Jetzt ist es fix: Der 30. Dezember 2021 markiert den letzten Arbeitstag von Claus Kleber als Moderator des „heute journals“. Der Abritt des profilierten Journalisten ist eine Zäsur für das ZDF-Nachrichtenmagazin, erst recht aber für Kleber, der sich künftig seiner Familie widmen will – und seiner Segelleidenschaft.

Kleber hatte das „heute journal“ erstmals am 3. Februar 2003 und in der Folge beinahe 19 Jahre lang moderiert. Eigentlich wollte der Vater zweier erwachsener Töchter bereits 2020 in Rente gehen. Doch auf Bitten von Bettina Schausten, Vize-Chefredakteurin des Mainzer Senders, hatte Kleber seinen Ruhestand um ein Jahr verschoben. Am Silvester-Vorabend fällt für ihn nun endgültig der Vorhang. Der laut „SZ“ mit knapp 500.000 Euro Jahresgehalt zeitweilig bestbezahlte deutsche News-Moderator war nicht zum Bleiben zu bewegen.

Für das „heute journal“ ist Klebers Abgang die vielleicht größte Zäsur seit der Ausdehnung des Magazins auf das Wochenende Anfang 1992 (samstags) und Anfang 2000 (sonntags). Als „Reporter alter Schule“ hat der inzwischen 66-Jährige das Format wie kein Zweiter geprägt. Kleber gilt als seriös, kompetent und überaus talentiert darin, je nach Situation und Thema aufs Gröbste nüchtern oder berückend emphatisch zu wirken. Vielen wird der gebürtige Reutlinger auch durch sein schiefes Lächeln in Erinnerung bleiben.

Der promovierte Jurist hatte bereits während seiner Schulzeit als freier Mitarbeiter einer Lokalzeitung des „Kölner Stadt-Anzeigers“ zum Journalismus gefunden. Seine Studienzeit war ebenfalls geprägt von einer ständigen freien Mitarbeit beim Südwestfunk in Tübingen und Baden-Baden. Anfang 1985 wurde Kleber Studioleiter des Südwestfunks in Konstanz. Ab 1986 berichtete er 15 Jahre lang als Korrespondent für ARD-Anstalten in Radio- und TV-Beiträgen aus den USA. Später leitete er die ARD-Studios in Washington und London.

Mit dem Wechsel zum ZDF übernahm Kleber 2003 die Nachfolger von Wolf von Lojewski als Moderator des „heute journals“, das er in der Folge sechs Jahre lang leitete. Im Jahr 2007 hatte Kleber der Versuchung widerstanden, Chefredakteur des „Spiegel“ zu werden. Mit Leib und Seele TV-Mann, blieb er dem ZDF-Nachrichtenmagazin treu, seit 2009 als freier Mitarbeiter. Neben deutlich höheren Bezügen verschaffte Kleber dies die für unabhängige journalistische Arbeit nach seiner Überzeugung unverzichtbare Beinfreiheit.

Insbesondere in der zweiten Hälfte seiner Zeit als Anchorman des „heute journals“ hat Klebers Moderationsstil durchaus polarisiert. Von den einen geschätzt, erkannten andere eine gewisse Hybris und Selbstgefälligkeit. So warf der langjährige Mitherausgeber der „FAZ“, Frank Schirmacher, Kleber nach einem Interview mit Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser „Selbstinszenierung des Journalismus’“ vor. Später geißelte Jan Fleischhauer, heute „Focus“-Kolumnist, den ZDF-Anchor für seinen „Erziehungsjournalismus“.

Ab dem kommenden Jahr will sich Kleber wieder vor allem seiner Familie widmen. Seit 1982 ist er mit der Ärztin Renate Grziwok verheiratet. Gemeinsam haben sie die Töchter Catharina und Alexandra und leben in Wiesbaden. Bekannt ist Kleber zudem für seine Segelleidenschaft, der er wohl wieder öfter nachgehen wird; er hat ein eigenes Segelboot. Dem Journalismus ganz verloren gehen dürfte der Pensionär dennoch nicht: Seit Sommer 2015 lehrt er als Honorarprofessor am Institut für Medienwissenschaft der Uni Tübingen.

Text: Bijan Peymani

Foto: ZDF