Condé Nast-CEO Roger Lynch teilte vor einigen Wochen bereits mit, dass etliche Arbeitsplätze durch die kommenden neuen Strukturen gefährdet seien. Das wirkt sich wohl auch auf Deutschland aus. Nach Clap-Informationen steht angeblich der langjährige Condé Nast-Manager André Pollmann vor dem Weggang. 

Seit Anfang letzten Jahres war Pollmann neuer „GQ“-Markenchef. Dort setzte er auf eine umfassenderes Storytelling und einen neuen Look der Zeitschrift mit einem überarbeitetem Cover-Konzept, welches er unter anderem zusammen mit Joko Winterscheidt umgesetzt hatte. Der Entertainer hat bereits vor einigen Wochen das Blatt verlassen (Clap berichtete exklusiv), nun folgt offensichtlich auch Pollmann. Der Verlag kommentiert die Personalie nicht.

Pollmann ist eine Größe im deutschen Verlagsgeschäft. Sechs Jahre lang war er Anzeigenleiter bei Axel Springer, acht Jahre lang war er Gesamtanzeigenleiter bei Gruner + Jahr. Im Jahr 2013 wechselte er von Hamburg nach München und stieg direkt als Publisher bei Condé Nast ein. Für den damaligen Condé Nast Deutschland-Chef Moritz von Laffert war er einer der wichtigsten Führungskräfte. Er blieb noch über die Amtszeit von Moritz von Laffert hinaus und hat die Geschicke der deutschen Niederlassung in den letzten Jahren geprägt, wie kaum ein anderer.

Hier beim Clap-Shooting, noch im alten Verlagsgebäude in der Karlstraße, zeigte er sich mit der früheren „Glamour“-Chefin Andrea Ketterer, die schon vor längerer Zeit das Medienunternehmen verlassen hat. Wie Ketterer ging Ende letzten Jahres auch „Vogue“-Chefredakteurin Christiane Arp. Pollmann war nach den Personalrunden eine der wenigen verbliebenen Top-Namen im deutschen Condé Nast-Geschäft.

Im europäischen Ausland ist eine ähnliche personelle Richtung zu erkennen. Erst im Mai wurde bekannt, dass die französische „Vogue“-Chefin, Emanuelle Alt, das Unternehmen verlassen hat. Zusammen mit ihr gingen auch die zwei leitenden Redakteure Olivier Lalanne und Joseph Ghosn. Keine dieser Stellen soll neu besetzt werden. Die Entlassungen sind Teil der von Lynch angeschobenen Umstrukturierung.

Der angeschlagene Hochglanzmagazinriese hat derzeit wohl auch hohe Mietschulden, wie in der letzten Woche die „New York Post“ geschrieben hat. Condé Nast bewohnt immer noch das WTC One in New York, eine der teuersten Immobilien der Welt. Ein Auszug in Richtung New Jersey ist angeblich geplant.

Dennoch ist zu erwarten, dass Anna Wintour noch mehr Macht bekommen wird, sie ist weiterhin Chefredakteurin der amerikanischen „Vogue“. Die Inhalte des amerikanischen Magazins sollen wohl künftig effektiver auf die einzelnen Länder verteilt werden. (dh)

Foto: Alexander von Spreti