Mit 120 Gästen feierte Looping Group-Chef Dominik Wichmann in dieser Woche den 70. Geburtstag seiner „Madame“. Neben vielen Geschäftsführern aus der Luxusgüterindustrrie kam ins „Schumanns“ am Münchner Odeonsplatz als Special Guest sogar Irene Krawehl, die bekannte frühere „Madame“-Chefredakteurin aus den 90er Jahren. 

In seiner Rede vor den Gästen verriet er ein interessantes Detail: wie es überhaupt zur Übernahme der „Madame“ durch die Looping Group kam. Den entsprechenden Wortlaut veröffentlicht Clap aus seinem Redemanuskript:

Sehr verehrte Gäste, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ich freue mich wirklich sehr, Sie heute hier im Namen der Herausgeber und Verleger der Madame zu deren 70. Geburtstag begrüßen zu dürfen! Seien Sie alle sehr herzlich willkommen!

Beim Geburtstag einer Medienmarke, zumal bei einem runden Geburtstag stolzer Zahl, sollte das große Wort des Abends jener Person obliegen, die diese Medienmarke inhaltlich verantwortet. Ich spreche selbstverständlich von Petra Winter, der Chefredakteurin der Madame.

Deshalb auch möchte ich Sie nicht langweilen mit enervierenden Ausführungen über die strategischen Hintergedanken, die uns, die Gründer der Looping Group, vor circa eineinhalb Jahren bewogen haben, dem Hamburger Bauer-Verlag die Madame abzukaufen – und anschließend massiv in diesen Titel zu investieren. Auch möchte ich sie nicht nerven mit irgendwelchen Zahlen, die belegen könnten, ob diese Entscheidung unternehmerisch richtig oder falsch war.

Statt also über Zahlen, über Pläne oder Erfolge möchte ich stattdessen über die Geschichten dreier Menschen sprechen, die mir im Laufe der vergangenen 16 Monate, seit unserer Akquise der MADAME also, erstmals begegnet, neu begegnet oder auf eine vollkommen ungeahnte Art und Weise neu begegnet sind. Menschen, deren Geschichten viel über die Madame im Speziellen und das Wesen der Publizistik im Allgemeinen auszudrücken vermögen.

Natürlich, liebe Petra, beginnt die erste dieser drei Geschichten mit Dir. Gewiss kennen wir uns schon weitaus länger als seit 16 Monaten, denn ich war ja vor meinem zweiten Berufsleben als Unternehmer selbst zwei Jahrzehnte lang Journalist und damit ein Kollege von Dir. Und dennoch haben wir uns im Spätsommer des Jahres 2020 neu kennenlernen dürfen. Erstens, weil wir die Jahre vorher zugegebenermaßen kaum Kontakt hatten und zweitens weil ich Fähigkeiten und Eigenschaften von Dir habe kennenlernen dürfen, die maßgeblich ausschlaggebend für den neuen Erfolg der Madame sind.

Du nämlich warst es, die mich im August des Jahres 2020 angerufen und gefragt hattest, ob mir ein Käufer für die Madame einfiele, da der bisherige Besitzer beabsichtige, den Titel aus seinem Portfolio zu nehmen. Du warst es, die als Chefredakteurin eine unternehmerische Verantwortung übernommen hat, die bei deutschen Chefredakteuren und Chefredakteurinnen eben nicht selbstverständlich ist. Du warst es, die in den folgenden Monaten den Spagat hinbekommen hat, einerseits die Interessen Deiner Redaktion zu schützen und andererseits als Mitgesellschafterin einen sehr ambitionierten Reformkurs mitzutragen (denn uns vier Gründern der Looping Group war es sehr wichtig, die Chefredakteurin – zumindest in einem überschaubaren Rahmen – mit in die verlegerische und gesellschaftsrechtliche Verantwortung zu nehmen – denn alles andere wäre gewissermaßen Duschen im Regenmantel).

