Business Punker Oliver Stock: „Zeigen, wie viel Power in diesem Land steckt“

Der „Anlage Punk“ ist als Ableger der Zeitschrift „Business Punk“ da. Seit kurzem gibt es auch den „Pharma Punk“. Was kommt jetzt noch? Vielleicht der „Fashion Punk“? Auszuschließen ist so etwas nicht, wie der Chefredakteur Oliver Stock (rechts im Bild) und Managing Direktor Andreas Struck erzählen. Aber jetzt steht erstmal der erste große Business Punk-Event bevor, auf den die Tegernseer große Hoffnungen setzen. Im exklusiven Interview im Münchner Park Café erzählen Stock und Struck zudem, wie es nach der Trennung von der AdAlliance bei der Vermarktung weitergeht.  

Die Weimer Media Group nimmt ab 2025 die Vermarktung selbst in die Hand und baut ein eigenes Vertriebsteam auf, um den direkten Draht zu Kunden und Agenturen weiter auszubauen, hieß es in einer Mitteilung der AdAlliance vor ein paar Wochen. Damit sind auch die letzten Verbindungen zu RTL Deutschland und Business Punk adActa gelegt worden. Freuen Sie sich jetzt über die dadurch entstehende Unabhängigkeit?

Struck: Na klar, Freiheit ist immer gut. Wir haben zwar mit der AdAlliance sehr gut zusammengearbeitet, konnten aber in den letzten zwölf Monaten feststellen, dass durch die 360 Grad-Marke Business Punk ganz besondere Beziehungen zu unseren Kunden entstehen. Das klappt nur durch persönliche Kontakte in den Verlag hinein. Es funktioniert einfach besser.

Das verlorene Bündnis mit der AdAlliance dürfte Ihnen aber doch etliche Umsätze kosten. Wie soll das ab 2025 denn konkret kompensiert werden? 

Stock: Wir haben kein Bündnis verloren, was ja bedeuten würde, dass wir jetzt danach suchen. Nein, es geht darum Business Punk optimal zu vermarkten. Und das geht nicht als ein Angebot unter vielen, sondern wir haben für die Marke jetzt ein exklusives Team, was sehr passgenau die Bedürfnisse der Kunden und unsere Möglichkeiten auf die Kette kriegt.

Struck: Wir fahren gerade mit unserer Jubiläumsausgabe ein Rekordergebnis ein, dazu hat die Business Punk-Mannschaft maßgeblich beigetragen. Allein der Umsatz von AnlagePunk ist beträchtlich. Und wir sehen künftig ein noch größeres Potential in der Kombination von Print-, Digital- und Liveangeboten durch ganz besondere, kreative Kommunikationspakete, die nur der Verlag selbst bieten kann.

Die Rede ist ja von größeren Event-Plänen. Ende Oktober, also schon in wenigen Wochen, steigt ja zum ersten Mal die Veranstaltung „Die Business Punk“. Was erhoffen Sie sich davon? Gruner + Jahr hatte doch bestimmt gute Gründe, so etwas in früheren Zeiten nicht anzugehen.

Stock: Die Gründe von Gruner + Jahr kenne ich nicht. Aber wir bei der Weimer Media Group sind Profis, wenn es darum geht, Journalismus auf die Bühne zu bringen. Unseren Ludwig-Erhard-Gipfel feiert die ARD als das ‚deutsche Davos‘, da kommen die Entscheider aus Wirtschaft und Politik zusammen. ‚Die Business Punk‘ ist das jüngere Format. Business Punk ist die optimale Marke, um in Deutschland den Staub vom Kronleuchter zu putzen. ‚Invest in „Innovation‘ heißt das Motto, unter dem wir Investoren und die Gründerszene zusammenbringen. Wir werden anhand faszinierender Beispiele zeigen, wieviel Power in diesem Land steckt.

Struck: Gucken Sie sich an, was die OMR geschafft hat. „Die Business Punk“ ist eine mal mindestens ebenso gute Marke für eine exklusive Zielgruppe. Sie wird die klassischen Print- und Digitalumsätze in den Schatten stellen. So sieht die Zukunft einer erfolgreiche Medienmarke aus.

Und auf was freuen sie sich besonders beim kommenden Event? Wer sind die wichtigsten Gäste? Was unterscheidet, außer der Größe, „Die Business Punk“ von „Dmexco“, „Republica“ oder „OMR“? 

