Es war ja oft zu lesen, dass Corona einen Digitalisierungs-Schub auslöste. Das gilt nicht nur für die Mediennutzung. Immer mehr Zeit und Geld fließen in Streaming, Lieferdienste oder KI-Fonds. Delivery Hero notiert im DAX. Apple ist zwei Billionen Dollar wert… Die großen Player nutzen in der Krise ihre Stärke. Sie vergrößern nicht nur den Abstand, sondern schaffen neue Marktbedingungen.

In Kürze kommt Facebook News nach Deutschland. Das ist wie ein Amazon für Publisher. Die dürfen sich bewerben bei Facebook und werden ausgewählt als Anbieter. Den Zugang zum User aber verwaltet Facebook. Facebook News liefert den Content aus. Natürlich wird Facebook die Content-Lieferanten (a.k.a. Publisher) bezahlen. Leider werden die Preise aber nicht von den Publishern bestimmt. Sie dürften sich zwar anfänglich über einen leicht warmen Erlösregen freuen. Über kurz oder lang werden sie sich aber in der Rolle von Margen-Optimierern wiederfinden. So wie Lieferanten von Discountern: so gut wie nötig, so billig wie möglich.

Das wirft die Frage auf, welche Nutzen Facebook News für uns User bringen könnte. Wir stellen uns eine Truppe von 100 Content-Lieferanten für Facebook News vor. Alle getestet und registriert mit einer Gründlichkeit, dass Herr Söder seinen Trachtenhut ziehen würde. Aber was passiert nach der Zulassungs-Kontrolle? Dürfen die Content-Lieferanten dann frei agieren und als Super-Spreader ihre News nach Gusto in die Facebook News Welt posaunen? Wird der Algorithmus, der den Content indiziert, schlau genug sein, um sensationslüsterne Focus Online Teaser von journalistischen Spiegel Online Zeilen zu unterscheiden? Muss und soll der das überhaupt? Soll eine Portion Eigenverantwortung beim User bleiben?

Wenn ich im bayerischen Wald zum Schwammerl suchen gehe, dann weiß ich, dass manche ungenießbar und giftig sind – auch wenn sie noch so verlockend aussehen. Ignoranten, Spielernaturen oder Lebensmüde nehmen sie trotzdem ins Körbchen. Schwammerl-Führer (online) hin oder her.

Facebook News kann ein reichweitenstarker Vertriebskanal für Content werden – für das Discount-Sortiment der Publisher oder zum Anfüttern für Premium Content. Ergänzend dazu wird Paid Content ein zunehmend wichtige Erlösquelle sein. Aber nicht mehr in der tradierten Paketierung als Monats- oder Jahres-Abo: Im Edeka in Plattling oder Georgien kann ich – nachweislich – 15 Gramm Leberwurst per Apple Pay bezahlen.

Aber auf pnp.de geht es nicht, dass ich einen Artikel per Doppelklick kaufen kann. Genau deswegen habe ich die letzten Monate immer wieder einen Rückzieher gemacht vor Paid Content. Nicht aus Mangel an Interesse, sondern weil ich 2020 genau das eine bestimmte Angebot einfach und unkompliziert kaufen will. Ich bin nicht bereit, dafür ein Abo über mehrere Wochen abzuschließen. Nicht mal zum Test. Ich pachte ja auch nicht den ganzen Wald für einen Monat, nur weil ich am Sonntag zehn Schwammerl für das Risotto brauche.

Facebook News wird das sicher besser lösen.

 

Mehr über Thomas Bily erfahren Sie auf seiner Webseite www.digital-age.marketing

 

Foto: Alexander von Spreti, Facebook