Xing will ja bekanntlich seinen Service in den kommenden Monaten stark verbessern. Und weil es so eine Vielzahl von neuen Funktionen gibt, muss das Ganze ausführlich analysiert werden. Wir baten Digitalexpertin Iréne Kilubi, die bei der Entwicklung am Xing-Beta-Programm teilnehmen konnte, die neuen Features genau unter die Lupe zu nehmen.

Der neue B2C-Bereich

Im B2C-Sektor hat Xing nun ein ausgeklügeltes Guide-System, das persönliche Karriereempfehlungen anhand berufsbiografischer Daten individuell auf die Nutzer abstimmt. Dadurch wird es möglich, dass Xing geeignete Fortbildungen vorschlägt und individuell auf Umzüge und sonstige Lebensereignisse reagiert.

Ein weiteres lohnenswertes Feature ist ProJobs. ProJobs bietet den Usern den vollen Leistungsumfang eines Premiumaccounts für einen beschränkten Zeitraum. Dazu gehören zum Beispiel Zugang zu Headhunter-Jobs ab 50.000 Euro Jahresgehalt und eine deutlich verbesserte Sichtbarkeit der eigenen Angaben für relevante Headhunter und Recruiter.

Darüber hinaus sind auch bestimmte Angaben individuell und nur auf Wunsch des Users für Recruiter sichtbar. Die Daten bleiben so privat, stehen aber den entscheidenden Personen ohne zusätzlichen Aufwand zur Verfügung. Ganz gezielt können dabei User in Jobangelegenheiten zum Austausch kommen.

Außerdem hat Xing im Zuge seiner Service-Offensive auch die Kooperation mit anderen Playern am Recruiting-Markt ausgebaut. Dazu gehören Kununu, Hallo Freelancer und Honeypot. Diese Zusammenarbeit erleichtert nicht nur die Jobsuche, sondern verbessert zusätzlich auch den Eindruck, den man als Jobsuchender von einem Unternehmen gewinnen kann.

Scheint ganz so, als sei Xing darauf aus, eine verbesserte Stellung im Recruiting-Markt einnehmen zu wollen. Stellt sich nur die Frage wie tief er zukünftig dafür in die Tasche greifen muss zumal die vollumfängliche Nutzung einen Premium-Account voraussetzt.

B2B-Services – bessere Anbindung von Kununu

Für Unternehmen bietet Xing nun die Möglichkeiten an, durch gezielte Ads, die im Wesentlichen im Bereich des Native Advertising angesiedelt sind, die eigene Sichtbarkeit und die Informationsdichte für potenzielle Mitarbeiter:innen zu erhöhen. Durch die Kooperation mit Kununu wird ein solides Employer Branding deutlich erleichtert. Ob so ein Matching „made in heaven“ entsteht und Xing dadurch eine Vorreiterrolle in Sachen Recruiting im B2B-Sektor einnimmt? Wir lassen uns überraschen. Jedenfalls soll die Kommunikation zwischen den Usern noch weiter verbessert sowie der Informationsaustausch beschleunigt werden.

Vertikaler Feed statt Kacheldesign

Auch beim Auftritt der Plattform wurde der Meisel angesetzt. Das bekannte Kacheldesign wurde durch den vertikalen Feed ersetzt. Man hat sich in diesem Bereich also darauf besonnen, dass neu nicht immer besser heißt und hält sich an ein tausendfach bewährtes Webdesign mit einem maximalen Maß an Funktionalität. Auch das Logo und die Farbgestaltung wurden angepasst. Eine minimalistische Designsprache zeugt von dem Wert, den die Plattform einem klaren und funktionalen Design beimisst. Ganz offensichtlich soll der User nicht vom Wesentlichen abgelenkt werden.

Navigation auf der Plattform

Das erste, was einem ins Auge fällt, wenn man die neu gestaltete Plattform betrachtet, ist die Startseite. Hinter dem „Entdecken“-Button versteckt sich beispielsweise das neu gestaltete Xing Events. Sehen und gesehen werden ermöglicht das Bleistift-Symbol. Über dieses Icon kann man selbst Beiträge verfassen. Außerdem ist es möglich auf News aus dem eigenen Netzwerk und Reaktionen aus dem Netzwerk auf die eigene Person oder das eigene Unternehmen zuzugreifen.

Die obligatorische Lupe ermöglicht einem den Zugriff auf die neue Suchfunktion. Für Premium-User bietet eine erweiterte Suchfunktion die Möglichkeit, die Suche bezüglich verschiedener wählbarer Parameter zu verfeinern. Verschiedene Menüpunkte führen den Nutzer zu den üblichen Bereichen der Plattform. Im Bereich „Deins“ finden sich alle relevanten Infos zu Abos und Mitgliedschaften sowie der persönliche Bereich mit den Nutzerdaten.