Stock: Wir zeigen, was mit KI geht, wir probieren das Essen von morgen, und wir beweisen, dass Mobility Spaß machen kann, auch wenn keine zwölf Zylinder lautstark unter der Haube röhren. Star-Investor Carsten Maschmeyer eröffnet. Er hat das Konzept spontan klasse gefunden. Es folgt Janna Ensthaler, die bei uns Editorial Angel ist, und uns in der Investoren- und Gründerszene entscheidend berät und vernetzt. Wir zeichnen die besten Finfluenzer aus, wobei wir nicht nur auf Followerzahlen gucken, sondern auf Inhalte. Wir stellen „The next Generation Unicorn“ vor, also alle die, die aus unserer Sicht demnächst die Chance haben, ein Einhorn unter den Startups zu werden. So was habe ich alles nirgendwo erlebt. Sie vielleicht?

Vielleicht nicht in der Reihenfolge. Ihre Redaktion wurde grundlegend neu aufgestellt Anfang des Jahres 2024. Das lief etwas holprig, wenn man die Berichterstattung verfolgt hat. Wie haben sich dadurch die Themenschwerpunkte verlagert?

Stock: Als die Punkparty losging, übrigens vor genau 15 Jahren, haben die Erfinder von Business Punk das Motto „Work hard, Play hard“ ausgerufen. Wir haben noch für uns hinzugefügt: ‚Never be Mainstream‘. Das leben wir in der Redaktion. Tom Junkersdorf ist der ideale kreative Kopf für Play Hard, ich selbst kümmere mich um relevante Stories aus der Wirtschaft, Anja Horn ist als Co-Chefredakteurin auch eine begnadete Art-Direktorin. Es geht um Business und Lifestyle mit einem Gespür für Themen, die gern schräg sein dürfen.

Struck: Nicht zu vergessen: Wir haben in der Zwischenzeit mit AnlagePunk eine neue erfolgreiche Finanzmarke aufgebaut. Seit wenigen Monaten gibt es den PharmaPunk. Und wir können jetzt schon versichern: Dabei wird es ganz bestimmt nicht bleiben.

Sie haben nun eine dezentral agierende Redaktion aufgebaut. Herr Stock, sie selbst arbeiten von Düsseldorf aus, wo sie ein kleines Büro in der Innenstadt haben. Wie muss man sich die Zusammenarbeit mit den anderen Redaktionsmitgliedern vorstellen? Oder treffen Sie sich auch regelmäßig in der Zentrale am Tegernsee?

Stock: Natürlich erstatten Andreas und ich regelmäßig dem Tegernsee einen Besuch ab. Der enge Austausch mit unseren Verlegern ist menschlich wärmend und strategisch weitsichtig. Ansonsten gibt es wöchentliche Redaktionssitzungen und tägliches produktives Chaos. Wie im echten Leben. Wir haben Kollegen in Hamburg, Frankfurt, Berlin, München und sogar in Chile und Singapur. Was ich vermeiden wollte, war, zu Berlin-lastig zu werden. Wir wollen keine Blase bespielen. Deswegen ist mir die dezentrale Aufstellung wichtig.

Struck: Ein betriebswirtschaftlicher Traum. Wir sparen uns teure Büros, können die besten Mitarbeiter in den spannendsten Städten für uns gewinnen, die alle die unterschiedlichsten Trends, Eindrücke und Erlebnisse mit einbringen. Unsere Leser lieben das. Das alte Team war zu sehr auf Berlin fixiert. Das hat man uns angekreidet, zu Recht. Berlin ist nicht der Nabel der Start-Up-Welt. Es gibt überall spannende Ideen und Menschen.

Zuletzt gab es ja auch eine Titelgeschichte mit Cupra-Chef Wayne Griffiths. Mehr Old Economy statt StartUp-Business? Sowas könnte ja theoretisch auch im „Handelsblatt“ stehen.

Stock: Ich halte diese Unterscheidung für einen grandiosen Irrtum, der unser Land gerade lähmt: hier die jungen Verrückten, da die alten Säcke. Unsere Konzerne und Mittelständler haben oft mehr Startup-Feeling als die Fünf-Mann-oder-Frau-Klitsche mit Fußballtisch in Berlin-Mitte. Und die gibt es in Wahrheit gar nicht mehr, sondern es gibt energische Gründerinnen und Gründer, die auch in jedem Konzern performen würden. Wayne ist ein absoluter Prototyp für diese Generation. Er formt innerhalb dieses halbstaatlichen Koloss‘ von VW eine neue Marke. VW lässt es zu und Wayne setzt es durch. Was für eine Punk-Geschichte!

