Evolution statt Revolution: Am gestrigen Donnerstag wurde die runderneute Xing-App präsentiert. Der Aufand war enorm. Der neuen App lagen die Ergebnisse eines User-Tests zugrunde, an dem in den letzten zehn Monaten über 300.000 User teilgenommen haben. Clap sprach mit Geschäftsführerin Sabrin Zeplin über die neuen großen Ziele des deutschen Social Media-Netzwerks.

Eigentlich sollte die neue Xing-App schon im Frühherbst stehen. Was hat denn zu der mehrwöchigen Verzögerung geführt?
Zeplin: Zeitliche Verzögerungen bei Softwareproduktentwicklungen sind ja grundsätzlich eher die Regel als die Ausnahme. Statt ein bestimmtes Kalenderdatum einzuhalten, wollten wir beim Relaunch sicher sein, dass die App den Erwartungen und Ansprüchen der Nutzer entspricht. Darum haben wir die App auf Basis des größten User-Tests in der Geschichte von Xing entwickelt. Mehr als 300.000 Beta-Tester haben uns in den letzten zehn Monaten wertvolles Feedback sowie zahlreiche Ideen und Anregungen zur Verbesserung der App gegeben. Wir haben uns die Zeit genommen, die es brauchte, um das Feedback der Beta-Tester einfließen zu lassen. Dieser Feedbackprozess hat die Entwicklung zwar leicht verzögert, aber dafür trifft die App nun um so mehr die Erwartungen und Wünsche der Nutzer. 

Ein großes Ziel bei Ihnen ist die Verbesserung der Kommmunikation und Interaktion unter den Nutzern. Wie wollen Sie das erreichen?
Zeplin: Die Xing-Community ist mit 20 Millionen Mitgliedern extrem vielfältig. Die einen suchen einen Job während andere an dem Konsum oder der Verbreitung von interessantem Content interessiert sind. Für wieder andere ist Xing eine Plattform für den Austausch mit anderen Nutzern und dem Aufbau und der Pflege von Kontakten oder für neue Event-Informationen. Die neue App vereint alle diesen Anforderungen und Wünsche. Ein Feature zur Kommunikation und Interaktion mit anderen Mitgliedern sind beispielsweise die neuen Xing-Stories, mit denen Nutzer Momente aus ihrem Job-Leben mit ihren Kontakten teilen können. Perfekt für die kleinen Momente: ein Video aus der Mittagspause oder ein Schnappschuss vom letzten Meeting. Vor allem verfolgen wir aber den Anspruch unseren Mitgliedern zu dem Job zu verhelfen, der zu ihrem Leben passt. Darum bietet die neue App eine Kombination an attraktiven Services und einzigartigen Features, die es zu entdecken lohnt.

Sie betreiben erheblichen Aufwand, um den Service wieder attraktiver zu machen. Sind das gerade die größten Investitionen seit dem Launch von Xing respektive Open BC?

Zeplin: Tatsächlich investieren wir eine Menge Geld, Zeit und Manpower in die Weiterentwicklung von Xing. Der Launch der neuen App ist ein erster, wichtiger Schritt in einem andauernden Prozess. Kurz gesagt: Der Relaunch der App ist ein erster „Mosaikstein“ auf einem längeren Weg hin zu einem besseren Xing. 

Es gibt unzählige Neuerungen, die nun auf einmal umgesetzt werden. Was sind denn die wichtigsten?
Zeplin: Das erste, was einem Nutzer ins Auge sticht, wenn er die neue App öffnet, ist der aufgeräumte Look und das frische Design. Auch die Navigation wurde komplett überarbeitet und verbessert.  Im neuen, vertikalen News-Feed findet man sowohl die Beiträge seiner eigenen Kontakte als auch aktuelle News-Artikel und individuelle Empfehlungen zu Beiträgen, die für das Xing-Mitglied von Interesse sein könnten. Im Bereich „Netzwerken“ findet man neue Kontaktanfragen und -vorschläge Job-News aus dem eigenen Netzwerk, Informationen zu Geburtstagen, und vieles mehr. Die Reaktionen aus dem eigenen Netzwerk haben wir im Bereich „Deins“ gebündelt. Das können beispielsweise Gefällt-mir-Angaben sein oder Kommentare zu Beiträgen, die man selbst veröffentlich hat.  Und im Bereich „Jobs“ findet man aktuelle Stellenanzeigen, die zu dem Mitglied passen könnten. Neben dem frischen Look und der verbesserten, intuitiven Nutzerführung enthält die App zwei neue, nützliche Features, die sie von Mitbewerbern unterscheidet: Zum einen der sogenannte Xing-Guide, der die Nutzer individuell durch das Berufsleben navigiert und auf Wunsch aktiv bei der Jobsuche hilft. Und zum anderen der Xing-Stellenmarkt mit integrierten „Kulturinformationen“ über Tausende von Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Diese nützlichen Informationen zur Unternehmenskultur der Unternehmen stammen von der Arbeitgeberbewertungsplattform Kununu.

