In München geht es wieder los mit dem Messebetrieb. Ab morgen läuft „TrendSet“, eine Ausstellung zu den Themen Lifestyle, Wohnen und Schenken. Damit alles glatt läuft hat die Messe München ein spezielles Hygienekonzept erstellt. Über den Neustart sprach Clap mit dem Messe München-Chef Klaus Dittrich.

Viele Monate Stillstand bei der Messe München. Wie erleichtert sind Sie, dass seit dem ersten September wieder Messen unter bestimmten Auflagen durchgeführt werden dürfen?

Die Messe München ist ein international agierendes Unternehmen – am Standort München und mit Tochtergesellschaften in den wichtigsten Wachstumsmärkten – die größte in China. Dort haben wir bereits ab Juli wieder Messen mit mehreren zehntausenden Besuchern veranstaltet. Unser Messeportfolio besteht aus zahlreichen Weltleitmessen, an denen sich Menschen aus bis zu 200 Ländern treffen. Bereits im Januar, als unsere erste Messe in China wegen COVID-19 nicht stattfinden konnte, haben eine Taskforce eingerichtet, die sich mit allen Aspekten von Corona im Zusammenhang mit Messen intensiv auseinandersetzt. Aus dieser Taskforce heraus erarbeiteten wir ein Schutz- und  Hygienekonzept, das wir den Behörden vorlegen konnten. Daher ja, ich bin sehr zufrieden, dass die Bayerische Staatsregierung Mitte Mai verkündete, dass Messen ab Herbst wieder stattfinden können. Stillstand gab es bei der Messe München nie. Wir arbeiten seit März an der Erweiterung unseres digitalen Leistungsspektrums, das in der jetzigen, volatilen Zeit von unseren Ausstellern und Besuchern sehr begrüßt wird.

Was konnten sie in den letzten Monaten trotz der leeren Messehallen unternehmen? Waren Sie beispielsweise in ständigem Austausch mit den Ausstellern?

Wir waren und sind im engsten Austausch mit unseren Ausstellern, Partnern und Fachverbänden. Daraus sind auch passgenaue digitale Angebote entstanden, die in Zeiten wo Messen nicht durchführbar sind, unseren Kunden die Möglichkeit bieten, sich zu informieren, sich auszutauschen, sich zu vernetzten und Geschäft miteinander zu machen. Die erste Veranstaltung dieser Art waren am 30. Juni 2020 und 01. Juli 2020 die ISPO ReStart.Days mit1.600 Teilnehmern aus 40 Ländern. Mittlerweile bieten wir für nahezu alle unsere Leitmessen wie IFAT, EXPO Real, electronica, automatica oder inhorgenta digitale Plattformen an. Wir haben bereits vor zehn Jahren bei unserer Sportmesse ispo damit begonnen, Ganzjahresplattformen aufzubauen. Corona hatdiese Entwicklung unglaublich beschleunigt und verbreitert.

Zuletzt wurde bekannt, dass die Bundesregierung bestimmte Großveranstaltungen bis Ende des Jahres verbietet. Befürchten Sie auch wieder erneute Einschränkungen für Messen?

Das von Bund und Ländern ausgesprochene Verbot von Großveranstaltungen bis Ende 2020 bezieht sich nicht auf Messen, sondern auf Volksfeste, Konzerte oder Festivals. Bei diesen ist eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregeln nicht möglich. Unsere Messen sind dagegen Corona-konform, das Infektionsrisiko ist nicht höher als beim Besuch eines Baumarktes oder Kaufhauses. Es gibt andere Rahmenbedingungen wie Reisebeschränkungen, die die Weiterentwicklung einer Präsenzmesse hin zu einem hybriden Event notwendig machen. Die Messe München ist agil und flexibel, um auf veränderte Bedingungen auch kurzfristig reagieren zu können. Derzeit weiß niemand, wie sich die Corona-Pandemie entwickelt und welche Maßnahmen künftig getroffen werden müssen. Die Lage ist und bleibt ungewiss. Dennoch haben Messen eine Zukunft, das hat Corona bewiesen. Denn wir alle haben nicht nur die Vorteile digitaler Kommunikation erlebt, sondern auch die Limitierungen. Die persönliche Begegnung von Menschen ist digital nicht vollständig ersetzbar.

Nach 70 Jahren soll die IAA im nächsten Jahr von Frankfurt am Main nach München ziehen. Wie optimistisch sind Sie, dass der Neuanfang der Automobilausstellung glücken wird?

Als Heimat der Automobilindustrie sowie als Technologie- und Forschungshub ist München der ideale Standort zur Ausrichtung der neuen IAA. Hier trifft Tradition auf Moderne. Als eine der größten Messegesellschaften der Welt ist es unser Ziel, diese beiden Komponenten zu verknüpfen und die 123-jährige Tradition der IAA in die Vision für die Mobilität der Zukunft zu führen. Die Neuausrichtung der IAA lässt sich in München perfekt realisieren: Die Stadt bietet mit ihrem internationalen Renommee sowie ihrem einzigartigen Ambiente einen idealen Rahmen für den Dialog mit der breiten Öffentlichkeit und genug Raum für Markeninszenierungen, wertvolle Geschäftskontakte sowie das Erleben aller Formen zukünftiger Mobilität. Die IAA wird in der ganzen Stadt spürbar sein, denn sie wird nicht nur auf unserem Messegelände, sondern parallel auf den schönsten Plätzen Münchens stattfinden.

Herr Dittrich, Sie räumten ein, dass es auch schon erste Absagen für 2021 gibt. Wann erwarten Sie denn wieder normale Zeiten für das Messegeschäft in München? Welche Zusagen stimmen Sie denn optimistisch?

Hier lässt sich keine seriöse Prognose treffen. Fakt ist für mich: Die Welt, wie wir sie kennen, wird in dieser Form nicht mehr zurückkommen. Es erwartet uns eine neue Realität. Ganz entscheidend für die Durchführbarkeit internationaler Präsenz-Messen wird es sein, wann ein Impfstoff zur Verfügung steht. Erst dann können Reisebe-schränkungen aufgehoben werden. Bis dahin wird der Digitalisierungsschub weitergehen und die Messebranche wie auch andere Wirtschaftsbereiche nachhaltig verändern. 

Interview: dh

Foto: Messe München