Im vergangenen Jahr hat die WDR mediagroup, die kommerzielle Tochter des Westdeutschen Rundfunks, einen umfangreichen Umbau abgeschlossen. Danach folgten sofort neue Herausforderungen durch die Corona-Krise. Wie das Unternehmen sich nun positioniert, darüber sprach Clap mit Michael Loeb, Geschäftsführer der WDR mediagroup GmbH (rechts im Bild) und Tobias Lammert, Geschäftsbereichsleiter Marketing & Vertrieb der WDR mediagroup GmbH.

Eigentlich sollte die Neuaufstellung der WDR mediagroup erst Ende 2021 abgeschlossen sein, doch der Umbau ging bei Ihnen schneller als geplant noch im letzten Jahr über die Bühne. Sind Sie in den vergangenen Monaten deswegen etwas besser durch die Corona-Krise gekommen?

Michael Loeb: Die Neuausrichtung war ein ordentlicher Aderlass, jedoch sind wir mit unserer neuen, deutlich schlankeren Struktur und der Fokussierung auf Kerngeschäftsfelder besser durch die Krise gekommen. Wir haben in diesem Zusammenhang ja auch eine enorme Reduzierung unserer Fixkosten vorgenommen. Das war und ist in der aktuellen Situation hilfreich.

Gibt es im Rahmen der Neuaufstellung dennoch noch offene Baustellen oder betrachten Sie diese als vollständig abgeschlossen?

Michael Loeb: Die großen und wesentlichen Baustellen sind abgeschlossen. Aber natürlich verändert sich ein Medienunternehmen und damit auch die Anforderungen an die Mitarbeitenden, wenn sich die Märkte dynamisch weiterentwickeln. Darum stellen wir uns als Unternehmen permanent auf den Prüfstand, um den Anforderungen der Märkte zu genügen. Ich würde das aber nicht Baustelle nennen, sondern einfach Herausforderungen in einer sehr spannenden Zeit, die vor allem Chancen bieten.

Dennoch dürfte eines ihrer Hauptgeschäftsfelder, die Vermarktung von Werbezeiten, stärker unter die Räder gekommen sein. Mit welchem Ergebnisausfall ist denn für dieses Jahr zu rechnen?

Tobias Lammert: Klar, wir werden dieses Jahr mit einem Minus abschließen. Der Werbemarkt hat massiv gelitten, und das hat auch uns hart getroffen. Zugleich haben wir in diesem Jahr ein paar Initiativen gestartet, die wir ohne den Krisenmodus wohl nicht oder nicht so schnell umgesetzt hätten. Die haben auch neue Umsätze gebracht. Wir haben zum Beispiel unseren Kundenkontakt superschnell auf neue Wege gelenkt. Nicht einfach nur Videokonferenz, das wäre ja nicht besonders einfallsreich gewesen. Sondern zum Beispiel als digitale Mittagspause per Youtube live. Jeden Monat besucht uns ein Gast aus der Branche, und wir sprechen über das aktuelle Marktgesehen. Oder der regelmäßige Call mit dem Emotionsforscher und Tiefenpsychologen Oliver Spitzer, der unseren Kunden Tipps für die richtige werbliche Ansprache in verschiedenen Phasen der Krise gibt. Darüber hinaus haben wir einen eigenen B2B-Podcast gestartet und vieles mehr. Das alles natürlich immer mit Rückkanal für Fragen und Anregungen, denn wir wollen unsere Geschäftspartner*innen ja nicht beschallen, sondern interagieren. Der persönliche und direkte Kundenkontakt bleibt natürlich wichtig, aber wir haben jetzt neue Wege aufgemacht – und das freut mich sehr.

Das Programm-Marketing der WDR mediagroup organisiert gerade etliche Aktionen für die einzelnen WDR-Wellen. So gab es beispielsweise die WDR2-Variete-Tour, etwa mit dem Tote Hosen-Sänger Campino, mit Rea Garvey oder Johannes Oerding. Warum haben Sie sich dafür entschließen können, das trotz der Corona-Zeit zu organisieren?

Tobias Lammert: Wir verfolgen da einen ganzheitlichen Ansatz. Über solche Veranstaltungen freuen sich ja nicht nur die Hörerinnen und Hörer, sondern auch der Kulturbetrieb. Die Künstlerinnen und Künstler wollen zurück auf die Bühne, das Publikum sehnt sich nach solchen Events. Und wir pflegen damit auch die Geschäftsbeziehung zu den Location-Betreibern in Nordrhein-Westfalen. Dass wir all das ermöglichen und dabei natürlich Sicherheit und Hygiene zuerst gewährleisten, ist echt eine starke Leistung, zeichnet unser Team aus und zahlt voll auf die WDR-Sendermarken ein. Uns selbst gibt es das schöne Gefühl, weiter handlungsfähig zu sein und diese wertvollen Momente trotz der Umstände zu realisieren.

WDR 4 hat beispielsweise in diesem Jahr Musiker zu einem Konzert ohne Publikum eingeladen. Gibt es denn bei Ihnen bereits Planungen, im nächsten Jahr wieder Konzerte mit Publikum zu organisieren?

Tobias Lammert: Ja, diese Planungen gibt es. Aber natürlich gehen wir hier in enger Abstimmung mit dem WDR und unter Berücksichtigung der Gesamtlage äußerst behutsam vor. Deshalb ist ganz klar, dass wir weiter auf Sicht fahren und verschiedene Events und Formate nur so planen und realisieren, wie es die jeweilige Situation erfordert. Und wenn die konkrete Risikobewertung eine Veranstaltung nicht zulässt, werden wir sie auch nicht durchführen. 

Was hat die WDRmg noch nach ihrer Neuausrichtung mit der „Sendung mit der Maus“ zu tun, welche Rolle spielt sie im Rahmen des kommenden Jubiläums der Maus im nächsten Jahr?

Michael Loeb: Die WDR mediagroup vermarktet die Maus seit weit über 20 Jahren. Wir machen die Marke damit für alle Zuschauer*innen auch jenseits des Bewegtbilds erlebbar. Auf diese Weise generieren wir eine Vielzahl von Kontakten, die ja wieder auf die Marke einzahlen. Wir haben zwar mittlerweile eine ganze Reihe anderer Lizenzthemen, aber die Maus ist natürlich der Star, weil Sie in den letzten 50 Jahren nichts an Beliebtheit eingebüßt hat. Man sieht es ihr übrigens nicht an, aber die Maus wird nächstes Jahr im März tatsächlich 50 Jahre alt! Zu diesem Anlass setzt die WDR mediagroup gemeinsam mit ihren Lizenzpartnern ein umfassendes Geburtstagssortiment auf: So hat das Bundesfinanzministerium das Jubiläum bereits mit einer 20 Euro Silbergedenkmünze gewürdigt. Und rund um den Geburtstag kommen zusätzlich noch viele weitere neue Jubiläumsprodukte auf den Markt. Mehr darf ich momentan noch nicht verraten…

Interview: dh

Foto: Gaby Rath