Es gibt ein großes Missverständnis in Deutschland. Viele Entscheider glauben, dass ihre Mitarbeiter ihr Unternehmen lieben, loyal und deshalb sofort bereit sind, alle Corporate News in Social Media zu teilen. Sorry, aber dem ist nicht so: Die Wirklichkeit sieht etwas anders aus. Von unseren Mitarbeitern erhalten wir nur wenige Shares und Likes. Und im folgenden Text erkläre ich Ihnen nun, warum das gut so ist.
 
Content gibt es im Internet zu jedem Thema mehr als genug. Deshalb reicht es nicht mehr aus, als Mitarbeiter eines Unternehmens einfach noch mal einen 08/15-Inhalt der eigenen Marke in Social Media zu teilen. Als Leser ertragen wir die Content-Wiederholung um der Wiederholung willen kaum noch. Das wirkt wie Werbung und wird am liebsten von uns Lesern ignoriert.
 
Roboterhafte Tweets und Facebook oder LinkedIn-Postings vermehren nicht die Reputation eines Unternehmens, sondern stürzen sie eher in die Bredouille. Schließlich ist ein Brei aus immergleichen Inhalten nicht besonders nahrhaft. Ohne Persönlichkeit verliert jeder Corporate Influencer als Markenbotschafter sofort an Glaubwürdigkeit. Er wird zum langweilenden Klonkrieger. 
 
Ich verstehe Klonkrieger als verkünstelte Wesen, die über keine erkennbare eigene Persönlichkeit mehr verfügen und sich kaum voneinander unterscheiden (sollen). Ursprünglich waren Klonkrieger im Filmepos „Star Wars“ geklonte Soldaten, die sich durch ihre bedingungslose Treue zur Republik und ihrem Oberhaupt auszeichneten. In diesem Sinne übernehmen unsere neuen „Klonkrieger“ alle Botschaften ihrer Organisation und teilen sie über ihre persönlichen Accounts. Dabei gehen sie in quasi militärischer Formation vor, immer dem großen Ganzen der Marke verpflichtet, ohne jegliche eigene originäre Ideen. Klonkrieger verzichten auf jegliche Menschlichkeit und werden deshalb sehr oft mit Bots verwechselt, die automatisch Inhalte verbreiten. 
 
Wer als Marke positiv auffallen will, benötigt keine solchen Klonkrieger, die alles replizieren, was ihnen vom eigenen Unternehmen vorgesetzt wird. Stattdessen brauchen Unternehmen meiner Ansicht nach selbstständig denkende Menschen, die uns Leser mit ihrer persönlichen Einordnung eines Themas inspirieren.
 
Unternehmen benötigen keine Mitarbeiter, die als Corporate Influencer in einer Formation marschieren. Stattdessen sind Querdenker gefragt, die ihren Verstand und ihre Emotionen dazu nutzen, sich inhaltlich von der Content-Masse im Internet abzuheben.
 
Es gibt hierzulande Unternehmen, die ihre Mitarbeiter dazu auffordern, Unternehmensinhalte 1:1 auf ihre persönlichen Social Media Accounts zu stellen, um auf diese Weise die Markenbotschaften sichtbarer zu machen. Sie sollen dadurch ihre Loyalität zeigen. Wer jedoch so etwas von seinen Mitarbeitern verlangt, baut sich dadurch nur Klonkrieger, die nichts Neues und Inspirierendes mehr haben. Außerdem verlieren Unternehmen an Glaubwürdigkeit, wenn dem Einzelnen die Persönlichkeit ausgetrieben wird. 
 
Das Engagement auf persönliche Postings ist in Social Media sehr groß, im Verhältnis zu Markenaccounts oft sogar viel besser. Menschen mögen zwar durchaus einige Marken, doch sie verspüren wenig Lust darauf, mit diesen direkt zu interagieren. Viel lieber mögen Menschen andere Menschen, die eine echte Kommunikation erlauben. 
 
