Noch nicht allzu lange ist es her, da holte Condé Nast Joko Winterscheidt für „GQ“ in den Verlag und machte André Pollmann zum „GQ“-Chef. Das klang nach einem großen Neuanfang beim Männertitel. Nur anderthalb Jahre später sind die einstigen Protagonisten bis auf Michalis Pantelouris (zweiter von rechts) schon wieder weg vom Fenster. Die „GQ“-Revolution ist abgeblasen. Die Macher vom Oskar-von-Miller-Ring tragen daran keine Schuld. Es geht jetzt um die Entscheidungen, die von der Zentrale aus New York kommen, konkret von der Eignerfamilie Newhouse. In dieser Woche erreicht die Münchner aus NY die Nachricht von bis zu 50 weiteren Stellen, die abgebaut werden sollen.

Die Entlassungen sind kein spezifisch deutsches Phänomen. Mit diesem Schritt zeichnet Condé Nast etwas zeitverzögert eine Entwicklung nach, die beispielsweise auf dem spanischen Markt bereits Realität ist. Dort wurde vor kurzem bekannt, dass 49 Mitarbeiter quer durch alle Abteilungen (Anzeigen, Vertrieb und Redaktion) entlassen werden. Geplant waren zunächst 55 Kündigungen. Davor wurden in Spanien rund 200 Mitarbeiter beschäftigt. Eventuell werden auch 25 neue Stellen geschaffen mit einer komplett neuen Job-Description. Auch in Frankreich gingen bereits einige Top-Kräfte aus der Redaktion, Clap berichtete.

Und nun also der deutsche Markt. Es ist davon auszugehen, dass wie in Spanien auch in der Redaktion weiter eingespart wird. Durch die neu geschaffene Zentralredaktion, mit der vom Tagblatt.ch als Modediktatorin bezeichneten Anna Wintour als Oberhaupt, werden etliche Texte nicht mehr in Deutschland produziert, sondern einfach übersetzt. Das bedeutet – es wird vieles abgespielt, was aus London und New York kommt. Da braucht es keine echten Heads in den Führungsetagen mehr. Fast jedes Cover und fast jede Story wird wohl in der Abstimmung über Amerika oder England gehen.

Hier ein Überblick über die bislang bekannt gewordenen Top-Personalien aus den vergangenen Monaten:

André Pollmann (Publisher)

Christiane Arp („Vogue“-Chefredakteurin)

Robert Emich (stellvertretender Chefredakteur „Vogue“)

Andrea Ketterer („Glamour“-Chefredakteurin)

Jessica Peppel-Schulz (CEO)

Alima Longatti (Vertriebschefin)

Oliver Janik (CNX-Chef, kein Nachfolger benannt)

Joko Winterscheidt (Chief Curiosity Officer GQ)

Johannes Patzig (der ehemalige „GQ“-Redaktionsleiter hat gekündigt und nimmt eine neue Herausfoderung an, im Bild zweiter von links)

Wie viel deutsche Identität verbleibt nach dem personellen Kahlschlag bei den Condé Nast-Magazinen? (dh)