Springer-Chef Mathias Döpfner gibt seinen Posten als Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) im Herbst ab. Das ist seit Anfang der Woche endlich Fakt. Jetzt ist das Rennen um seine Nachfolge nicht nur offiziell eröffnet, dieses ist auch noch völlig offen. Der Verband unterzieht sich zunächst einer Strukturanalyse, doch einer muss es im zweiten Halbjahr werden. Wer könnte für Döpfner ein würdiger Nachfolger sein? Clap hat sich umgehört.

Was die Neuwahl so spannend macht: Der neue Präsident muss nicht zwingend aus den Reihen des BDZV kommen. Eine Mitgliedschaft schreiben die Satzungen nicht zwingend vor, wie ein Marktteilnehmer betont. Theoretisch könnte also auch ein „Quereinsteiger“ das Amt übernehmen. Der BDZV wird in diesen Tagen zwar nicht müde zu betonen, dass er nun eine Person fokussieren möchte, die „nicht für ein großes, internationales und sehr digitales Verlagshaus steht“, sondern die Interessen „kleinerer und mittelgroßer, regionaler und lokaler Verlage“ vertritt.

Doch was der Verband vor allem in diesen schwierigen Monaten auch bräuchte, mit den galoppierenden Kosten für Druck und den Vertrieb der Zeitungen, ist ein Mensch, der Erfolge vorzuweisen hat. Da käme einer wie Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser (Mitte im Bild) gerade recht. Er wird geachtet von allen Verlegern und ist auch kommunikativ einer der geschicktesten Marktteilnehmer der letzten Jahre. Und Esser könnte seine lange Medienkarriere als Verlegerpräsident krönen. Eine Win-Win-Situation. Ob er tatsächlich dafür zur Verfügung stehen würde? Zumindest ist Esser über sein Verlagshaus auch mit den aktuellen Fragen im Zeitungsbusiness vertraut. 

Und was ist nun mit Julia Becker, die im letzten Clap Magazin Titelheldin gewesen ist (Bestellungen hier)? Die Funke-Chefin trat offen gegen Mathias Döpfner auf und forderte einen personellen Neuanfang. Ihre Reformvorschläge zeitigten zwischenzeitlich Erfolge. Wegen ihr gibt es nun eine mit zehn Verlags- und Verbands-Vertretern besetzte Reformkommission, bestehend aus acht Männern und zwei Frauen. Doch im März wurde bekannt, dass die Funke Mediengruppe nach dem ganzen Gerangel aus dem BDZV Ende des Jahres 2022 austreten will. Ein großer Verlust, auch finanziell gesehen. Funke war bislang ein wichtiger Einzahler, wie zu hören ist. Gibt es nach dem Hin und Her einen Weg zurück? Das erscheint in diesen Tagen nicht mehr unmöglich. Eine Frau an der Verbandsspitze wäre auf jeden Fall ein Novum und würde den Berlinern auch international gesehen gut zu Gesicht stehen. 

Thomas Düffert gilt auch weiterhin als Kandidat (links im Bild). Er war bereits im Februar diesen Jahres als BDZV-Vize zurückgetreten. Den Rückzug begründet der Madsack-Geschäftsführer mit fehlendem Vertrauen innerhalb des Verlegerverbandes. Man könne als Branche nur dann beste Chancen haben, sich Gehör zu verschaffen, „wenn wir gemeinsam vertrauensvoll zum Nutzen aller kleinen und großen Zeitungsverlage in Deutschland zusammenarbeiten“, sagt er der Süddeutschen Zeitung. Kann das Vertrauen wiederhergestellt werden? Vieleicht, wenn man ihm jetzt das Amt des BDZV-Präsidenten anbietet. Sein Rücktritt erfolgte ja in Wahrheit nur wegen der Debatte um den jetzt scheidenden BDZV-Präsidenten Döpfner. Auch auf Madsack wird der BDZV künftig nur ungern verzichten wollen.

Bis zu einer Entscheidung kann es noch dauern. Zunächst arbeitet eine spezielle Arbeitsgruppe in Berlin an den wichtigen „Strukturfragen“ und an Vorschlägen für eine weitere Modernisierung der Organisation und auch insgesamt an einer neuen Führungsstruktur. Eine Mitgliederversammlung wird anlässlich der wichtigen Verlegerversammlung „BDZV. Der Kongress“ am 12. September in Berlin zusammentreten. Danach geht es erst wirklich weiter. Eine Sprecherin: „Um das klar zu sagen: Die Reihenfolge ist erst Beschluss über die Struktur, dann Wahl für das Führungsamt.“ Bis dahin bleibt es also spannend. (dh)

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