Der Tod der Queen ist redaktionell gesehen natürlich auch ein wichtiger Fall für Bunte.de. Kurz vor diesem weltumspannenden Ereignis konnten wir die Chefredakteurin des Burda-Dienstes für ein Gespräch gewinnen. Die Berlinerin Alina Bähr hat bei dem Online-Ableger der People-Zeitschrift seit rund einem Jahr das Ruder übernommen. Die 35-Jährige kam von Focus Online, wo sie in den vergangenen Jahren als Head of Entertainment und stellvertretende Nachrichtenchefin gewirkt hat. Im exklusiven Clap-Interview spricht sie über Breaking News, Klima-Büros und die längste Liebesbeziehung ihres Lebens.

Sie sind seit Oktober letzten Jahres neue Chefredakteurin von Bunte.de. Davor gab es rund anderthalb Jahre keine Chefredakteurin für den Service. Warum war die Besetzung dieser Position wieder nötig geworden?

Bähr: Auf Events blieb die vergangenen eineinhalb Jahre immer ein Champagnerglas übrig, das wäre doch schade drum gewesen! Spaß beiseite, ‚Bunte‘ ist Europas größte People-Marke, sie benötigt auch eine konsequente digitale Markenentwicklung. Ich bin sehr stolz auf diese Position und mir meiner Verantwortung bewusst. Wir leben in einer Welt, in der jede Person ein Content Creator sein kann, Prominente finden ihr Publikum auch ohne klassische People Brands. Mir geht es darum, den Dialog zwischen Persönlichkeiten und den Menschen im Land aufzuwerten – durch emotionalen, verlässlichen und wertschätzenden Journalismus. Das können die neuen Plattformen nämlich nicht. Und dann gibt es auch weiterhin Champagner.

Zu Ihrem Amtsantritt wurde verkündet, dass die Website nun noch „konsequenter ins Digitale“ übersetzt wird. Was wurde in dieser Hinsicht seitdem verändert?

Bähr: Unser Relaunch hat das Angebot bildstärker und emotionaler gemacht. Aktuell arbeiten wir intensiv an unserer Videostrategie und experimentieren mit verschiedenen Player-Modellen, um den Userinnen und Usern das beste Multimedia-Erlebnis zu bieten. Viele unserer Redakteurinnen und Redakteure treten mittlerweile vor der Kamera auf und präsentieren neu geschaffene News-Formate im Video. Es ist mir ein Herzensanliegen, erfolgreichen weiblichen Role Models eine Bühne zu geben. Deshalb kooperieren wir eng mit dem Frauen-Netzwerk „Mission Female“, dessen Unternehmerinnen regelmäßig bei Bunte.de publizieren.

Sie verantworten zusammen mit Isabella Kurth auch das Brand Management von BUNTE.de. Bei Ihrer Vorgängerin Julia Dettmer gehörte das nicht zum Aufgabenspektrum. In welche Richtung wollen Sie die Marke künftig steuern?

Bähr: In den vergangenen zehn Monaten sind wir mit Bunte.de thematisch deutlich breiter geworden, als Sie es von einem reinen People-Portal kennen. Allein mit der Fußball-EM der Frauen, die wir zum Schwerpunkt erklärt haben, erreichten wir über zwei Millionen Menschen. Wir möchten beeindruckenden Persönlichkeiten eine Bühne geben: Neben Prominenten rücken wir zunehmend auch bisher unbekannte Menschen in den Mittelpunkt, die durch ihr Handeln positiv auf ihr Umfeld und unsere Gesellschaft einwirken. Ich denke da beispielsweise an die Flutkatastrophe im Ahrtal und die unglaubliche Kraft, die zehntausende Helferinnen und Helfer dort freisetzten. Gemeinsam mit Focus online waren wir ein Jahr mit einem Büro im Flutgebiet. Diesen Standort der BurdaForward-Marken entwickeln wir derzeit zu einem Klima-Büro weiter. Nirgendwo in Deutschland zeigten sich die Folgen des Klimawandels bisher drastischer als dort. Und es gibt so viele beeindruckende Persönlichkeiten in Wissenschaft und Forschung, deren Ideen im Kampf für eine langfristig lebenswerte Welt viel zu wenig gehört werden. 

