Das war gestern die Medienmeldung des Tages: Die derzeit wohl bekanntesten deutschen Investigativ-Journalisten Bastian Obermayer und Frederik Obermaier (bekannt durch die „Ibiza-Affäre, die „Panama-Papers“ und die „Suisse Secrets“) bauen mit Papertrail Media einen eigenen Newsroom auf. Dieser arbeitet wohl nicht exklusiv für den „Spiegel“.

Zunächst hatte es den Anschein, als wären Obermayer und Obermaier sehr eng an den Spiegel angebunden. Das sind sie im Grunde auch. Allerdings gibt es nach Clap-Infos vom „Spiegel“ keine Beteiligung am neuen Unternehmen. Das neue Investigativ-Team hat das Nachrichtenmagazin aus Hamburg lediglich als Premiumpartner. „Die beiden preisgekrönten Investigativ­journalisten werden zukünftig ihre Recherchen im Spiegel-Verlag veröffentlichen“, hieß es auch nur in der Spiegel-Pressemitteilung von Anfang März.

Papertrail Media ist also auch offen für Recherchen anderer Auftraggeber. Diese könnten durchaus auch aus dem internationalen Umfeld kommen. Schließlich waren die beiden Journalisten regelmäßig Teil internationaler Rechercheprojekte. Bastian Obermayer ist zudem auch Mitglied im International Consortium of Investigative Journalists. Es spricht aber theoretisch auch nichts gegen deutschsprachige PapertrailMedia-Stories im „Stern“ oder bei anderen Medienunternehmen von RTL Deutschland.

Investigative Journalisten wagen den Schritt in die Selbstständigkeit, das gab es noch nicht so oft auf diesem Niveau. Beide Protagonisten sind jedenfalls gleichberechtige Geschäftsführer bei dem neuen Unternehmen. Das war bei der „Süddeutschen Zeitung“, ihrem vorherigen Arbeitgeber, noch anders: Dort war Bastian Obermayer (links im Foto) der Ressortleiter „Investigative Recherche“ und Frederik Obermaier der Stellvertreter.

Laut einem aktuellen Handelsregisterauszug meldeten die beiden folgendes an: „Erstellung und Vermarktung journalistischer Inhalte, unter anderem Print- und Online-Texte, Filme, Dokumentationen, Podcasts, Bücher & Weiteres“. Soweit nachvollziehbar. Interessanter Weise wurde aber auch „inhaltliche Beratung für Spielfilme und Serien“ mit angegeben. Bei der Verfilmung der Ibiza-Affäre und der angeschlossenen Dokumentation arbeiteten die Münchner bereits eng mit Sky Deutschland zusammen. Eventuell wird dieser Bereich also weiter ausgebaut.

Das neue Unternehmen hat seinen Sitz direkt an der Münchner Theresienwiese. Genauer gesagt in der Landwehrstraße, diese liegt örtlich gesehen im medial wenig beackerten Münchner Westend. Zumindest hat dort auch Axel Springer seine bayerische Dependance. Es gibt also keine Nähe mehr zum Süddeutschen Verlag, der seinen Sitz in München-Steinhausen hat.

Im Internet ist die Recherchegruppe künftig unter Papertrailmedia.de zu erreichen, noch ist die Website aber nicht freigeschalten. Paper Trail heißt übersetzt aus der englischen Sprache „Die Datenspur“. Ein Hinweis darauf, dass sich die Münchner auch weiterhin auf die Auswertung von sensiblen Dokumenten fokussieren werden. Auf Spurensuche waren sie ja schon immer.

Seit ein paar Tagen sind die neuen Papertrail Media-Chefs auch nicht mehr im Impressum bei der „Süddeutschen Zeitung“ im Bereich „Investigative Recherche“ aufgeführt. Die SWMH bestätigt gegenüber Clap auch offiziell den Ausstieg. Sie werden also nun ab dem zweiten Quartal 2022 mit der neuen Unternehmung loslegen können. Die Bekanntgabe gestern bei LinkedIn ist also zeitlich gesehen kein Zufall. (dh)

Foto: Alexander von Spreti