mediengruppe verfolgt? Vielleicht gibt es jetzt einige neue Optionen für Readly.

Maria Hedengren: Ja, natürlich. Es ist sehr interessant, zu verfolgen, was in der Medienlandschaft passiert. Vor allem natürlich in Deutschland.

Mit Amazons Angebot „Kindle unlimited“ kann man auch viele Magazine per Flatrate lesen. Ist Amazon der stärkste Konkurrent?

Maria Hedengren: Wir haben tatsächlich einige Kooperationen mit Amazon. Auf dem Kindle Fire kann man die Readly-App herunterladen. Es ist ein Wettbewerb mit einem Kooperationspartner. In der Anfangsphase von einem neuen Produkt kann man häufig sehen, dass es mehrere Unternehmen gibt, die sich auf einem Sektor tummeln. Wenn Wettbewerber viel Marketing betreiben, hat das einen Spill-over-Effekt. Der Markt ist groß genug, um von dem, was Amazon tut, zu profitieren.

 

Interview: Daniel Häuser

Fotos: Readly