Alfred Draxler war im wahrsten Sinne des Wortes der große Mann des Journalismus bei Axel Springer. Seit 1978 arbeitete der hochgewachsene Gelsenkirchener im Verlag – rekordverdächtig. Den deutschen Boulevardjournalismus hat er durch seine jahrelange Arbeit geprägt, er war viele Jahre in der Chefredaktion von „Bild“ DER Stellvertreter von Kai Diekmann, „Vize“ bei „Bild am Sonntag“ und zuletzt bei der „Sport Bild“ Chefredakteur.

Den Theodor-Wolff-Preis hat er nie gewonnen, doch Schlagzeilen texten konnte er wie kaum ein anderer. Er war ein Mann alter Schule, bei redaktionellen Konflikten wurde er nie lauter, sondern eher leiser. Seine Kolumne „Nachgehakt“ traf und trifft immer exakt den Nerv der Sportszene. Als 64-Jähriger, kurz vor dem klassischen Rentenalter also, zieht er nun also einen Schlussstrich. Er wird den Verlag weiterhin beraten und als Chefkolumnist arbeiten, doch verliert der Sportjournalismus eine mächtige Leitfigur, trotz oder gerade wegen seiner nicht unumstrittenen Art.

Nach außen hin polarisierte Draxler, eine zu große Nähe und sogar Kumpanei wurde ihm oft genug zu seinem Golf-Freund Franz Beckenbauer oder auch zu Lothar Matthäus nachgesagt. Nach innen aber agierte er integer, in der Redaktion war er als Kollege mit Rückgrat bekannt, auf dem man sich fast immer zu 100 Prozent verlassen konnte. Draxler hat, trotz mancher Fehltritte, eine bedeutende journalistische Lebensleistung. Am Montag in dieser Woche hielt er beim „Sport Bild Award“ eine Rede, wohl sein letzter großer Auftritt für den Verlag. Im nächsten Jahr wird das sein Quasi-Nachfolger Matthias Brügelmann für ihn machen. (Daniel Häuser)

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Am vergangenen Montag Abend: Draxler vor der versammelten Sportszene.

 

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Sport Bild Award: Klassentreffen unter Sport-Profis.

Fotos: Axel Springer