2G, 2G plus, 3G – all diese Maßnahmen scheinen nicht zu reichen, um die vierte Corona-Welle zu brechen. Weihnachtsmärkte schließen und somit sind eigentlich jegliche ausufernde Festivitäten rund um das Fest der Liebe fragwürdig. Für die Eventbranche könnte das katastrophal werden, nun droht für viele Unternehmen in diesem Metier der zweite harte Corona-Winter. Glück hatten diejenigen, die bereits Veranstaltungen während der Sommermonate geplant hatten. Eventexperte Bernd Roos von der Agentur ProEvents (u.a. Klassik am Odeonsplatz, Deutscher Städtetag) erklärt für Clap die Lage im Eventbereich:

„Und täglich grüßt das Corona-Murmeltier – und schon wieder ist es die Eventbranche, die darunter leidet. Hatten wir nicht genug schlechte Zeiten seit Februar 2020? Hatten wir uns nicht erhofft mit dem Sommer 2021 wird alles besser?

Ich muss zugeben, dass ich mich im Spätsommer dieses Jahres gewundert hatte, als die Pandemie von einigen Politikern für beendet erklärt wurde und plötzlich alles geöffnet wurde. Spätestens Anfang Oktober hatte man doch das Gefühl, dass wir wieder da landen könnten, wo wir jetzt wieder sind: Konzertabsagen, 25 Prozent-Auslastung, 2G Plus Events, Lockdown – das ist die Realität Ende November in Deutschland. Die Renaissance der Eventbranche war nur von kurzer Dauer.

Nachdem wir in 2020 bei Pro Events alle Veranstaltungen absagen mussten, konnten wir in diesem Sommer am 9. und 10. Juli den Großevent Klassik am Odeonsplatz in München, wenn auch sehr eingeschränkt, als Corona-Pilotprojekt mit Sondergenehmigung des Freistaates Bayern und der Landeshauptstadt München durchführen. Man spürte die Freude zurückkommen bei allen Beteiligten und auch beim Besucher. Letztlich warteten doch alle auf physische Events, nach über einem Jahr Homeoffice und virtuellen Meetings.

Statt 16.000 Besucher an zwei Veranstaltungstagen bekamen wir die Genehmigung für vier Konzerte a 2000 Besuchern. Die Kosten waren aber kaum geringer – denn es hatte sich ein Trend gezeigt, der weiterhin in der Branche anhält: Das Personal wandert in andere Segmente ab und wird damit teurer – egal ob bei Licht&Ton-Firmen oder bei Security-Unternehmen. Die Kostensteigerungen in der Eventbranche liegen locker bei 20%. Das führt beispielsweise dazu, dass die Ticketpreise für das kommende Jahr angehoben werden und gleichzeitig Rabatte gestrichen werden. Der Konsument wird mehr zahlen müssen, sonst rechnen sich Veranstaltungen nicht mehr.

Zudem wird es etwas dauern, bis sich der Mensch wieder für Events mobilisieren lässt wie früher. Allerdings zeigen Vorverkaufszahlen aber auch Messen und Kongresse in diesem Jahr, dass der Konsument wieder zurückkommt. Zu stark ist doch die Sehnsucht nach physischem Live Erlebnis und Kontakten und Gesprächen. Das Digitale hat seine Berechtigung, aber der Mensch braucht die Gesellschaft und deshalb wird die Eventbranche nicht zugrunde gehen – davon sind wir bei Pro Events überzeugt.

Ein Beispiel unserer Agentur ist auch die Hauptversammlung Deutscher Städtetag letzte Woche in Erfurt. Der Event stand vor der Absage, aber letztlich ließen sich doch die Oberbürgermeister Deutschlands mobilisieren, an dieser kommunalpolitischen Spitzenveranstaltung teilzunehmen, die zweimal verschoben werden musste. 2G+ und Masken war das überzeugende Modell für den Event mit 1000 Besuchern in der Messe Erfurt. Zwar kam die Kanzlerin am Ende nur „digital“ zum Kongress, aber die Teilnehmer und Aussteller (rund 30 Top-Unternehmen konnten wir hierfür gewinnen, darunter Siemens, BMW, Edeka, Lidl oder PWC) waren nach drei Tagen Kongress glücklich, dass der Event trotz Inzidenz von 600 stattgefunden hat.

Und das ist Gute für unsere Branche: die Menschen loben jeden Event, der wieder stattfindet und wollen die Normalität. Wann kommt diese zurück? Letztes Jahr zu Beginn der Pandemie sagten kluge Köpfe, eine Pandemie dauere mindestens drei Jahre – das könnte hinkommen.

Ich denke dass wir nach der vierten Welle wieder mehr Normalität in der Branche haben werden – das zeigen auch Planungen von Unternehmen für das kommende Jahr. Nach vielleicht einem Jahr Übergangsphase – vielleicht in 2023 oder erst 2024 – werden wir hoffentlich wieder dort sein, wo wir 2020 aufgehört haben.“

Foto: ProEvents