Die Kombination aus deutlich gestiegenen Papierkosten, galoppierender Inflation und stagnierenden oder zurückgehenden Werbeerlösen macht den Printverlagen in diesem Jahr zu schaffen. Insbesondere die Post macht aber auch weiterhin erstaunlich viel Druck mit ihren Preiserhöhungen beim Pressevertrieb. Ein möglicher Ausweg die höheren Kosten zu kompensieren ist für viele Medienunternehmer die Erhöhung der Copypreise. Von dieser Maßnahme macht jetzt die „Süddeutsche Zeitung“ gebrauch.

Der Preisschritt nach oben fällt bei den Münchnern zum Teil sehr deutlich aus. Ab dem 14. November werden jedenfalls die Copypreise neu justiert. Der Preis der Ausgabe, die von Montag bis Donnerstag erscheint , wird um 10 Cent steigen, diese „SZ“ wird also künftig 3,60 Euro kosten. Am Freitag wird die Ausgabe inklusive „SZ Magazin“ 20 Cent mehr kosten. Kostenpunkt ab nächster Woche: 3,90 Euro. Der Preis der umfangreicheren Wochenendausgabe wird dagegen deutlich erhöht. Dieser beträgt künftig 4,90 Euro, bis zuletzt waren es 4,10 Euro. Das entspricht einer Preiserhöhung von fast 20 Prozent. Das ist ein bislang seltener großer Preisschritt. Ein Sprecher des Medienunternehmens bestätigt die Clap-Infos. Als Grund nennt er, wie soll es auch anders sein, die gestiegenen Papier- und Energiekosten. 

Auch der „Spiegel“ und die „Zeit“ erhöhten zuletzt die Copypreise. Die Preiserhöhung fiel da aber nicht so deutlich aus. Bei einer Inflationsrate um die zehn Prozent erscheinen diese Erhöhungen aber derzeit mehr als legitim. Ob die neuen Copypreise die erhöhten Kosten in anderen Bereichen kompensieren können aber ist sicherlich für die reinen Printprodukte fraglich. Der Druck auf die Copypreise wird sicherlich anhalten, wenn nicht sogar zunehmen.

Deutliche Worte hinsichtlich der derzeitigen Situation der Printverlage fand der wohl künftige MVFP-Präsident Philipp Welte, der im Dezember vor seiner Berufung im neuen Amt steht. Beim Business-Netzwerk LinkedIn schrieb er vor kurzem:  „Wir stehen vor der größten Herausforderung des publizistischen Ökosystems der deutschen Verlage seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Überleben der freien Presse, die unsere Demokratie auf ihrem Weg in Freiheit, Sicherheit und Wohlstand begleitet hat, ist nicht mehr selbstverständlich. Die Vielfalt an freien journalistischen Medien, die die unternehmerische Kraft der deutschen Verlagswelt in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat, ist … in Gefahr.“

Mal sehen, welche Art von kämpferischen Weg Welte als Verbandspräsident einschlagen wird. Zunächst wird er wohl die Nähe zur Politik in Berlin suchen, um auf veränderte politischen Rahmenbedingungen einzuwirken. In der Hauptstadt kennt er sich, nicht zuletzt wegen seinem früheren jahrelangen beruflichen Engagement bei Axel Springer, bestens aus. (dh)

Last Updated on 11. November 2022 by Daniel Häuser