Nicht jeden Abend, aber immer wieder sind führende Politiker und Entscheider aus Unternehmen gern gesehene Interviewgäste im abendlichen „Heute Journal“ vom ZDF. Was es dort immer seltener zu sehen gibt, sind veritable Live-Interviews mit diesen prominenten Gesprächspartnern. Das hat Clap bei einer kleinen Stichprobe in den vergangenen Wochen festgestellt. 

– am 3. Juli kommt die ehemalige Grünen-Politikerin Kerstin Andreae in die Sendung, die jetzt Lobbyistin als Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft ist. Am Ende des Gesprächs heißt es: „das Gespräch haben wir aus Termingründen vor einer knappen Stunde aufgezeichnet.“

– am 18. Juli kündigt Moderator Christian Sievers gleich am Anfang Bahnchef Richard Lutz an, der „gleich zu Gast im Studio sein wird“. Am Ende des Gesprächs heißt es, dass das Interview „aus Termingründen um 19:30 Uhr am heutigen Abend“ aufgezeichnet worden sei.

– am gestrigen 21. Juli kam es zum Gespräch mit Wirtschaftsminister Robert Habeck. Es wurde ebenso aus „Termingründen“ am selben Abend aufgezeichnet.

Zwei Interviewte setzten sich dagegen dem Risiko einer Live-Sendung in den letzten Tagen aus: am 17. Juli trat  der neue BASF-Betriebsratschef Sinischa Horvat und am 6. Juli der Klimaforscher Mojib Latif live in der Sendung auf.

Der Zusatz „aus Termingründen“ suggeriert, dass es nur ausnahmsweise kein Live-Interview gibt. Eventuell ist es allerdings mittlerweile eher der Normalfall, dass Fernseh-Interviews mit Politikern und Wirtschaftschefs aufgezeichnet werden, weil diese lieber auf Nummer sicher gehen wollen und „Termingründe“ vorschieben. Schön wäre es deshalb, wenn es beim ZDF demnächst heißen würde: „das Interview haben wir aus aktuellen Gründen live geführt“.

Foto: ZDF