Diese Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Der Stadtrat München beschloss mit rot-grüner Mehrheit, die Ausstellungsflächen der IAA Mobility 2023 zu verkleinern. So kann möglicherweise die nächste Automobilmesse in der bayerischen Landeshauptstadt nicht mehr am Odeonsplatz unter freiem Himmel stattfinden. Der Automobilverband VDA ließ offen, welche Konsequenzen das haben wird. Weil genau dieses Outdoor-Konzept so viele Besucher auf die Ausstellungsflächen lockte.

Dabei saßen die neuen Chefs der Münchner Messe noch am gestrigen Donnerstag bei einem entspannten Pressegespräch zusammen. In gemütlicher Runde stellten sich Reinhard Pfeiffer (links im Bild) und Stefan Rummel in der Münchner Innenstadt zum Amtstantritt am heutigen 1. Juli vor. Der bisherige CEO, Klaus Dittrich, hatte in seinen zwölf Jahren an der Unternehmensspitze die Messe München unter die weltweit erfolgreichsten Messeunternehmen geführt, die internationale und digitale Ausrichtung maßgeblich geprägt und die IAA Mobility nach München geholt. An diese Performance muss die neue Doppelspitze erst einmal anschließen.

Und das wird gar nicht so einfach bei den deutlich schwierigeren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. „Alle Krisen machen keinen Bogen um uns“, sagte Rummel deshalb beim Pressegepräch unumwunden. Natürlich würden die Auswirkungen des laufenden Ukraine-Kriegs vor der Messe nicht halt machen. Russland war kein unwichtiger Partner in München. Im Durchschnitt gab es bei den Messen rund 20 russische Aussteller. Aus dem Land kamen auch etliche Besucher. Von der Gesamtzahl her betrachtet reiste von dort immerhin eine niedrige einstellige Prozentzahl von Teilnehmern an. 

Mittlerweile wurden allerdings sämtliche Marketing- und Vertriebsaktivitäten gegenüber russischen und belarussischen Ausstellern eingestellt. Bestehende Verträge auf Veranstaltungen in München lösten in den allermeisten Fällen die Münchner auf. Die Bedeutung dieser Verluste seien zwar verkraftbar, kommende noch unabsehbare Kollateralschäden sind aber selbstverständlich nicht ausgeschlossen.

Auch über die Corona-Pandemie wurde unweit des Rathauses beim Pressetermin gesprochen, die derzeit nicht mehr so vordergründig erscheint. „Wir vergessen viel zu schnell, wie düster die Zeit war“, sagte der neue CEO Pfeiffer. Jetzt gelte es, die weiteren Entwicklungen abzuwarten, unterschätzen würde das aber keiner. Im Clap-Interview sprach Ex-CEO Dittrich vor etlichen Monaten noch „von einer neuen Realität für das Messegeschäft“. Jetzt gehe es darum, sich so schnell wie möglich an die Rahmenbedingungen anpassen, man lebe einfach in einer Zeit enormer Umbrüche. Eines scheint also sicher: Es bleibt weiter spannungsreich bei der Messe München. Als nächstes geht es aber um nackte Zahlen: am 7. Juli kommt die Bilanz-Pressekonferenz an. (dh)