Seit Anfang September gibt es in der thüringischen Landeshauptstadt die neue MDR Media. Der Zusammenschluss aus MDR Werbung (MDRW) und DREFA Media Holding wird seither von einem Dreiergespann geführt. Einer dieser drei ist Boris Lochthofen, der Sprecher der Geschäftsführung. Mit ihm sprachen wir über die Zukunft des neuen Vermarktungsbündnisses.

Der Zusammenschluss von MDR Werbung und Drefa zur MDR Media klingt nachvollziehbar. Warum gab es den eigentlich nicht schon früher?

Lochthofen: Einen guten Gedanken zu haben ist das eine – ihn umzusetzen und Realität werden zu lassen, ist entscheidend. Insofern haben MDR und die verbundenen Unternehmen natürlich stetig in den vergangenen Jahren geprüft, wo sich Kooperationen oder komplette Zusammenführungen im Bereich der Beteiligungen anbieten. Daraus entstand das Projekt der Fusion der Werbetochter und des Beteiligungsmanagements. Bis aus der Idee Realität wurde und die MDR Media dieses Jahr gegründet werden konnte, dauerte es natürlich. Denn eine Fusion ist immer ein hoch komplexer Prozess, bei dem zahlreiche gesellschaftsrechtliche und steuerrechtliche Fragen zu klären sind, damit die Verschmelzung der Gesellschaften gelingt und sich auch die erhofften Effekte einstellen. Es waren dazu viele Abläufe und administrative Themen zweier Unternehmen zu verheiraten und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren natürlich einzubinden. Und das bei laufendem Geschäft.

Mit dem Schritt wollen Sie künftig besser mit der „Innovationsgeschwindigkeit im Medienbereich“ mithalten. Was bedeutet das konkret?

Lochthofen: Wir, die MDR Media, verstehen uns als wichtiger Sparringspartner und als Dienstleister für den MDR. Die digitale Transformation fordert unser Mutterhaus auf allen Ebenen und in allen Prozessen. Das begleiten wir heute schon mit vielen Leistungen der Tochterunternehmen von der Technik bis zur Vermarktung – aber es muss natürlich unser Anspruch sein, das noch enger an den MDR und angebunden an seine strategische Ausrichtung zu erfüllen. Die Veränderung der Mediennutzung, der Inhalteerstellung und der Distribution ist unter den digitalen Vorzeichen unserer Zeit eine Aufgabe, die man nur mit flexiblen Strukturen und Partnern bearbeiten kann. Diese Struktur wollen wir für den MDR auch in Zukunft bereithalten. Wir wollen dort Flexibilität anbieten, wo es ein öffentlich-rechtliches Haus mit seiner Struktur und seinen notwendigen Beschränkungen nicht in gleicher Weise kann und wir wollen weiter starke Finanzierungsbeiträge aus der Vermarktung leisten, um die Beitragszahler zu entlasten.

Inwiefern kann der ostdeutsche Medienstandort Erfurt von der neuen MDR Media profitieren?

Lochthofen: Für Erfurt ist die Zusammenführung der MDR-Beteiligungsstrukturen ein wichtiger Impuls. Denn natürlich macht es einen Unterschied, ob nur eine – wenn auch eine wichtige – Beteiligung des MDR hier am Ort ist, oder alle wesentlichen Beteiligungen von Erfurt aus gesteuert werden. Wir wollen hier auf dem Mediencampus um das Landesfunkhaus und den Kinderkanal natürlich daran mitarbeiten, dass Erfurt mit seiner sensationellen geografischen Lage in der Mitte Deutschland und mit seiner konkurrenzlosen Verkehrsanbindung noch ein ganzes Stück attraktiver wird für Unternehmen, die in der medialen und digitalen Wertschöpfung engagiert sind. Das werden wir als Nachfrager für Kreativleistungen unterstützen und natürlich auch mit der Verlagerung von Arbeitsplätzen, die mit unserer Präsenz am Standort einhergeht.

Sie haben betont, bei dem Neustart würde es nicht ums Sparen gehen. Welche positiven Effekte haben denn die schlankeren Strukturen für Sie?

Natürlich geht es bei so einem Schritt immer auch um die Steigerung von Effizienz. Aber nicht nur. Einerseits vereinheitlichen wir mit der Fusion Arbeitsvorgänge und reduzieren so Aufwand. Gleichzeitig sinkt die Komplexität in der Steuerung, durch weniger strukturellen Überbau. Aber genauso wichtig ist, dass wir für unsere Kunden am Markt Werbezeitenvermarktung, Content-Produktion und Technikdienstleistungen aus einer Hand und über einen Ansprechpartner zugänglich machen und so das Produktportfolio unserer Beteiligungen über eine leistungsfähige Vertriebsstruktur anbieten können. Das soll sich natürlich ertragsseitig bemerkbar machen für unsere Konzernmutter MDR.

Noch scheint die Umstrukturierung nicht ganz abgeschlossen zu sein. Erst mit der Fertigstellung des Neubaus vom Erfurter Mediencampus wird MDR Media komplett nach Erfurt umziehen. Was zieht diese Umstellung nach sich? Wie viele Mitarbeiter werden denn noch in die thüringische Landeshauptstadt kommen?

Die Bauherren und Bauträger machen uns Hoffnung, dass wir Mitte nächsten Jahres in das neue Gebäude hier auf dem Campus einziehen können. Ab 2021 werden dann 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MDR Media dauerhaft in Erfurt arbeiten. Davon kommen 60 Kolleginnen und Kollegen von der ehemaligen Drefa-Holding und 40 von der MDR Werbung. Wir freuen uns darauf sehr, denn auch, wenn wir seit Corona alle gelernt haben, ortsunabhängig und virtuell zusammenzuarbeiten, wird das physische Beziehen eines gemeinsamen Ortes nochmals ein ganz wichtiger und lange erwarteter Integrationsschritt der beiden Gesellschaften sein und die Fusion erst richtig vollziehen.

Angeblich werden auch einige Startups in ihr neues Gebäude kommen. Können Sie schon verraten, welche das sein werden?

Zu den ganz heißen Details der künftigen Flächennutzung müssen Sie unseren Vermieter, die Studiopark, fragen. Mit uns wird in jedem Fall das sehr erfolgreiche Erfurter Digitalunternehmen KIDS interactive Räume im neuen Gebäude des Kindermedienzentrums beziehen. KIDS interactive wächst seit Jahren sehr stark im Bereich der digitalen Mediennagebote für junge Zielgruppen und wartet deshalb mindestens ebenso dringend auf die Fertigstellung wie wir. Darüber hinaus ist ja bekannt, dass auch die jüngste Tochter des MDR, die gemeinsam mit dem ZDF gegründete IDA, unsere Innovations- und Digitalagentur, noch in diesem Jahr einen ersten Fuß nach Erfurt setzen wird, um hier eine Betriebsstätte zu eröffnen – insofern gehe ich davon aus, dass wir alle nicht lang allein bleiben. Denn wie ich schon sagte: Erfurt wächst.

Interview: dh

Foto: MDR Media