Das ist doch einmal mehr eine gute Nachricht aus der Alpenrepublik. Wieder hat es ein Familienmitglied der Österreichischen Volkspartei in eine hohe Position des Staates geschafft. Wir erinnern uns an „Beidlgate“ und den mittlerweile seines Amtes enthobenen Ex-ÖBAG Chef Thomas Schmid, der auch Teil der Familie war, wie ihm Finanzminister Blümel (ÖVP) schriftlich beschied. „Kriegst eh alles, was du willst“, schrieb Kanzler Kurz damals, mit drei Kuss-Emojis – worauf Schmid antwortete: „Ich bin so glücklich – ich liebe meinen Kanzler“. 

So wie es einer intakten Familie halt so zugeht.

Nun also Roland Weißmann. Ein der ÖVP nahestehender ORF-Mitarbeiter, der mit den Stimmen von Türkis (ÖVP), den Grünen und der FPÖ zum Generaldirektor der „größten Medienorgel des Landes“ gewählt wurde, wie der legendäre ORF-Generalintendant Gerd Bacher einst blumig formulierte. In offener Abstimmung. Nun soll man Weißmann nicht a priori unterstellen nicht oder nur sehr schlecht Orgel spielen zu können. Auch, dass letztendlich Parteien über den österreichischen Cheforganisten entscheiden, obwohl man sich mit dem Konstrukt eines paritätisch besetzten Stiftungsrats, bestehend aus Vertretern von Parteien und Parteien nahestehenden Personen den Anstrich der Überparteilichkeit geben wollte – um das zu camouflieren findet man sich in sogenannten Freundeskreisen zusammen. Geschenkt. Freunderlwirtschaft gehört nun mal zur DNA des Operettenstaates, der sich wie böse Zungen behaupten, immer mehr zum medialen „Orbanistan“ entwickelt. Die FPÖ mischt, anders als die AfD (mangels Regierungsbeteiligungen), dabei kräftig mit, will man doch seinen Einfluss im österreichischem Leitmedium nicht verlieren. Eine Groteske (von vielen) am Rande, das Narrativ vom Rotfunk hält sich dennoch hartnäckig.

Einst sprach man von einem „Medien-Albanien“, weil privater Rundfunk sich erst sehr spät entwickelte. Aber so oft wie der neue Generaldirektor dieser Tage das Wort Digitalisierung in den Mund nimmt, wird es vermutlich auch der ORF schaffen, irgendwann in der Jetztzeit anzukommen.

Ob es der Reputation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Zeiten von Fake News- und Lügenpresse-Gegröle guttut, wenn der parteipolitische Einfluss ohne großen Genierer unverhohlen zelebriert wird, darf bezweifelt werden. Man wird sehen, ob Weißmann die richtigen Songs auf seiner Orgel spielt, um die wachsende Skepsis in den Griff zu kriegen und den demokratiepolitisch wichtigen ÖRR im Bewusstsein der Bevölkerung als etwas Positives zu verankern.

Andreas Weinek war jahrelang in den obersten TV-Etagen zu Hause. Unter anderem bei A&E und Servus TV.  Für Clap kommentiert er regelmäßig das Geschehen in der Kommunikationsbranche.