Lang hat sie nicht gedauert, die übermächtige Liebe zum frischgeschlüpften Nachwuchs des ehemaligen österreichischen Bundeskanzlers Kurz, die ihn quasi zwang, alle politischen Ämter aufzugeben. Flugs heuerte er beim US-Amerikanischen Investor Peter Thiel an. Die Alpenrepublik reibt sich verdutzt die Augen. Nicht.

Zuviel Skurriles wurde vom Altkanzler – ja ich weiß, das klingt bei Kurz ein bissel dings – und seinen Jünger:innen auf offener Bühne vollzogen und vom Wahlvolk mit erstaunlichem Desinteresse nicht einmal ignoriert. Warum aber Thiel oder eher andersrum warum Kurz bei Thiel?

Immerhin war Sebastian Kurz mal Außenminister und als Kanzler turnusmäßig EU-Ratsvorsitzender. Da sammelt man so manche Telefonnummer, die einem wie Peter Thiel schon etwas Wert sein mag. Aber vielleicht soll er ihm ja auch nur erklären, was es mit diesem ominösen Visegrad, also dem Verbund der Länder Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei auf sich hat. Und ihm im Anschluss auch noch die Balkanroute eröffnen. Einfach nur um seine Geografie-Kenntnisse aufzubessern. Damit habens die Amis ja nicht so.

Außerdem gibts ja noch den Kurz-Platzhalter und Intimus als Kanzler und abermaligen Außenminister Österreichs Alexander Schallenberg. Lobbying aka Packelei ist uns Österreicher:innen quasi in die Wiege gelegt. Nur heißt das bei uns halt Diplomatie. Es gilt die Unschuldsvermutung. Für die ganze Nation natürlich. Mal schauen, wie lange der Thiel den Kurz, der außer Politik nix Nennenswertes gelernt hat, brauchen kann. Als gesichtswahrende Rückzugsstrategie bleibt ja dann immer noch die übermächtige Sehnsucht nach dem in Wien zurückgelassenen Racker. Oder so.

Apropos, was macht eigentlich Ex Finanzminister Blümel? Achja, der hat ja auch Nachwuchs, der gern mal mit dem Dienst-Laptop des Herrn Papa im Kinderwagen von der Frau Mama durch den Park chauffiert wird, während zuhause Hausdurchsuchungen stattfinden. Bei uns ist sowas normal. Hat er zwar nicht als Rücktrittsgrund genannt. Also die übermäßige Sehnsucht nach umfassender Kinderbetreuung. Genaugenommen hat er gar keinen genannt. Also Rücktritt einfach? Erstaunlich in einem Land, in dem der Sekundenkleber für den Ministerstuhl mit der Bestallungsurkunde gleich mitüberreicht wird. Ein Schelm wer jetzt Böses denkt.

Für HC Strache und Thomas Schmid gibts heuer vermutlich das große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich für die Ibiza Affäre, Beidlgate und sonstige Nettigkeiten, die das Land zwar kurzfristig aufgerüttelt haben. Aber nicht wirklich. Nur kane Welln!

Und ob der Punk, Arzt und Vorsitzende der Bierpartei Marco Pogo es schafft, sich bei der diesjährigen Bundespräsidentenwahl, zu der er seinen Antritt angekündigt hat, durchzusetzen? Wer weiß? Nach der skurrilen Inszenierung der Ära Kurz ist alles möglich. Im putzigen Operettenstaat. 

Der gebürtige Österreicher Andreas Weinek war jahrelang in den obersten TV-Etagen zu Hause. Für Clap kommentiert er regelmäßig das Geschehen in der Kommunikationsbranche.

Foto: Alexander von Spreti