Petra hat all diese Komplexitäten mit Bravour gemeistert. Sie hat das Alte verteidigt und gleichzeitig zugelassen, dass es infrage gestellt wird, um dem Neuen, dem Aufbruch eine Chance zu geben. Liebe Gäste, Petra Winter ist es gelungen, die berühmte Sentenz von Giuseppe di Lampedusa aus seinem Roman „Der Leopard“ mit Leben zu füllen: Alles musste sich ändern, damit alles so bleibt wie es ist.

Liebe Petra, als Gründer der Looping Group, eines Unternehmens also, das mit neuen Produkten die alten Zöpfe in der Kommunikationsbranche herausfordert, mussten meine Mitgründer Rüdiger Barth, Peter Greve, Robin Houcken und ich sehr bald feststellen: jeder will Pionier sein, aber niemand der Erste. Weil dies so ist, erfordert echte Innovation immer auch echten Mut. Du hast diesen Mut in den vergangenen 16 Monaten mehr als einmal bewiesen und deshalb freut es mich so ungemein, dass Du und Deine Redaktion nun die Früchte dieses Mutes ernten könnt. Herzlichen Glückwunsch zum neuen und nachhaltigen Erfolg der Marke Madame!

Kommen wir zur zweiten Geschichte. Sie ereignete sich vor erst wenigen Wochen bei einem Empfang im Hubertussaal des Schloss Nymphenburg. Dort wurde mir eine Dame vorgestellt, deren Name ich selbstverständlich schon mehrfach gehört hatte und von deren publizistischen Heldentaten mir einige Male berichtet wurde. Die Rede ist von Irene Krawehl, der langjährigen Chefredakteurin der Madame und vor-Vorgängerin unserer Kollegin Petra Winter.

Ich hatte also das Vergnügen, an besagtem Sommerabend einige längere Takte mit Frau Krawehl zu sprechen und natürlich tauschten wir uns aus über das gewisse Etwas, das die Madame seit jeher konstituiert. Jenes gewisse Etwas, das bisweilen womöglich etwas verschütt gegangen sein mag, seit einiger Zeit jedoch wieder und zunehmend funkelt und leuchtet. Am Ende dieses Abends bat ich (ein bisschen wie ein nervöser Konfirmand) um die E-Mail-Adresse von Frau Krawehl, denn ich hatte die Absicht, sie gewissermaßen um ein zweites Date zu bitten. Diese Date ist heute Abend und es freut mich sehr, Sie, liebe Irene Krawehl heute hier begrüßen zu dürfen! Herzlich willkommen!

Dieses gewisse Etwas der Madame: Was also war es? Was ist es? Und was wird es sein? Ja, natürlich hat es etwas mit Mode, mit Lifestyle zu tun. Aber eben nicht nur. Ich bin der Meinung, dass die Mode, der Lifestyle der Ausdruck von etwas Größerem sind – was die Fashion nicht kleiner machen soll, im Gegenteil. Dahinter aber stehen Begriffe wie „Leidenschaft“ und „Selbst-Bewusstsein“.

Die Madame – und das macht sie so besonders – reduzierte das Frausein niemals nur auf bestimmte Nischen und Themen. In Zeiten, in denen die Madame handwerklich gut gemacht war, nahm sie stets alle Themen einer Gesellschaft in den Blick – und betrachtete dieses Ganze aus der Perspektive einer sich selbst bewussten Frau.

Die Madame hatte etwas Aufklärerisches als es der Aufklärung bedurfte; sie hatte etwas Rebellisches als es der Rebellion bedurfte; und sie hatte etwas Gelassenes als es etwas mehr Gelassenheit bedurfte. Immer aber hatte und hat die Madame ein Anliegen. Mithin ein Anliegen, das weit über die Grenzen hinausreicht, die man ihr von außen zubilligt. Die Madame ist dann gut, wenn sie sich das nimmt, was siefür sich als relevant erachtet.

