Die Diskussionen rund um die Rolle von Henri Nannen im Nationalsozialismus nehmen kein Ende. In dieser Woche verteidigte Ex-„Zeit“-Chef Theo Sommer in einem langen Beitrag den Stern-Gründer. Was Nannen „für die Demokratie getan hat, war nachhaltiger als alles, was er sich vorwerfen lassen muss“, schrieb Sommer in einem Gastbeitrag. Außerdem wurde Star-Anwalt Christian Schertz tätig. Der Medienanwalt hat im Namen der Nannen-Familie Änderungen in zwei Beiträgen der Formate „STRG_F“ und „Zapp“ gefordert, die unter anderem Flugblätter zeigen, die Nannen als Leiter der „Südsterns“ für die National­sozialisten veröffentlich haben soll.

Egal wie das alles ausgeht – so viele Schlagzeilen sind keine guten Voraussetzungen für eine Fortführung des Nannen Preises im nächsten Jahr wie bislang. Zumal die Verleihung schon im Jahr 2014 in Verruf kam, als Preisträger Jacob Appelbaum seine Preisskulptur einschmelzen ließ, weil er Nannen der Nazi-Propaganda verdächtigte. Im Jahr darauf, 2015, wurde ausgesetzt. 2016 wurde einfach mit dem Nannen-Preis einfach weitergemacht, als wäre nichts gewesen.

Ein Gremium soll nun bekanntlich „über die künftige Verwendung des Namens für den Preis und auch für die Henri-Nannen-Schule beraten“. Namhafte Journalisten werden also darüber beraten, wie es hier weitergehen soll. Es wäre aber jetzt keine große Überraschung mehr, wenn diese beschließen würden, dass der bisherige Name noch Vorbild für einen solchen wichtigen Journalistenpreis ist.

Vor kurzem gab es ja anstelle des Nannen Preises den „Stern Preis“. Warum nicht einfach dabei bleiben? Das kann der Zeitschriftenmarke nur guttun. Die Zeitschrift braucht ohnehin Aufmerksamkeit, die so auf eine positive Art hergestellt werden könnte. Eine Trophäe gab es bei der Verleihung des Stern Preises in diesem Jahr nicht. Clap hat, wie oben im Bild zu sehen, schon einmal einen kreativen Vorschlag. (dh)

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