Wenn Olaf Scholz demnächst womöglich Bundeskanzler wird, ist er der fitteste Kanzler in der Geschichte Deutschlands. Und das ist kein Zufall. Wer das Land wieder zu einer starken Macht in Europa machen will, muss selbst stark sein – und das ist womöglich das Sieger-Geheimnis von Olaf Scholz, meint Mike Kleiß, Gründer und CEO der Kommunikationsagentur Goodwillrun:

„Es war gestern, ein Hundespaziergang unter Werbern in Hamburg Blankenese. Meine Hunde tobten mit Freddy, einem Golden Doodle. Freddys Herrchen Martin ist Werber wie ich. Freddys Herrchen ist aber auch Ruder-Trainer. „Also, ich bin ja Scholz Fan. Muss ich ehrlich sagen. Und das Rudern hat echt was gebracht.“, schwärmt Martin. „Vor Jahren kam Olaf an die Alster, da war er noch Bürgermeister.

Da stieg er ins Rudertraining ein. Sagte aber immer: Erzählt es nicht weiter, ist mir peinlich. Und wir dann immer so, ganz laut wenn er kam: „Moiiiiin, Herr Bürgermeister“, feixte Martin während Freddy sein Doodle-Fell vor Freude schüttelte. „Wadde mal, ich wusste das Scholz läuft. Weil seine Frau ihn vor Jahren dazu motivierte. Sein Bauch störte sie, darüber war zu lesen. Aber rudern?

„Jetzt hat der Olaf auch endlich mal eine Figur“, lachte Martin. Und nun wusste ich, was ich während des Wahlkampfes unbewusst registriert hatte. Irgendwie sah Olaf Scholz anders aus als sonst. Er hatte sich in den letzten Jahren dünngelaufen. Der etwas angedickte Body war schmal geworden, doch pünktlich zum Wahlkampf-Start hatte Olaf Scholz wirklich ein Kreuz, oder wie Martin sagte: Eine Figur. Er sagte wenig, aber machte eine gute Figur.

Zuhause angekommen ging ich ein wenig in die Recherche. Checkte die Medien, die Berichterstattung, dort blieb dieser Aspekt beinahe völlig unerkannt. Scholz langweilig, Scholz Werbekampagne, Scholz Triell, man arbeitete sich an ihm und den anderen ab. Qualitätsmedien wurden investigativ, aber niemand schaute genau hin. Also ganz genau!

Es ist definitiv kein Zufall gewesen, dass Scholz auf den Punkt austrainiert war. Noch einige Monate vor Wahlkampfstart sieht er auf Fotos anders aus. Spätestens zum Fotoshooting für die Kampagne war der zukünftige Bundeskanzler austrainiert. Und eventuell hat genau das die wenigen Prozentpunkte gebracht, die ihn nun zum Sieger werden lassen. Am Ende war es nicht die durchdachte Kampagne, am Ende war es Scholz selbst, der gesiegt hat.

So funktioniert Psychologie. Stärke Dich, sei fit, sei zäh, sei hart zu Dir, sei zielstrebig, Menschen werden das wahrnehmen. Auch wenn sie es gar nicht recht beschreiben können, sie spüren diese Stärke. Es ist das uralte Erfolgsrezept: Sei sportlich, sei kräftig, und Du bist erfolgreich. Viele Topmanager laufen Marathon, halten sich fit, ernähren sich gesund, schöpfen daraus Kraft. Ihr Auftreten ist entsprechend.

Und die Öffentlichkeit ist beeindruckt. Arnold Schwarzenegger wäre ohne Arnold Schwarzenegger zu sein, niemals Gouverneur geworden. Und Olaf Scholz wäre niemals Bundeskanzler ohne das Laufen und das Rudern geworden, und er wird es werden. Es ist diese unterschwellige Art der Kommunikation, die ihn siegen lässt. Er drückt Stärke ohne Worte aus, auch das ist Kommunikation. Auch das ist PR.

Es muss nicht immer der nächste Slogan, die nächste Kampagne sein. Eigen-PR beginnt immer bei uns selbst. Nicht bei der Agentur, die die scheinbar besten Ideen und Strategien entwickelt. Beim Rudern ist das erste Kommando: „Mannschaft fertigmachen zum Einsteigen“. Und diesen Satz wird er nun nicht mehr alleine beim Rudern einsetzen. Seine Mannschaft ist bereit zum Regieren. Na denn: „Alles vorwärts – Los!“

 

Das ist der alte Olaf Scholz – hier bei einer Regionalkonferenz zur Agenda 2010 in Bonn im Jahr 2003.

Mike Kleiß (links oben im Bild) ist Gründer und CEO der Kommunikationsagentur Goodwillrun und Ehemann der „Stern“-Chefredakteurin Anna-Beeke Gretemeier. Der Focus-Kolumnist treibt seit seiner Kindheit Sport und läuft seit sieben Jahren nahezu täglich zwischen 15 und 20 Kilometern.

Fotos: Wikipedia, Goodwillrun