Kommt jetzt eigentlich noch ein Relaunch, so wie das früher Chefredakteure fast immer gemacht haben, wenn Sie eine neue Zeitschrift oder eine neue Zeitung übernommen haben?

Stock: Alle drei Jahre ein Relaunch und die Überschrift ist zwei Punkte größer, worüber die Redaktion zuvor sechs Monate diskutiert hat? Nein, das gibt es im Jahr 2024, in dem ChatGPT seine neuen Versionen im Monatstakt rausschießt, nicht mehr. Wir überarbeiten unseren Markenauftritt ständig. In der Business Punk-DNA steckt, dass wir jedes Mal aufs Neue überraschen. ‚Never be mainstream‘ eben. Von den Relaunchern gibt es genug auf dieser Welt.

Struck: Irgendwie habe ich immer das Gefühl, unter Oli ist jede Ausgabe ein Relaunch. Sein Team sprüht vor Ideen und sie probieren es einfach aus. Das geht nur bei Business Punk. Da gibt es keine lästigen Konventionen. Das Beste schlägt das Gute.  

An der Unterzeile „Work Hard, Play Hard“ haben Sie festgehalten. Der Spruch kommt ja eigentlich gefühlt aus den späten 90er Jahren. Warum ist der immer noch zeitgemäß?

Stock Der Spruch ist sogar uralt – er ist doch ein umgedrehter Lenin: „Wer nicht arbeitet, soll nicht essen“, schreibt der. Business Punk steht für ein Lebensgefühl, das heißt: Sich für Leistung zu belohnen. Es nicht einzufordern, sondern es sich zu verdienen. Und das alles mit einer Leidenschaft, die andere mitreißt, und mit jenem Spaß, der Fehler verzeiht. Der „Spiegel“ irrt sich mal, auf Tik-Tok gibt es lauter Irre und die „Gala“ liegt auch mal daneben. Wir bei Business Punk tun das auch. Aber wir irren uns lustiger.

Struck: Der Claim ‚Vorsprung durch Technik‘ ist auch uralt, ich glaub, sogar über 50Jahre, aber gehört einfach zur DNA der Marke Audi. Warum sollten wir also unsere DNA ändern? ‚Work Hard, Play Hard‘, ist eine Haltung, die sich für erfolgreiche und glückliche Menschen nie ändern wird!

Sie intensivieren ihre Bemühungen auch in spezielle Newsletter und Podcasts. Wo sind da noch die größten Zuwächse zu erwarten?

Stock: Wir haben unsere erfolgreich ‚How to hack‘-Podcast-Serie. Unter diesem Dach kann ich mir weitere Familienmitglieder vorstellen. ‚How to hire‘ zum Beispiel, oder ‚How to invest‘. Das gleiche Prinzip gilt für unsere Newsletter-Serie. Wir haben den Work-Hard- und den Play-Hard-Newsletter, aber da lassen sich natürlich von ‚Krypto Punk‘ bis ‚Fashion Punk‘ weitere Newsletter andocken.

Bei den „Business Punk“-Podcasts gibt es seit kurzem wohl einen neuen Host. Warum gab es da kürzlich einen Wechsel?

Stock: Thorsten Giersch hat das so klasse gemacht, dass er andere Angebote auf den Tisch bekam und dann war er weg. Mit dem Investor und Seriengründer Carsten Puschmann als Host und Oberhacker begeben wir uns jetzt auf einen ganz neuen Weg, in dem wir bewusst keinen Journalisten, sondern einen Unternehmer für dieses Projekt gewonnen haben. Das werden Podcasts auf Augenhöhe.

Was lauten denn eigentlich ihre langfristigen Pläne? 

Struck: Wir sind gerade erst in den Flieger eingestiegen, aber mit den Möglichkeiten, die eine Marke Business Punk bietet, kann es noch sehr, sehr weit gehen. Allerdings „unplanbar“, denn Business Punk muss immer einen Schritt, eine Idee voraus sein und kommende Trends spüren. Und diese Reiseziele gibt es noch auf keiner Karte.

Interview: dh

Fotos: Alexander von Spreti