Florian Boitin, Geschäftsführer von Kouneli Media, gehörte in den letzten Monaten zu den aktivsten Movern in der Printszene. Zuletzt kam „Sports Illustrated Swimsuit“ auf den Markt, ein Titel der in Amerika Heidi Klum bekannt gemacht hatte. Es sind wohl noch weitere Überrraschungen aus Boitins Haus zu erwarten. Was der „Playboy“-Chef noch vorhat, verrät er in einem Clap-Interview.

Im Jahr 2019 gaben Sie bekannt, nicht nur den Playboy verlegen zu wollen, sondern auch unter der Dachmarke Kouneli Media all ihre Medienaktivitäten zu bündeln. Mittlerweile sind tatsächlich etliche neue Titel hinzugekommen. Wo und wann endet Ihr Expansionsdrang? 

Boitin: Kouneli verlegen wir in unserem kleinen Publishing-Unternehmen mit Playboy Deutschland und der deutschen Ausgabe von Sports Illustrated zwei internationale und sehr renommierte Medienmarken. Und ja, das erfüllt uns durchaus mit Stolz. Beide Brandshaben eine große Heritage und passen sehr gut zu unserer Philosophie: Sowohl Playboy als auch Sports Illustrated sind weltbekannte Premium-Marken und haben dabei jeweils eine absolute Alleinstellung im Markt. Myriam Karsch und mir geht es bei unserer Expansions-Strategie aber nicht um Wachstum per se, sondern um Synergien und Passgenauigkeit. Wir werden auch bei künftigen Markteinführungen und Neuentwicklungen deshalb vor allem auf ein Kriterium setzen: inhaltliche Unverwechselbarkeit.

Wie ordnet sich ihr neues Magazin „Sports Illustrated Swimsuit“ in Ihre Aktivitäten ein? 

Boitin: Die Swimsuit Edition ist auch in ihrem Heimatland USA eine einmal jährlich erscheinende Sports-Illustrated-Sonderausgabe. Und hat sich seit der Erstausgabe 1964 dabei selbst zu einer legendären Medienmarke entwickelt, dielängst Kult-Status erreicht hat. Und das auchaufgrund seiner ikonischen Covermotive. So ist beispielsweise der Beginn von Heidi Klums Weltkarriere untrennbar mit ihrem Auftritt in der Swimsuit Issue 1998 verbunden. Die Swimsuit-Ausgabe ist heute weit mehr als nur eine gut gemachte Bikini-Bibel mit internationalen Top-Models, sondern tut sich alsprominente, globale Plattform für weibliche Diversität und Female Empowerment hervor. So sind wir auch bei unserer deutschenSwimsuit-Premiere seit letzter Wochemit vier vollkommen unterschiedlichen Titelseiten im Markt. Neben US-Superstar Kim Kardashian haben die Leserinnen und Leser in unserem Verbreitungsgebiet die Cover-Wahl zwischen Curvy-Model Yumi Nu, der R&B-Sängerin Ciara und Maye Musk. Die Mutter von Tesla-Chef Elon Musk ist mit 74 Jahren das älteste Swimsuit-Covergirl der Sports-Illustrated-Historie. Ein Heft – vier starke Frauen. Eine Print-Ausgabe, die Geschichte schreibt.

Zuletzt hatten Sie im Playboy etliche deutsche TV-Stars auf dem Cover. Welches Playboy-Magazin ist unter Ihrer Ägide bislang am besten gelaufen? 

Boitin: Ich bin nun bereits im 14. Jahr als Chefredakteur verantwortlich für den deutschen Playboy. Neben vielfach zitierten Interviews waren es auch immer die besonderen Cover-Stars, die nicht nur medial große Beachtung fanden. Herauszuheben, weil publizistisch und zugleich wirtschaftlich herausragend erfolgreich, sind sicher die Ausgaben mit Simone und Sophia Thomalla. Aber auch die Ausgabe mit Laura Müller war Anfang 2020 wochenlang Talk ofthetown. Was sich erfreulicherweise auch in den Verkaufszahlen niederschlug.

Derzeit stehen etliche Verlage unter Druck wegen gestiegener Kosten für Druck und Vertrieb. Gerade der Playboy muss vergleichsweise hochwertiges Papier einkaufen. Wie begegnen Sie diesen Herausforderungen? 

Boitin: Die enorm gestiegenen Rohstoff- und Produktionskosten machen allen Verlagen zu schaffen. Bei Playboy haben wir darauf unter anderem auch mit Preiserhöhungen reagiert. Erfreulicherweise hat der deutlich erhöhte Copypreis von zwei Euro im Vergleich zum Vorjahr bisher keinerlei negative Auswirkungen auf die verkaufte Auflage. Offenbar stimmt für unsere Playboy-Käufer und -Leser auch weiterhin das Preis-Leistungsverhältnis. Und das auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten.

Können sie sich auch einen weiteren Ausbau ihren Online-Aktivitäten vorstellen? 

Boitin: Wir entwickeln unsere digitalen Angebote ständig weiter. Sei es bei playboy.de oder auch bei unserem Bezahl-Angebot ‚Playboy Premium‘. Und auch bei sportsillustrated.de arbeiten wir an einem stetigen Wachstum der Zugriffe und Unique User. Sehr gute Erfahrungen sammeln wir gerade beim Thema Readly. Hier testen wir die redaktionellen Inhalte von Playboy als auch von Sports Illustrated – und sehen hier ein großes Potential, neue Nutzer- und Käufergruppen zu erschließen.

Viel Aufmerksamkeit bekam ein Kommentar von Ihnen in unserem Online-Dienst, bei denen Sie sich über Facebook respektive Meta wegen der Zensur geärgert haben. Sind die Streitigkeiten mittlerweile beigelegt? 

Boitin: Facebook löscht immer wieder Posts und begründet dies mit einem Verstoß gegen sogenannte Gemeinschaftsstandards. Vor allem unbekleidete weibliche Brüste sind dem Facebook-Algorithmus offenbar ein Graus. Aber auch mit Satire und Humor tut sich Facebook immer wieder schwer. Als besonders drollig habe ich eine jüngst erlebte Erziehungsmaßnahme des Meta-Konzerns empfunden. So wurden gerade erst Beiträge und Posts von mir zwar nicht gelöscht – aber für 28 Tage in ihrer Sichtbarkeit heruntergestuft. Auch diese Strafaktion hatte wohl die Absicht, mich zur Besinnung kommen zu lassen. Das Verhältnis zwischen mir und Facebook kann man wohl am besten so beschreiben: es bleibt kompliziert.

Interview: dh

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