Unter dem Menüpunkt „Jobs“ können Stellenangebote gezielt gesucht werden und bei Interesse für spätere Einsicht gespeichert werden. Die inzwischen bekannten drei Punkte eröffnen schließlich den Weg zu allen anderen Plattformbereichen. Zu diesen zählen etwa Events, News, Gruppen und Unternehmensprofile.

Auch die Nutzung des Feeds wurde überarbeitet. Xing bietet mit seiner neuen Feedstruktur einen gut sortierten und individualisierbaren aktuellen Überblick über die wesentlichen Infos und Neuigkeiten.

Wie man unschwer erkennen kann, hat Xing massiv in die Optimierung der Navigation investiert, um den Usern zukünftig eine optimale User Experience zu ermöglichen. Wurde die komplexe Struktur und die „Unübersichtlichkeit in der Vergangenheit vielfach bemängelt, wird die anwenderfreundlichere Gestaltung wohl hoffentlich die Kritiker zum Schweigen bringen.

Xing-App & Algorithmus

Die runderneuerte App orientiert sich an den gängigen Trends, die in den sozialen Medien bereits etabliert sind. So will auch Xing mit Stories, die auch kurze Videos enthalten können, den Kontakt innerhalb der Community stärken und ausbauen. Dabei wurde die übliche Verfügbarkeit der Stories von den gängigen 24 Stunden auf sieben Tage ausgedehnt. So können potenziell mehr Interessierte erreicht werden. Stories funktionieren auf Instagram ganz gut. LinkedIn konnte sich in dem Bereich bis dato nicht behaupten. Vielleicht mutet sich Xing da zuviel zu? Man kann eigentlich nur zu dem Urteil kommen: Stories auf Xing sind zum Scheitern verurteilt. Immmerhin bietet der verbesserte Algorithmus dem Nutzer eine große Vielfalt an wichtigen Infos und individuell abgestimmten Empfehlungen. Hallelujah! Endlich Mal relevanten Content für alle! Nervige Werbeanzeigen (fast) ade!

Brandneue Formate

Zukunft.machen:
Stammnutzer kennen diese neue Kategorie unter dem Namen Xing Klartext. Im Grunde handelt es sich um eine plattformeigenen Hauszeitung, die sich im Wesentlichen mit Zukunftsthemen beschäftigt. So werden etwa Themen wie Nachhaltigkeit, gesund Leben im Alter und vieles mehr behandelt und von der Xing-Redaktion aufgearbeitet.

Team A Podcast:
Der Team A Podcast bietet wertvolle Einsichten von Führungskräften für Führungskräfte. Der Podcast wird von der Xing-Newsredaktion zusammen mit dem Magazin „Harvard Business Manager“ betrieben und bietet wertvolle Einblicke in den Alltag und die Zukunft der Unternehmensführung.

New Work Stories:
Ein weiterer Podcast liefert Infos zur Zukunft der Arbeitswelt und wie man sich als Arbeitnehmer mit den rasanten Veränderungen arrangieren kann, beziehungsweise wie man sich ebendiese Veränderungen zu Nutze machen kann.

E-Recruiting Podcast:
Dieser Podcast bietet für Personalentscheider wichtige Infos und Einblicke in neue Trends im Bereich Recruiting.

NWX:
Unter dem Namen NWX (New Work Experience) verbirgt sich ein Magazin, dass sich mit Themen rund um die Arbeitswelt der Gegenwart und der Zukunft beschäftigt. Dabei liegt der Fokus auf einer Veränderung der Arbeitswelt, die alle Teile des Arbeitslebens zukunftssicher machen soll. Das Magazin verleiht daher auch den NWA (New Work Award), um besonders innovative Arbeitsumfelder auszuzeichnen.

Xing Lunch-Talk:
Der Xing Lunch-Talk bietet den Usern die Möglichkeit sich während einer virtuellen Mittagspause mit anderen Nutzern über verschiedene Themen auszutauschen. Die Themen der Lunch-Talks werden vorher bekannt gegeben, um einen regen Austausch zu ermöglichen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Xing wartet mit einem klasse, vielfältigen und professionell gestalteten Portfolio an Formaten und Podcasts – definitiv für so Jeden etwas dabei. Nur wer kennt diese alle? Was Awareness, Struktur und Überblick anbelangt ist bei Xing noch Luft nach oben.

 

Irène Y. Kilubi ist eine deutsche Unternehmerin und Expertin für Innovationsstrategien. Sie arbeitet in diesem Bereich auch als Beraterin für die Europäische Kommission und als Dozentin an mehreren Hochschulen. Wer mehr über sie erfahren will kann sich bei www.jointgenerations.com informieren.