Die Burda-Mehrheitsbeteiligung Cliqz ist enttäuscht von der Anhörung von Mark Zuckerberg in Brüssel. Im Vorfeld zum Event verschickte das Unternehmen einen offenen Brief an die EU-Parlamentarier und appellierte, dem Social Media-Zampano endlich die richtigen Fragen zu stellen. Das war aus Sicht der Münchner vor allem die Frage, ob Facebook Daten über Nutzer außerhalb seiner Plattform sammelt und speichert, woraus zwangsläufig Schattenprofile von Nicht-Mitgliedern entstehen würden. Auch Burda sammelt auf Webseiten wie Focus.de oder Bunte.de Daten, legt aber keine Schattenprofile an.

Cliqz-Gründer Jean-Paul Schmetz zu unserem Online-Dienst: „Zu Schattenprofilen gab es, wieder einmal, keine befriedigende Antwort. Sein Versuch, das Sammeln von Daten über die Websitebesuche aller Internetnutzer weltweit mit Sicherheitsaspekten zu begründen ist sogar mehr als beunruhigend, nimmt sich Facebook doch damit Rechte heraus, die wir als Gesellschaft noch nicht einmal unseren staatlichen Sicherheitsorganen gewähren.“

Allerdings, Syed Kamall, Co-Vorsitzender der Fraktion der Europäischen Konservativen, war bei der Befragung dabei und stellte tatsächlich die ominöse Kernfrage nach den Schattenprofilen. Zuckerberg beließ es aber beim Allgemeinen: Er erklärte, wie bekannt, dass Nutzer von Apps und Websites die an Facebook übermittelten Daten künftig mittels der kürzlich angekündigten Clear-History-Funktion löschen könnten. Für die Tracking-gestützte Datenerfassung außerhalb der Facebook-Plattform führte er wie schon vor dem US-Kongress Sicherheitsgründe an. Kamall blieb aber dran und fragte, wie Nicht-Facebook-Mitglieder diese Datensammlung verhindern könnten. Zuckerberg widerholte nur knapp: „Aus Sicherheitsgründen halten wir es für wichtig, diese Daten zu behalten, um unsere Community-Mitglieder zu schützen.“ Anschließend wechselte er das Thema.

Für Schmetz ist die Angelegenheit noch nicht beendet: „Ein Gutes hat die Sache aber doch: Zuckerberg hat schriftliche Antworten auf alle Fragen zugesagt. Hoffen wir, dass die EU-Abgeordneten nicht locker lassen und so lange auf echte Antworten bestehen, bis keine Fragen mehr offen sind.“

Auf jeden Fall steht das Vorgehen der Burda-Beteiligung im Widerspruch zu Holtzbrinck-Mann Rainer Esser, der jüngst in einem Turi2-Interview erklärte, dass hinter der andauernden Facebook-Kritik auch viel Neid stecken würde. „Wir sollten uns abgucken, weshalb Facebook so gut funktioniert, weshalb die so viele User haben“, so Esser. Sieht so eine gemeinsame neue Linie der Verlage aus? Sicher nicht. (dh)

Foto: Burda