Die Ankündigung von der Handelsblatt Media Group, einen Wirecard-Podcast zu starten, kommt überraschend. Klang das doch ein wenig danach, als ob ein zurückliegender Fall darin noch einmal aufgearbeitet wird. Dabei stecken wir noch mittendrin in der Wirecard-Krise. Doch die Düsseldorfer setzen wohl statt auf verstärkte investigative Recherche für Print in diesem Fall lieber auf so ein schickes Audio-Format. Ist ja gerade angesagt.

Dabei war es in dieser Woche nicht das „Handelsblatt“, sondern erneut die „Financial Times“, die erstaunliche Dinge aufdeckte – Wirecard hatte offensichtlich eine Übernahme der Deutschen Bank im Sinn. Die Engländer schreiben die relevanteren Geschichten. Das „Handelsblatt“ tappte bei Wirecard dagegen lange im Dunklen. Noch Mitte März 2020 hieß es dort beispielsweise in einem Bericht: „Ja, auch die renommierte ‚Financial Times‘ (FT) kann irren. Aber ihre Fragen nach dubiosen Buchungen und ungeprüften Geschäftspartnern abzubügeln, wäre töricht.“ Aber sie irrten und irren nicht.

Ex-„Handelsblatt“-Mann Gabor Steingart gab sich im Vergleich zur Wirtschaftszeitung dagegen in seinem Morning-Briefing heute selbstkritisch: „Die Frage, warum Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Bafin und Wirtschaftsmedien diese Luftnummer nicht gesehen und nicht gefühlt haben, stellt sich am Tag nach Vorlage des Berichts lauter als zuvor.“ Auch das „Handelsblatt“ sollte sich diese Frage mal stellen. (dh)

Foto: Handelsblatt