Liebe Gäste, ich komme zur dritten Geschichte. Dabei geht es um Tina Turner. Vielleicht wissen einige von Ihnen, dass es zwischen der Sängerin und der Looping Group relativ enge Bande gibt. Dies hat einerseits damit zu tun, dass ich vor einigen Jahren daran beteiligt war, ihre Autobiografie für sie zu schreiben und andererseits die Looping Group seit dieser Zeit die Marke Tina Turner weltweit betreut und berät. Auch aus diesem Grund gab die Künstlerin der Madame unlängst das weltweit einzige exklusive Interview seit vielen Jahren.

Als ich Tina Turner vor einigen Wochen in Zürich besuchte, sah ich das gerahmte Madame-Cover mit Ihr im Wohnzimmer stehen. Tina Turner bemerkte, dass ich davon etwas überrascht war – und begann von dem Cover und dem ganzen Heft zu schwärmen (und das, obwohl ihre Deutschkenntnisse – um es freundlich zu sagen- eher peripher ausgeprägt sind).

Sie schwärmte von der Bildsprache, sie schwärmte von den Modestrecken, den Themen und dem Sound des Heftes, wie sie sagte. Vielleicht tat sie das aus purer Höflichkeit, aber so wie ich Tina Turner in den vergangenen Jahren habe kennenlernen dürfen, ist sie eine durch und durch ehrlich Person. Nein, sie meinte das wirklich so – und wahrscheinlich kann es für eine Medienmarke mit dem Anspruch, relevant, leidenschaftlich, lebensklug, weltgewandt, selbstbewusst und ästhetisch zu sein, kein größeres Kompliment geben.

Liebe Gäste, bei meinen Mitgründern habe ich mich für deren Mut, inmitten des zweiten Lockdowns eine Zeitschrift zu kaufen, bereits bedankt. Ebenso bei Petra Winter, ebenso bei unserer Redaktion für Ihren Einsatz und Ihr Engagement.

Lassen Sie mich bitte noch Bettina Billerbeck erwähnen, unsere zweite und wirklich großartige Geschäftsführerin. Lassen Sie mich außerdem und sehr ausdrücklich Armin Roth und sein Team erwähnen und ihm und ihnen sehr herzlich danken. Armin Roth ist der wahrscheinlich beste und engagierteste Anzeigenvermarktungschef, den ich beruflich bis dato habe kennenlernen dürfen. Seine Identifikation mit und sein Glaube an die Madame geht so weit, dass (neben Petra Winter) auch er sich an der Gesellschaft unternehmerisch beteiligt hat.

Zuletzt möchte ich unseren Anzeigenkunden danken. Und zwar nicht einfach so. Ich will es begründen, um meinem Dank eine Ernsthaftigkeit und eine Aufrichtigkeit zu geben, die mir viel bedeutet. Es wäre ein Leichtes für Sie gewesen, ein Argument zu finden, Ihre Anzeigen in der Madame zu stornieren oder gar nicht erst zu buchen: Der Titel wird verkauft, vertraute Gesichter gehen, unbekannte Gesichter kommen neu hinzu, die Geschäfte bleiben infolge des Lockdowns geschlossen. Wie gesagt: es wäre ein Leichtes gewesen.

Sie aber haben es sich nicht leicht gemacht. Sie haben uns und unserem neuen Kurs vertraut. Sie haben das bewiesen, was immer leichter gesagt ist als getan: nämlich Mut. Es macht mich glücklich und auch ein wenig stolz, dass wir und Sie richtig lagen: Die Madame ist wieder in aller Munde, sie ist im Aufwind und sie ist erfolgreich. Aber ohne Sie und ohne Ihr Vertrauen wäre das alles nicht möglich gewesen – und deshalb danke ich Ihnen von ganzem Herzen!

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Gäste, haben Sie vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Chefredakteurin Petra Winter und Dominik Wichmann mit Schauspielerin Sibel Kekilli vor dem Schumanns.

Fotos: Looping Group