Gefragt sind Menschen mit Ecken und Kanten, die das Potenzial zum Personal Brand haben, weil sie sich in ihren spezifischen Themenfeldern auskennen und andere daran teilhaben lassen wollen. Durch ihre Begeisterung und Leidenschaft sind diese intrinsisch motivierten Mitarbeiter die besseren Unternehmensbotschafter, die selbständig einen anderen Blick auf die Unternehmensmarke ermöglichen. 
 
Wenn die Corporate Influencer eines Unternehmens nur ihre Marke replizieren, immer wieder Corporate Content veröffentlichen, warum sollten wir ihnen in Social Media folgen? Etwas Langweiligeres als Klonkrieger kann ich mir nicht vorstellen. Ihnen fehlt das Individuelle und damit der menschliche Charakter. Klonkrieger tragen eine Maske und lächeln nicht, weil das zuviel über ihr Innenleben verraten würde. Sie sind in ihren digitalen Kanälen sehr vorsichtig und vermeiden es, irgendeine menschliche Regung zu zeigen. 
 
Viel spannender sind selbständig denkende Mitarbeiter, die ihre Social Media Aktivitäten mit einer persönlichen Note versehen und zudem ihre Expertise zeigen. Candy Content wirkt dabei eher verstörend. Wenn Corporate Influencer immer wieder publizieren, wie gerne sie ihre coole Marke haben, wie toll das eigene Team ist, nutzt sich das schnell ab und erreicht allenfalls die lieben Kollegen, aber kaum mehr neue Rezipienten. Der Mehrwert ist für die meisten Onliner eher überschaubar, nervt irgendwann sogar. 
 
Sind Sie schon ein Klonkrieger? Falls Sie das doch lieber vermeiden wollen, können Sie unseren Klonkrieger-Test machen. Wenn Sie bei mehr als 50 Prozent der folgenden 13 Punkte zustimmen, sollten Sie sich Gedanken über ihre weiteren Social Media Aktivitäten machen. Denn besonders erfolgreich sind Klonkrieger nicht. Sie schrecken eher ab. 
 
Doch testen Sie sich doch einfach selbst:
 
1. Auf meinen Profilfotos in Social Media bin ich kaum oder gar nicht erkennbar.
ja/nein/vielleicht
 
2. Datenschutz ist mir heilig, deshalb gibt es keine Fotos und schon gar nicht Selfies von mir online.
ja/nein/vielleicht
 
3. Antworten kosten zuviel Zeit, ich verzichte darauf lieber.
ja/nein/vielleicht
 
4. Ich retweete jeden Post meines Unternehmens auf Twitter.
ja/nein/vielleicht
 
5. Ich like alle Veröffentlichungen meiner Organisation auf Facebook.
ja/nein/vielleicht
 
6. In meinen Texten schreibe ich lieber „man“ statt „ich“.
ja/nein/vielleicht
 
7. Spass haben, das zeigt zu viel von mir, deshalb lächele ich lieber nicht im Netz. Ich verzichte ohnehin lieber auf Humor.
ja/nein/vielleicht
 
8. Engagement für eine gute Sache macht mich angreifbar, deshalb zeige ich online lieber keine Haltung.
ja/nein/vielleicht
 
9. Auf Social Media Postings anderer Menschen gehe ich lieber gar nicht ein. 
ja/nein/vielleicht
 
10. Selbstvermarktung ist etwas für Narzissten und passt nicht zu mir.
ja/nein/vielleicht
 
11. Ich lese immer jeglichen Corporate Content. 
ja/nein/vielleicht
 
12. Ich wundere mich nicht darüber, dass meine Inhalte kaum geteilt werden.
ja/nein/vielleicht
 
13. Ich lese gerne Clippings und kenne das „Clap Magazin“ eigentlich gar nicht.
ja/nein/vielleicht
 
 
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Wer mehr über Corporate Influencer und Best Practices erfahren möchte, kann dazu den vierteiligen d.Tales Newsletter abonnieren. Alle Abonnenten des Corporate Influencer Newsletters erhalten nach ihrer Bestellung bereits mit dem ersten Teil ein rund 80 Seiten umfassendes kostenloses E-Book: https://d.tales.de/corporate-influencer-day/
 
Klaus Eck, ist Gründer und Geschäftsführer der Content Marketing Agentur d.Tales