Weihnachten. Kommt immer zu schnell, völlig überraschend und doch immer am selben Tag. Jedes Jahr nimmt man sich deshalb vor, sich früher um die Geschenke für seine Lieben zu kümmern.

Aber, und diese Frage stellt sich ebenso in jedem Jahr, was schenkt man jemanden, der alles hat? Erst recht, wenn sie oder er über ein ganzes Medienimperium verfügt. Meine Geschenke zeichnen sich nun bisweilen dadurch aus, dass sie nicht jedem gefallen oder gar schwer im Magen liegen. Seien Sie also gespannt, was mir dazu eingefallen ist.

Philipp Welte wünsche ich weniger, denn weniger ist bekanntlich mehr. Ich wünsche dem geplagten Mann weniger Focus. Denn spätestens seit der Headline „DFB sollte Kapitel Jones beenden – aber nicht, weil sie schwarz und lesbisch ist“ hat sich das Blatt endgültig von jeglichem, journalistischen Standard entfernt und eignet sich nicht einmal mehr als Online-Spam. Dafür schenke ich Welte zwei neue Kniescheiben. Seine alten waren ihm, nach eigener Aussage, von der jüngsten E-Privacy-Verordnung der EU-Kommission zertrümmert worden.

Julia Jäkel, unsere Medien-Jeanne d‘Arc und selbstlose Vorreiterin für Qualitätsmedien, wünsche ich vernunftbegabtere Kunden. Auf ihren „Fair Share“-Vorstoß antworteten Allianz, Commerzbank und Conti („kein Grund in Qualitätsmedien zu investieren“) dermaßen unterirdisch, dass sie vor Wut – und nur um die Kunden zu ärgern – ein halbes Dutzend neuer Magazine erfand. Ihr schenke ich noch mehr Magazin-Ideen („Gemüse! – Der Weg zum Ziel“ oder „Cure! – Heilung durch Fleisch“). In der Print-Hölle sollen sie schmoren, die Werbekunden.

Mein Geschenk an Thomas Ebeling ist dagegen so naheliegend, dass jeder drauf gekommen wäre. Er zählt nämlich zur seltenen Spezies der Medienbosse, die noch lange nicht alles haben. Dem Mann fehlt es schlicht und ergreifend an sehenswerten Programmen. Dieses Naheliegende hat er jedoch nicht erkannt und baut stattdessen den halben Stadtteil Unterföhring um. Ich schenke ihm daher was mit roten Bändern, Zombies, Shopping Queens oder Löwen. Am besten alles zusammen in einer spektakulären Serie.

Zu guter Letzt habe ich ein erlesenes Geschenk für Udo Müller („Rheinländer bin ich bereits mein ganzes Leben lang“). Der Chef-Gesellschafter von Deutschlands… Quatsch, Europas… Quatsch, des Universums größter Anlaufstelle für Digitales im Netz und auf Papyrus-Anschlagstellen schenke ich eine große Portion Ruhe und mehr Zeit zur Besinnung. Das ist in den Weihnachtstagen bekanntlich besonders gefragt. Mach dich locker, Udo, du bist längst der Größte.