In den letzten Monaten war es schon merklich stiller geworden: Das Best-Ager Netzwerk Wizelife stellt zum 31. März den Betrieb ein. Damit geht eine der wenigen in Deutschland gegründeten Social-Media-Plattformen vom Netz.

Das Unternehmen Seniorbook, Vorläufer von Wizelife, wurde im Juli 2011 in München von dem Immobilienunternehmer Markus Erl und dem Medienmanager Thomas Bily gegründet. Mit dem Dienst sollte die Mitte der Gesellschaft erreicht und ein authentisches Bild vom Älterwerden gezeigt werden. Das soziale Netzwerk ging 2012 online und erzielte in der Hochzeit 17 Millionen Visits und 40 Millionen Seitenaufrufe pro Monat. Insgesamt registrierten sich über 500.000 User auf der Plattform. In den besten Zeiten beschäftigte Wizelife 20 Mitarbeiter.

Im Jahr 2016 gab es bereits eine kleine Zäsur, die Münchner benannten den Service überraschend um. Fortan hieß Seniorbook Wizelife. Das Unternehmen kam damit einem Rechtsstreit mit Facebook wegen der Endung „book“ zuvor.

Mit einer Kampagne machte Mitgründer Bily auf den neuen Namen Wizelife aufmerksam.

Gründer Thomas Bily, der auch regelmäßig für Clap das Marktgeschehen kommentiert, sagt zu der Entscheidung: „Wir haben intensive zehn Jahre erlebt mit steilen Berg- und Talfahrten, finanziell wie mental. Wir haben zwei Jahre Geld verdient und die letzten 2 Jahre nur noch Geld gewechselt mit einer mehr oder weniger schwarzen Null am Jahresende. Das macht auf Dauer wenig Sinn und Spaß.“ Die Schuld schiebt Bily nicht auf Corona. Traffic und Erlöse seien während der Pandemie relativ stabil geblieben.

Vielmehr hätten sich die Hebel zur Monetarisierung von Online-Angeboten in den letzten Jahren erheblich geändert. „Immer mehr Werbung wird programmatisch ausgespielt. TKPs dümpeln dahin. Man muss ständig an allen Fronten strampeln, nur um den Kopf über Wasser zu halten. Wir setzen unsere Ressourcen und Kenntnisse an anderen Stellen wesentlich effektiver ein.“ (dh)

Foto: Wizelife, publicdomainvectors.org