Nicht „Stern“-Chefredakteur Christian Krug, sondern Medienprofi Helmut Markwort brachte den Stein ins Rollen: Im Mai 2016 hatte der „Focus“-Gründungschefredakteur bereits an seinem BR-Stammtisch Gabriels Rücktritt bekannt gegeben. Nach diesem TV-Auftritt gab es allerdings massiven Gegenwind. Nun hat die SPD die Personalie Gabriel einige Zeit später perfekt und öffentlichkeitswirksam im „Stern“ inszeniert. Wir sprachen mit Markwort über seine Sicht der Dinge.

Herr Gabriel ist nun doch zurückgetreten, so wie sie es schon Mitte 2016 vorausgesagt haben. Ist das jetzt eine späte Genugtuung für Sie?

Helmut Markwort: Natürlich freut mich die Entwicklung für mein journalistisches Ansehen. Vor allem aber bin ich zufrieden, dass sich meine Quelle als zuverlässig erwiesen hat.

Glauben Sie, dass Gabriel schon 2016 zurücktreten wollte, wegen Ihrer Äußerungen aber den Plan zunächst nur verschoben hat? 

Helmut Markwort: Über die Stimmungsschwankungen von Sigmar Gabriel mag ich nicht spekulieren.

Damals gab es von vielen Seiten Dementis, auch süffisante Kommentare waren zu lesen. Beispielsweise sagte Gabriel bei RTL: „Dass man in Deutschland nicht mal mehr krank werden darf als Politiker, ohne dass einer dummes Zeug erzählt, hat mich auch bisschen überrascht“. Haben Sie sich darüber sehr geärgert?

Helmut Markwort: Primitive Beleidigungen wie die von Ralf Stegner (stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD, Anmerkung der Redaktion) habe ich mir gut gemerkt.

Sie haben als Chefredakteur des „Focus“ viel erlebt. Und wurden wegen der Personalie Gabriel ganz konkret nach ihren Quellen befragt. Ist es für Journalisten schwieriger geworden, seine Informanten zu schützen?

Helmut Markwort: Niemand kann mich zwingen, eine Quelle zu verraten. Die Namen wichtiger Informanten nehme ich mit ins Grab.

Sie sind demnächst als FDP-Mitglied bei der Wahl des neuen Bundespräsidenten dabei. Werden Sie bei der Gelegenheit nochmal mit Gabriel reden?

Helmut Markwort: Bei der Bundesversammlung am 12. Februar kommen mehr als 1200 spannende Personen aus allen Parteien im Reichstag zusammen. Ich freue mich auf die Begegnungen mit Bekannten und Unbekannten. Gerne auch mit Gabriel.
 
gabriel
Übrigens war Gabriel am Tag der „Stern“-Veröffentlichung ausgerechnet bei der Neueröffnung des Berliner „Spiegel“-Büros. Nettes Detail am Rande: nicht die Flasche Becks Bier von Gabriel, sondern, dass „Spiegel“-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer auf den offiziellen Fotos nicht mit Gabriel zu sehen ist.
 
 
Foto: Spiegel, SPD, Hubert Burda Media