Noch ist Steffen Seibert im Amt. Doch sein mutmaßlicher Abtritt nach dem Ende der Ära Angela Merkel gibt Anlass, über seine Nachfolge als Regierungssprecher und Chef des Bundespresseamts zu spekulieren. Je nach Wahlausgang und Koalitionsbildung rücken dafür vor allem drei Namen in den Fokus. Am Ende könnte es auf eine Frau hinauslaufen.

Der einstige „heute“-Anchorman Steffen Seibert bekleidet den Posten des Sprechers von Kanzlerin Merkel und Chef des Bundespresseamts seit August 2010. Neben der Rückkehr des 61-Jährigen in sein angestammtes Metier werden Seibert Ambitionen auf eine Karriere im Diplomatischen Dienst nachgesagt. Doch ob der dreifache Familienvater mit CDU-Parteibuch tatsächlich einen Botschafter-Posten etwa in den USA anstrebt, ist offen. Dafür sprechen könnte, dass Seibert gerade dorthin nicht nur über sein jetziges Amt, sondern auch aus seiner Zeit als ZDF-Auslandskorrespondent (1992 bis 1995) Top-Verbindung hat.

Derweil schießen Spekulationen um Seiberts Nachfolge ins Kraut: Wer wird der nächste Regierungssprecher? Oder die Regierungssprecherin? Denn je nach Wahlausgang und Koalitionsbildung könnte Tanit Koch als erste Frau in der Geschichte der Bundesrepublik dieses Amt führen. Die Ex-„Bild“-Chefredakteurin, bis Ende 2020 als Chefredakteurin der Zentralredaktion und Chefin von N-TV bei der RTL-Mediengruppe im Geschirr, leitet seit Juni die Wahlkampfkommunikation der CDU Deutschland. Als ein Spin-Doctor von Armin Laschet ist Kochs Aufgabe, den Kanzlerkandidaten in den sozialen Medien zu verkaufen.

Ebenso denkbar schien lange, dass Nikolaus Blome das Amt des Regierungssprechers und Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung einnehmen könnte. Blome, seit September vergangenen Jahres Ressortleiter Politik und Gesellschaft in der RTL-Zentralredaktion, galt für die Laufbahn des Staatssekretärs als quasi gesetzt. Damals noch „Bild“-Vize bei Springer, soll er sich ein Jahr vor seinem Wechsel zu RTL in regen Verhandlungen mit Annegret Kramp-Karrenbauer befunden haben. Die damalige CDU-Bundesvorsitzende und amtierende Verteidigungsministerin wollte angeblich Blome zu sich holen.

Kramp-Karrenbauer war nach alter Lesart innerhalb der Partei die Bewerberin mit dem ersten Zugriffsrecht auf eine Kanzlerkandidatur. Nach einigen Fehlern und internen Querelen kündigte sie ihren Rückzug vom Amt der CDU-Vorsitzenden an. Mitte Januar dieses Jahres wurde Laschet zu ihrem Nachfolger gewählt. Damit sind wohl auch Blomes Aktien als künftiger Regierungssprecher etwas gefallen. Zwar wäre er mit liberal-konservativer Gesinnung vermittelbar, aber als Mann – dem Zeitgeist geschuldet – wohl im Nachteil. Und so rückt mit Ex-„BamS“-Chefin Marion Horn eine dritte Kandidatin ins Blickfeld.

Horn, derzeit Partnerin bei der Kommunikationsberatung Kekst CNC in Berlin, hat jedoch eher Außenseiterchancen. Für die gebürtige Kielern spricht ihr auf Ausgleich bedachtes Wesen. Zugleich gilt sie als meinungsfreudig und durchsetzungsstark. Zuletzt war es um die 55-Jährige in der Öffentlichkeit indes stiller geworden, was sie selbst offenbar zu korrigieren versucht. So twittert die zweifache Mutter mit Leidenschaft unter anderem über überholte Frauenbilder. Auch auf Facebook macht Horn ihr Herz laut und lässt es dabei sympathisch menscheln – etwa, wenn sie ein Foto mit ihrer Tochter oder von Hund Ary postet – oder in Erinnerungen an ihre Hochzeit vor sieben Jahren schwelgt.

Text: Bijan Peymani

Foto: Frank Siemers, Alexander von Spreti,