Verlagserben sind ganz unterschiedlich. Während Burdas Kinder Jakob und Elisabeth sich bereits in jungen Jahren auf die Nachfolge vorbereiten und mitunter schon freche Ansagen in der Geschäftsführung machen, oder Konstantin Neven DuMont, der vor seiner Immobilien-Karriere schon lange als streitbarer Geist im Mediengeschäft mitmischte, ist es um John Jahr jr. jr. zumindest medial gesehen schon immer ruhig gewesen. Höchstens als Spielbank-Manager trat er dann und wann hörbar in Erscheinung. Nach außen hin übte der Enkel des gleichnamigen Verlegers (Gruner + Jahr) immer hanseatische Zurückhaltung. Bis zu diesen Olympischen Spielen in Sotschi.

Da rückte der Mann mit dem knautschigen Gesicht plötzlich vor einem Millionenpublikum in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Als Teamleader führte der 48-Jährige das deutsche Curling-Team, war sogar der älteste deutsche Olympia-Teilnehmer. Zum Ende hin, als seine Mannschaft schon aussichtslos auf dem letzten Platz der Gruppe versauerte, wurde es nochmal richtig spannend. Der sonst so medienscheue Lebemann ging überraschend in die Offensive, holte zum Rundumschlag aus, forderte gar mehr Steuergelder für Spitzensportler. „Bei den Hunderte-Milliarden-Budgets, die der Bund hat, sollte er mehr in den Sport investieren“, polterte er gegenüber der „Bild am Sonntag“. Zudem gab er bei Sport1 bekannt, dass er sich selbst ein finanzielles Engagement bei der Deutschen Sporthilfe vorstellen kann: „Darüber könne man ja mal nachdenken.“ Ein Satz, der von den ARD-Olympia-Kommentatoren gehört und leicht bissig live kommentiert wurde.

Als Funktionär wolle er jedoch in Zukunft nicht tätig werden, sagte Jahr auch noch, der seine aktive Laufbahn als Curler nach den Weltmeisterschaften im März in Peking beendet. Wars das dann schon wieder mit der Kommunikationsoffensive von „Johnny“ Jahr jr.jr.? Vielleicht nicht – spätestens jetzt sollte ihm nach dieser nicht nur sportlichen Erfahrung klar geworden sein, welches Gewicht die Stimme eines deutschen Verlagsadeligen in der Medienöffentlichkeit hat.

(Daniel Häuser) Foto: Screenshot ARD