So viel Bombast gab es bei einer Online-Marketing-Konferenz selten. OMR war in dieser Woche in Hamburg live zurück. Jeder hat das mitbekommen. Nach der Zwangspause war wohl auch ganz LinkedIn auf der Veranstaltung. Eine reflektierte Auseinandersetzung mit dem Geschehen scheint für viele der professionellen Marktteilnehner allerdings nur schwer möglich zu sein.

Oberflächliche Kommentare bei Konferenzen sind ja allgemein betrachtet nichts Neues, doch beim OMR-Festival übertraf der eine den anderen Besucher mit irrationalem Überschwang. Insbesondere bei LinkedIn aber auch bei Instagram glichen sich die austauschbaren Einträge.

Ein paar exemplarische Beispiele:

„Ein grossartiges Wiedersehen auf der #omr. Wir freuen uns auf unsere Gäste.“
Matthias Schönwandt, General Director, Media Impact

„What a blast… Ich habe selten so viel in 1,5 Tagen erlebt wie beim OMR-Festival“
Lea-Sophie Cramer, Digitalinvestorin

„Finally a live festival. What a blast and how inspiring. Great to meet new people.“
Lars Smidt, Chief Growth Officer bei yfood

„The first day was already mind blowing. It was great to meet so many friends.“
Julian Kupfer, Communications Manager bei New Work

Dabei hätte es viel gegeben, worüber man kritisch hätte diskutieren können. Waren vielleicht doch zu viele Menschenmassen da? 70.000 sollen es ja gewesen sein, die extra an die Alster gereist sind. Ein ganzes Fußballstadion, das trübt den ganzen Spaß in den engen Gängen.

Klar waren Stars wie Quentin Tarantino da. Aber gab es da nicht insgesamt vielleicht zu viele Sponsoren-Talks, die verzichtbar gewesen wären?

Auch Journalist Gabor Steingart sprach auf der großen Bühne. Was da vorne aber inhaltlich passierte, war heute auch seinem Pioneer-Newsletter nicht zu entnehmen.

Und auch mal ganz oberflächlich gesprochen: der gesamte Tech-Sektor steht doch derzeit unter Beschuss, siehe Technologiebörse Nasdaq. Darüber war nicht so viel zu hören, vielleicht täte etwas Demut dieser Branche auch mal ganz gut. Das wäre wirklich mal Mind-Blowing.

Und irgendwo ganz weit hinten gab es tatsächlich auch noch einen lesenswerten LinkedIn-Beitrag. Der kam von PPC-Specialist Boris Beceric. Er schreibt:

„OMR steht anscheinend für Online Marketing Rockstars, aber das kann nicht wirklich der Fall sein, da keiner der Beiträge, die ich gelesen habe, etwas mit Rockmusik zu tun hat. Das ist irreführend und sehr schlechtes Marketing. Hier ist ein kleines Video von mir, also erwarte ich nächstes Jahr eine Einladung, dort auf der Hauptbühne zu spielen, OK?“

Wer sein ACDC-Video sehen will, klickt hier. (dh)

Fotos: OMR