Nach wie vor rätselt die Welt über die eventuell gespaltene Persönlichkeit von Russland-Despot Wladimir Putin. Früher war er enger Freund des Westens und Deutschland-Fan, nun ist er plötzlich kältester Krieger. Fast in Vergessenheit gerät dabei ein im Rückblick interessantes Interview aus dem Jahr 2016, also zwei Jahre nach dem Einmarsch der Russen auf die Krim. In Sotschi sprachen damals bei bunten Gebäckstücken die Ex-„Bild“-Leute Kai Diekmann und Nikolaus Blome mit dem Zaren in intimer Atmosphäre.

Die Fragen der beiden sind in dem veröffentlichten Interview nicht zu hören, lediglich die Anworten von Putin werden eingeblendet. Die beste (eingeblendete) Frage gibt es gleich zum Start: „Was halten Sie von der Theorie, dass es zwei Wladimir Putins gibt?“ Nicht wissend, was noch drohen könnte. Und Putins fast verblüffende Antwort ist diese: „Ich habe mich nie verändert, fühle mich so jung wie früher und bleibe Gerhard Schröders enger Freund“. Diekmann und Putin lachen. Doch dann wird er ernst: „In den internationalen Beziehungen zwischen den Staaten … bin ich weder Freund, noch Braut, noch Bräutigam.“ Wenn man es genau nimmt, hätte man den Inhalt dieser Worte stärker hinterfragen dürfen.

Auch ohne die tatsächlichen Fragen sind die Blicke, die Blome und Diekmann während des Interviews austauschen, vielsagend. Der eine nestelt etwas irritiert in seinen Unterlagen, der andere macht sich mit ungläubigem Blick ständig irgendwelche Notizen. Insgesamt wirkt Putin deutlich jünger bei diesem denkwürdigen Treffen in Russland. Und ist beim Gespräch bei weitem nicht so aggressiv, wie bei heutigen Auftritten. In manchen Momenten hat er dieses bekannte zweischneidige Putin-Lächeln in petto, dass wohl so manchen Staatsmann auf eine falsche Fährte führte. Einen interessanten Augenblick gibt es noch am extra kleinen Tisch bei Minute fünf, bei dem Putin aus einem Dokument suchend und tastend etwas für ihn sehr Relevantes vorliest.

Wer sich selber einen Eindruck verschaffen möchte:

Düsteres Kammerspiel: Diekmann und Blome mit Putin und russischen Macarons in Sotschi.

Beim Making Of-Clip sagt Blome: „Putin lebt in seiner eigenen Welt. Es ist ein geschlossenes System, in dem er perfekt zu argumentieren weiß.“

Text: dh

Foto: Youtube