Das Start-up-Festival „Bits & Pretzels“ konnte in dieser Woche erstmals seit Ausbruch der Pandemie wieder laufen. In kleinerem Rahmen und fokussiert auf eine Sparte. Als Stargast mit dabei war unter anderem Instahelp-Chefin und Emotionsmanagerin Bernadette Frech, die sich auf der Bühne mit Ex-Tennisspielerin Ana Ivanovic zeigte. Wir trafen Frech im Vorfeld der Veranstaltung und baten die Expertin um einige psychologische Tipps speziell für Medienleute, denn ohne mentale Gesundheit ist bekanntlich alles nichts: 

Manage Deine Emotionen, sonst managen sie Dich! Stress, Wut, Angst sind starke Emotionen, die wir in unserer Leserschaft auslösen wollen. Aber auch wir selbst spüren diese Emotionen regelmäßig. Immer wieder wird uns etwas wütend machen, immer wieder etwas stressen – das können wir nicht ändern. Aber wir können für uns Coping-Strategien entwickeln und lernen, damit umzugehen. Dafür habe ich sechs Mental-Health-Hacks zusammengestellt:

1. (H)angry: Fehlende Integrität und Unzuverlässigkeit nerven. Es macht uns wütend, wenn Termine kurzfristig abgesagt und Abmachungen nicht eingehalten werden. Wahrscheinlich unterdrückst du diese Wut, weil es gesellschaftlich nicht angesehen ist diese Emotion zu zeigen. Aber ich würde dir raten: Umarme diese Wut, denn es braucht genau diese, damit du etwas veränderst. Wut ist der stärkste Treiber für Veränderung und Innovation. BTW prüfe aber auch einmal, ob du überhaupt wütend oder einfach nur hungrig bist. Bei Zweiterem hilft auch ein kleiner Snack – das führt mich gleich zum nächsten Punkt.

2. Stress: Ein schneller “snackable Content-Stresstest”: Gerade du als Kommunikationsliebhaber tendierst manchmal dazu, Artikel rasend schnell zu überfliegen und landest, wie auch hier, in einem Bulletpoint-Text? Wenn dir die Ruhe zum Lesen fehlt und alles nur noch einfach schnell gehen muss, ist es ein klares Zeichen, dass es eigentlich wieder einmal langsamer gehen sollte.

3. Fear: Eigene Entwürfe und Konzepte zu zeigen fühlt sich manchmal wie ein seelischer Striptease an. Trotz positiver Erfahrungen macht sich oft die Angst vor Ablehnung unserer Arbeit in uns breit, die sich wie eine direkte Zurückweisung unserer eigenen Person anfühlt. Aber auch diese Angst sollten wir umarmen, denn sie schärft unsere Sinne und lässt uns die Extra-Mile gehen. Genau diese Angst zu überwinden hilft uns, als Person weiter zu wachsen und lässt uns besondere Momente erleben, auf die wir im Rückblick oft besonders stolz sind.

4. Passion: Wenn du einen Artikel pitchst, solltest du das möglichst leidenschaftlich tun. Und auch wenn du sonst in der Medienbranche über deine Arbeit redest, wäre es toll, wenn wenigstens du davon begeisterst bist. Glaub’ mir, das kenne ich aus dem Startup-Leben. Die Leidenschaft ist das Feuer für deinen Berufsalltag und diese kannst du regelmäßig mit neuen Projekten und Zielen entfachen. Aber es ist ok, wenn du es einmal einfach nicht bist. Aus der Emotionstheorie ist dieser Aspekt spannend, weil gerade die Leidenschaft eine der kurzweiligsten Emotionen ist. Während andere Emotionen relativ lang anhalten können, verschwindet Leidenschaft relativ rasch. Möglicherweise kennst du das aus deinem Beziehungsleben. Aber auch darüber möchtest du vielleicht nicht ganz so ehrlich sprechen.

5. Pride: Wie oft hast du dich in den letzten zwei Wochen gelobt? Wahrscheinlich viel zu selten, oder? Während wir von Deadline zu Deadline hasten, übersehen wir oft, unsere kleinen und großen Erfolge gebührend zu feiern. Deswegen denke darüber nach: Was ist in den letzten zwei Wochen richtig gut gelungen und was war dein Beitrag dazu? Und dann klopfe dir mal fest auf die Schulter. Aber nicht zu fest, denn sonst verlassen wir den psychischen Rahmen.

6. Take your time: In unserer schnelllebigen Zeit ist es in jedem Fall wichtig, dass du auf dich und deine mentale Gesundheit achtest. Und der erste Schritt dahin ist, dass du dir fixe Zeiten dafür definierst – wie für eine morgendliche Laufrunde: Bewusste Zeit zu reflektieren, kreativ zu schreiben oder zu meditieren. Und falls das nicht ausreicht ist mein stärkster Mental Health Hack das Gespräch mit einem Therapeuten. Das kannst du inzwischen übrigens auch ganz entspannt online machen – von deiner Lieblingscouch zu Hause aus. Ich kenne da eine ziemlich gute App – siehe Bio.

Bernadette Frech ist CEO von Instahelp, der Plattform für psychologische Beratung Online seit 2018. In dieser Zeit etablierte sie das Unternehmen in den fünf europäischen Ländern Österreich, Deutschland, Schweiz, Frankreich und Großbritannien. Frech lehrt an mehreren Universitäten und wurde vom österreichischen Wirtschaftsmagazin „Trend“ unter die „100 mächtigsten Business-Frauen Österreichs“ gewählt.

Ana Ivanovic und Bernadette Frech bei der Bits & Pretzels Health Tech.

Fotos: Bits & Pretzels, dh