„Die Tatsache, dass man in diesen Wochen jeden zweiten Abend einen Redakteur oder eine Redakteurin der Welt in Talkshows des ZDF anschauen und anhören muss, wirft die Frage auf, welche Art der Kooperation es eigentlich zwischen der „Welt“, dem Springer Verlag, und dem ZDF gibt?

Robin Alexander, Dagmar Rosenfeld oder Claudia Kade sind  in der gebotenen Konzentration nicht mehr zu ertragen. Meine Mails in diesem Zusammenhang an Peter Frey, Chefredakteur des ZDF, werden nicht beantwortet.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, bekannt für kluge Köpfe, die „Süddeutsche Zeitung“ oder auch das „Handelsblatt“ verfügen doch über eine Reihe sehr profilierter Journalisten, aber das ZDF lädt überwiegend „Welt“-Journalisten ein, die teilweise wenig profiliert sind und manchmal auch wenig zu sagen haben.

Dabei verfügt ja auch das ZDF über viele profilierte Journalisten, die die Berliner Politik intensiv beobachten und zur qualitativen Analyse durchaus befähigt sind. Ist den Damen und Herren in Mainz schon einmal aufgefallen, dass die Welt mit Welt TV, vormals N24, einen eigenen meinungsbildenden TV Sender unterhält, in dem die gleichen Redakteure ständig aufgeboten werden und mit Bild TV gerade ein zweiter TV Sender von Springer die Bildschirme erobert?  Wie hält es denn das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit dem eigenen Qualitätsanspruch?

Oder sind die Produktionsfirmen der einzelnen Sendungen und deren Redaktionen einfach so kostenorientiert, dass die Qualität auf der Strecke bleibt? Sind Lanz und Illner in Fragen der einzuladenden Gäste autark und das ZDF hat gar keinen Einfluss mehr auf die jeweilige Besetzung? Man kann den Eindruck gewinnen, dass „Welt“-Journalisten und Journalistinnen so etwas wie die Last Order sind. Sie werden in Programmvorschauen immer zuletzt genannt und sollen offenbar den Moderator bei seinen investigativen Fragen wirkungsvoll unterstützen, was meistens auch gelingt.

Vielleicht sind aber auch die Redaktionsstandorte der „Welt“ mit Hamburg und Berlin einfach näher an den produzierenden Studios als München, Frankfurt oder Düsseldorf. Ich meine, dass das öffentlich-rechtliche ZDF auch bei fremdproduzierten Sendeformaten einen Qualitätsanspruch haben und umsetzen muss, schließlich dürfte es dem ZDF ja auch nicht egal sein, wenn  demnächst einseitige Parteienpräferenzen von den jeweiligen Talkmastern Einfluss auf die Auswahl der präsentierten Gäste hätten.“

Autor Harald Müsse war jahrelang Geschäftsführer der Handelsblatt Media Group. Mit seiner Müsse Media Consulting hat er sich seit einigen Jahren selbstständig gemacht.