Die Online-Services sind langer Zeit bei Burda beim Unternehmen BurdaForward gebündelt. Ist dennoch künftig auch eine stärkere Zusammenarbeit mit dem Printheft vorstellbar?

Bähr: Ich bin im regelmäßigen und sehr guten Austausch mit der Chefredaktion von ‚Bunte‘. So werden wöchentlich Artikel aus dem ‚Bunte‘-Magazin auch bei uns gespielt, wir betreiben zudem den Instagram-Kanal mit 428.000 Followern gemeinsam. Bei Breaking News, die das Team von Robert Pölzer (Chefredakteur ‚Bunte‘, die Redaktion) recherchiert hat, reicht ein Anruf und wir stellen diese Story sofort online. Auch unsere Überlegungen zur Weiterentwicklung von Bunte.de entstehen in enger Abstimmung mit Robert. Uns ist bewusst, dass wir gemeinsam ein großes Marken-Erbe in die Zukunft tragen dürfen.

Sie arbeiten sowohl in Berlin als auch in München. In welcher Stadt ist der Schwerpunkt Ihrer Arbeit?

Bähr: Ich bin gebürtige Berlinerin und mit der Stadt führe ich die längste Liebesbeziehung meines Lebens. Auch mit Blick auf die Entertainmentbranche finde ich es am spannendsten, hier zu arbeiten. Viele meiner direkten Kolleginnen und Kollegen sitzen in München, weshalb ich mindestens einmal im Monat vor Ort bin und dann meistens für eine Woche bleibe. Gerade jetzt steht der persönliche Austausch über allem. Tatsächlich würde es mir an einem Ort auf Dauer schnell langweilig werden, ich bin ein rastloser Mensch und reise gerne und viel zu Events oder Branchenmeetings. Unsere Tage sind oft unvorhersehbar. Für viele wäre das ein Albtraum, ich mag diese Wundertüte. Bei uns in der Redaktion ist es ein Running Gag – wenn das Telefon klingelt, fragen die Kolleginnen und Kollegen meist zuerst „In welchem Zug sitzt du gerade?“.

Sie waren zuvor lange Jahre für Focus.de tätig, vor allem im Bereich Unterhaltung. Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten in der Berichterstattung?

Bähr: Focus online steht als führende Nachrichtenmarke für Relevanz und Verlässlichkeit. Das sind Werte, die ich weiterhin stark leben werde. Über die Netzwerk-Power der BurdaForward sind beide Marken ohnehin eng verbunden. So stellt Bunte.de den überwiegenden Teil der Entertainment-Themen auf Focus online bereit. Umgekehrt – bei sehr beherrschenden Nachrichtenlagen wie Corona oder dem Ukraine-Krieg – übernimmt Focus online die Basisinformation für die Bunte.de-Leserinnen und -Leser.

Auf Ihrer Website sehen wir unter anderem bekannte Geschichten über Herzogin Meghan, Helene Fischer oder Ben Affleck. Wie wichtig sind Ihnen exklusive News? Welche Themenhighlights wollen Sie setzen?

Bähr: Exklusivität ist im Onlinegeschäft leider wenig wert. Ist die News erst einmal draußen, finden die Userinnen und User sie innerhalb einer Stunde oder sogar weniger Minuten auf diversen Portalen. Daher sehe ich exklusive Geschichten für uns nicht als Priorität. Wichtiger ist für mich die Grundhaltung, mit der wir unsere Arbeit machen und Menschen begegnen. Ich lege Wert darauf, dass uns ein positives Menschenbild leitet. Prinzipiell zeichnen Journalisten, bedingt durch ihre berufliche DNA, negative Zerrbilder der Wirklichkeit. Dem möchten wir einen kritischen, aber auch konstruktiven und optimistischen Blick auf die Welt entgegensetzen.

Wie wir hörten, soll es vermehrt Content-Partner für BUNTE.de geben. Welche werden das sein?

Bähr: Das stimmt! Derzeit finden sich die Angebote von rund dreißig Content Partnern auf Bunte.de. Dies werden wir um weitere Publisher aus dem BurdaForward-Partnernetzwerk erweitern.

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