Ändert sich eigentlich auch etwas für Xing-Chefredakteurin Astrid Maier?
Zeplin: Der bereits erwähnte Beta-Test hat gezeigt, dass unsere Nutzer insbesondere die Branchen-Nachrichten von Xing-News und übrigens auch die täglichen, persönlichen E-Mail Newsletter zu unterschiedlichen Bereichen und Brachen sehr schätzen. Ein Grund warum die News direkt auf der Startseite der App im neu konzipierten Newsfeed mit individuellen Empfehlungen für die Mitglieder integriert sind. An der wichtigen Aufgabe von Astrid Maier ändert sich nichts. 

Wie sollen denn relevante Debatten auf Xing wieder angeschoben werden?

Zeplin: Wir werden vermehrt nutzwertige Artikel von Xing selbst ausspielen, die den Nutzern helfen, die großen und kleinen Herausforderungen im Job-Leben zu meistern. So werden beispielsweise die Xing-Top Minds ab Januar 2022 jeden Monat persönliche Reflexions-Leitfragen an die Xing-Nutzerinnen und Nutzer stellen. So wird erstmals ein Community-basiertes Erfolgstagebuch (ein sogenanntes Journaling) entstehen, über das die Redaktion dann im kommenden Jahr regelmäßig berichten wird. Die Fragen, die unsere Top Minds gemeinsam mit unseren Nutzerinnen und Nutzern dabei adressieren und diskutieren werden, reichen von „Welche Aufgaben spenden mir Energie?“ bis hin zu „Was steht dem Erreichen meines Ziels im Weg?“. Interessante Debatten sind quasi vorprogrammiert. Zu den Xing-Top Minds zählen die 20 erfolgreichsten Xing-Insider, darunter faszinierende Menschen, wie Stefanie Stahl (Psychotherapeutin/Bestsellerautorin), Raul Krauthausen (Inklusionsaktivist), Nico Rose (Professor für Wirtschaftspsychologie) oder Joana Breidenbach  (New-Work-Pionierin/Unternehmerin).

Das Event-Business war schwierig in den vergangenen zwei Jahren. Profitiert auch Xing-Events von den Neuerungen?

Zeplin: Die neue App soll generell für mehr Aktivität und Interaktion auf der Plattform sorgen, davon profitiert auch Xing-Events. Im eigenen Events-Bereich finden Nutzer sowohl relevante Empfehlungen als auch bevorstehende Events, an denen die Nutzer teilnehmen werden bzw. die sie sich vorgemerkt haben.

Eine Betatesterin schrieb in unserem Online-Dienst: „Was Awareness, Struktur und Überblick anbelangt ist bei Xing noch Luft nach oben“. War es schwierig die vielen neuen Funktionen unter einen Hut zu bekommen?

Zeplin: Es wäre interessant zu wissen, wann genau die Beta-Testerin den Kommentar geschrieben hat, denn tatsächlich haben wir bereits vor zehn Monaten damit begonnen, die ersten Beta-Tester um ihre Meinung zu bitten. Bei der Weiterentwicklung der App haben wir uns sehr stark an dem Feedback der Tester und den Bedürfnissen und Wünschen unserer Nutzer orientiert. Ganz oben auf der Wunschliste standen dabei neuer Newsfeed, sowie persönliche Empfehlungen mit mehr Relevanz für das individuelle Job-Leben der Nutzer. Das bieten wir mit der neuen App. Natürlich wird man es nicht allen recht machen können, aber wie bereits erwähnt, sind wir auch noch nicht am Ende der Reise. Xing wird sich auch im Laufe des kommenden Jahres weiter verbessern. Stay tuned….

Interview: dh

Foto: Xing