Nächste Woche liegt das neue Printheft exklusiv bei unseren Abonnenten. Titelgeschichte ist ZDF-Journalistin Bettina Schausten, die seit Anfang Juli zum Stamm-Moderationskader des „heute journal“ gehört und das neue Format „heute journal update“ nach vorne bringen möchte. Wer mehr über sie erfahren möchte schreibt uns eine Mail an clap@clap-club.de. Die ersten zehn Einsender bekommen ein Heft gratis zugeschickt.

 

Mit im Heft dabei ist auch ein Interview mit Alexander Wunschel, der vielen zwar als Präsident des Marketing Club München bekannt ist, der aber nicht nur in der Münchner Kommunikationsbranche omnipräsent ist. Zuletzt war er wieder als Podcaster für die Dmexco im Einsatz. Einen Ausschnitt aus unserem Heft-Clubgespräch zum Thema Datenleaks und Cyber-Security lesen sie hier:

 

Herr Wunschel, Sind Sie auf die Seite der Verschwörungstheoretiker gewechselt?

Wunschel: Ist da überhaupt noch Platz? (Lacht) Nein, nicht wirklich. Das ist aber auch nicht Kern von OSINT, Privacy & Security. Wenn man sich die aktuelle datengetriebene Entwicklung ansieht, dann bekommt man da durchaus Verständnis für die Entstehungsgeschichte der ein oder anderen Verschwörungstheorie.

Ed Snowden oder Julian Assange sind in der Corona-Zeit nur noch Randnotizen im Blätterwald. Die letzten großen Datenleaks sind auch schon so gut wie vergessen. Stattdessen macht so ein hirnloser Spruch wie „Gib Gates keine Chance“ die Runde. Was spielt sich wirklich im Hintergrund hinsichtlich Cyber Security und Datenkriminalität derzeit nach ihrer Beobachtung so ab?

Wunschel: Ich finde es erstaunlich welch Schöpfungspotenziale Vitamin B12-Mangel freisetzen kann. Schade nur, dass das in Ideen wie Nanopartikeln in Impfstoffen und 5G Verschwörungen mündet. Im Ernst, das Thema ist eigentlich viel zu nah und zu ernst um sich darüber lustig zu machen. Fakt ist, dass das Dark Web voll ist mit Dealern, die mit Profile und Kreditkarten handeln und dass wir mit vermehrtem Identitätsdiebstahl und gehakten Facebook-Profilen meiner Meinung nach nur Vorboten dieses Problems sehen. Daten-Lecks gab es und gibt es immer wieder, da sind ganz populäre Portale und Plattformen mit hunderten Millionen geleakten Datensätzen dabei. Und wer seine MailAdresse nicht auf  https://haveibeenpwned.com/ findet, der hat schon ein kleinen Lottogewinn. Ihre EMail hat übrigens auch 3 Treffer, Herr Häuser!

Sie sind ja vor allem als Präsident des Münchner Marketing Clubs und als Podcaster bekannt. Warum liegt Ihnen momentan das Thema Internet-Security so am Herzen?

Wunschel: Naja, ich bin Diplom-Kaufmann mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik, seit 25 Jahren im Netz, seit 20 Jahren Digital-Marketer, hab anfangs an Firewalls mit konfiguriert, die ersten 468×60 px Werbebanner mit MS Paint und Powerpoint gebastelt… Die Begeisterung für das technisch Mögliche weicht aber langsam der Erkenntnis, dass wir das Mass im Auge behalten müssen. Der Programmatic-Wahn, Internet-of-Things, Voice-User-Interface- und Augmented-Everything und Everywhere – wir treiben die Datensammelwut auf die Spitze. Und trotz aller Schutzmaßnahmen verlieren wir zunehmend den Endanwender, der in diesem Datenmeer zu schnell ertrinkt.

Nicht ganz zufällig lesen Sie gerade hier, im Münchner Hirschgarten, „Extreme Privacy – What it takes to dissappear“. Darin gibt es auch einen interessanten Abschnitt, wie man sich in Ländern wie Argentinien mit einer neuen Identität unsichtbar machen kann. Das Ganze klingt wie eine Bibel für den untergetauchten Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek. Das Buch gibt es auch nur gedruckt und in englischer Sprache. Aber gibt es darin auch Ratschläge, die der „normale Mensch“  berücksichtigen sollte?

Wunschel: Argentinien? Das sind Sie aber schon weiter durch die 580 Seiten als ich! Muss ich mir Gedanken über Clap machen?!? Nun, das Buch ist in der Form sicherlich zu viel für den Normalverbraucher. Es ist auch sehr auf den amerikanischen Markt zugeschnitten. Dennoch enthält es viele spannende Ansätze, Anregungen und Inspirationen für den eigenen Umgang mit Daten. Das fängt bei sicherem Passwortmanagement an, geht über den Einsatz von VPNs, Zwei-Factor-Authentifizierung, der sicheren Kamera- und Mikrofon-Deaktivierung, dem Einsatz von Faraday-Taschen bis hin zur Empfehlung und ihrem Haustier besser einen Alias Namen zu geben um nicht auffindbar zu sein. Und wenn ich sehe, dass schon bei Punkt 1 noch viele scheitern, dann ist da für jeden viel Luft nach oben.

Sie haben viel Kontakt mit Leuten aus der Kommunikationsbranche. Gehen diese nach Ihrer Beobachtung zu sorglos mit ihren persönlichen Daten um?

Wunschel: Nein. Es ist einerseits berufsbedingt notwendig sich auf allen neuen Portalen und Plattformen zu registrieren und zu testen. Aber gerade hier gibt es auch sehr viel Skepsis und Vorsicht. Wer im Maschinenraum arbeitet, der lernt sich vor Ölspritzern zu schützen.

Einerseits wollen Social-Media-Enthusiasten, die täglich oder stündlich irgendwas auf Instagram oder Linkedin posten, so viel wie möglich im Internet wahrgenommen werden. Nach dem Motto: so viel Sichtbarkeit wie möglich. Welche Risiken gehen diese Menschen ihrer Meinung nach ein?

Wunschel: Für diese Sichtbarkeit muss man auch geboren sein. Der Fame und der schnöde Mammon reizen sehr. Aber in der Heerschar von Followern können auch Begehrlichkeiten oder andere Emotionen wie Neid und Missgunst entstehen. Und wenn da die Privatadresse zu einfach zu ermitteln ist kann es schon mal zu unerwünschten Begegnungen kommen. Und hin und wieder sieht man dann Influenzer verzweifelt in der Öffentlichkeit ihre Privatheit einfordern. Paradox, aber unter Personen des öffentlichen Lebens ja nicht unbekannt, dieses Phänomen.

Fotos: Jana Kay, Alexander von Spreti